Es war ein wortreicher Balance-Akt, mit dem Günther Beckstein am Ende vor allem eines klar machte: Mit dem Wechsel in der Staatskanzlei hat zugleich eine neue Ära in der bayerischen Vertriebenpolitik begonnen. Anders als sein Vorgänger Edmund Stoiber (CSU), der bei den Sudetendeutschen-Tagen stets mit markigen Worten auf die tschechische Regierung eindrosch, beschwor Beckstein (CSU) in seiner mehr als eineinhalbstündigen Rede den Geist von Dialog und Verständigung. Jenen, die es im Wortgeklingel der üblichen Vertriebenen-Rhetorik womöglich überhört hatten, schrieb es Beckstein zum Abschluss noch einmal ins Stammbuch: "Kontakte mit den tschechischen Nachbarn, dieser Aufgabe stelle ich mich mit aller Kraft. Das wird nicht immer einfach, ist aber eine notwendige Aufgabe."
Die Zeit, 12.05.2008