Otto Wagner in Fotografien von Walter Zednicek
JihlavaPrag - An der Polytechnischen Hochschule in Jihlava (Iglau) werden im Rahmen der im Mai dieses Jahres gestarteten Österreichischen Kulturtage noch
bis zum 31. Oktober die bedeutendsten Bauten von Otto Wagner auf Fotografien des österreichischen Fotografen Walter Zednicek präsentiert.
Für diese Wagner-Ausstellung hat Walter Zednicek versucht, Otto Wagners Bauten so zu fotografieren, wie sie Wagner sehen wollte.
Otto Wagners Bedeutung geht aber weit über seine eigene Arbeit hinaus in seiner Bedeutung als Lehrer. Seine Mitarbeiter und Schüler haben seine Baugesinnung in ganz Mitteleuropa weitergetragen und weiterentwickelt, eine ganze Reihe davon auch in Tschechien, weil sie aus den „böhmischen Kronländern“ kamen: Josef Maria Olbrich, Josef Hoffmann, Adolf Loos, Jan Kotìra, Leopold Bauer, Hans Kestranek, Alois Ludwig und Hubert Gessner.
Obwohl die überwiegende Mehrheit der Wagner-Schüler (rund 60 Prozent) aus dem heutigen Österreich kamen, stammte doch ein Viertel aus dem heutigen Tschechien, und rund fünf Prozent der Studierenden reisten aus dem ehemaligen Jugoslawien zum Studium nach Wien. Dazu kamen noch Studenten aus dem heutigen Deutschland, aus der Ukraine, aus Ungarn und Rumänien sowie auch aus der Schweiz und aus Argentinien. Die Freundschaften, die in dieser Schule geschlossen wurden, blieben auch nach dem einschneidenden Ereignis des Ersten Weltkriegs mit der Aufsplitterung des Vielvölkerstaates in Nationalstaaten bestehen. Wagners Schüler gründeten anschließend bedeutende Schulen in anderen Ländern, wie z.B. Jan Kotìra in Prag oder Jo¾e Pleènik in Laibach.
Für das Iglauer Publikum sind zwei Wagner-Schüler und zugleich zwei weltbekannte Architekten von besonderer Bedeutung: Josef Hoffmann und Adolf Loos. Hoffmann wurde in nahe gelegenem Pirnitz (heute Brtnice) geboren, die Eltern von Loos kamen direkt aus Iglau. Beide - Loos und Hoffmann - haben am Iglauer deutschen Gymnasium studiert und beide blieben durch ihr weiteres Studium in Brünn und Wien, ihr Schicksal und Karriere, weiterhin eng miteinander verbunden.
Der österreichische Architekt Otto Wagner baute für seine Zeit mit sparsamerer Ornamentik konstruktiv, funktional und materialbestimmt. Sein bekanntestes Bauwerk ist das k. und k. Postsparkassenamt in Wien (1904 bis 1906), das durch technische Neuerungen - eine Marmorverkleidung außen und ein tonnengewölbtes Glasdach sowie einen Fußboden aus Glas innen - bestimmt wurde.
Den großen Einfluss, den Wagner auf seine Schüler ausübte, ist bis heute bei verschiedenen Bauten in Tschechien zu spüren. Leider fangen wir erst jetzt damit an, sich für den Einfluss der „Wagner-Schule“ auf die moderne tschechische Architektur zu interessieren. Als ein gelungenes Unterfangen lässt sich in diesem Sinn die Fernsehreihe „©umná mìsta“ (frei übersetzt: „Schmucke Städte“) bezeichnen, die von dem Tschechischen Fernsehen ausgestrahlt wird.
Österreichische Kulturtage in Iglau mit reichem Programm
Bis jetzt wurden im Rahmen der Kulturtage in Iglau die Ausstellung „Sigmund Freud - die Enthüllung des 21. Jahrhunderts“ und die Ausstellung „Egon Schiele & Gustav Klimt“ gezeigt, die Zertifikate des Österreichischen Sprachdiploms an die Schüler der Iglauer Volks- und Hauptschulen übergeben und den Fachvortrag mit Buchpräsentation „Die Kramolin - Saga“ veranstaltet
Durch die kulturellen Veranstaltungen dieser Art wird der Öffentlichkeit in der Iglauer Region, unter der Schirmherrschaft des Österreichischen Kulturforums Prag und der Österreichischen Botschaft in Prag, die Kultur Österreichs näher gebracht und eine weitere Reihe von neuen Kenntnissen und historischen Blickpunkten auf die gemeinsame tschechisch-österreichische Geschichte vermittelt. Als regionale Mitveranstalter haben sich am Vortrag die Polytechnische Hochschule Jihlava (Vysoká ¹kola polytechnická Jihlava) und der Iglauer Regionalkulturverband, o.s. mitbeteiligt.
Im Herbst werden noch an der Polytechnischen Hochschule in Iglau zwei Veranstaltungen stattfinden: der Fachvortrag zum Thema „Jüdische Literatur aus Mähren und jüdische Literatur aus Iglau“ und die zweisprachige Ausstellung „Josef Hoffmann und die Wiener Werkstätte“.
Die Wagner-Ausstellung bleibt noch bis zum 31. Oktober in der deutschsprachigen Bibliothek der Polytechnischen Hochschule der Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist frei.
Tschechien Online, 4.10.2007