Russische Aeroflot interessiert / Von Miriam Neubert (gtai)
Prag - Die tschechische Regierung hat am 19.1.09 die Privatisierung der staatlichen Fluggesellschaft CSA (Ceske Aerolinie, Czech Airlines) eingeleitet. Verkauft werden soll die Fluglinie in zwei Runden.
In der ersten erfolgt der Qualifikationsnachweis der Bieter hinsichtlich der geforderten wirtschaftlichen und technischen Kriterien sowie der Sicherheitsstandards. Erwartet wird, dass bis zu sieben potenzielle Käufer auf die short list kommen, bei der dann allein die Höhe des Angebots maßgeblich sein soll. Spätestens zum 30.9.09 soll der Gewinner feststehen. Wann der Tender ausgerufen wird, wurde noch nicht mitgeteilt.
Trotz der Weltfinanzkrise und sich verdüsternder Wirtschaftsszenarien will der tschechische Staat seinen Anteil von 91,51% an der Fluglinie CSA noch 2009 verkaufen. Gerechnet wird mit einem Erlös von bis zu 5 Mrd. Kc (rund 185 Mio. Euro). Am 19.1.09 billigte das Kabinett die vom Finanzministerium gesetzten Bedingungen und hat damit die Privatisierung der nationalen Fluglinie eingeleitet. In der ersten Runde der Ausschreibung geht es für die Bieter darum, nachzuweisen, dass sie bestimmte strategische Interessen des Staates garantieren. Dazu gehört, dass der Flugtransport die Hauptgeschäftslinie der CSA bleibt, der Prager Flughafen Ruzyne als Heimatflughafen beibehalten wird und der Status einer nationalen Luftlinie bestehen bleibt. In der zweiten Runde wird der Preis das alleinige Kriterium sein. Der Gewinner soll auf Basis von Empfehlungen des Finanzministeriums durch die Regierung bestimmt werden - spätestens bis zum 30.9.09. Als Berater hat sich das Finanzministerium im Dezember die Gesellschaften Deloitte und CMS Cameron McKenna an die Seite geholt.
Die Privatisierung kommt in einem für die internationale Luftfahrtbranche kritischen Jahr, in dem der Branchenverband IATA mit rückläufigen Passagierzahlen rechnet. Einige Beobachter gehen davon aus, dass die Regierung die positive aktuelle Geschäftslage der Fluglinie nutzen möchte, um noch einen möglichst hohen Preis für den Verkauf zu erzielen, wobei die Schätzungen zwischen 3 Mrd. und 5 Mrd Kc liegen. Auch soll der Verkauf von CSA Raum schaffen für die strategisch weitaus bedeutendere Privatisierung des Prager Flughafens Ruzyne.
Privatisierung kommt in einem für die internationale Luftfahrtbranche kritischen Jahr
Geht es nach Informationen der Regierung, könnte die zweite Runde unter fünf bis sieben Bietern entschieden werden. Interesse haben bisher die russische Fluggesellschaft Aeroflot und die größte private tschechische Fluggesellschaft Travel Service offenbart, hinter der mehrheitlich die Icelandair Group steht. Über Air France und China Southern als weitere mögliche Käufer wird spekuliert.
Aeroflot muss für sein geplantes Engagement noch einen tschechischen Partner finden. Presseberichten zufolge ist die slowakisch-tschechische Finanzgruppe Penta einer Zusammenarbeit nicht abgeneigt. Sie besitzt unter anderem das Flugzeug-Werk Aero Vodochody und den zum Betrieb gehörigen Flughafen Vodochody nördlich von Prag, der ab 2011 den öffentlichen Flugbetrieb aufnehmen soll. Im Gespräch sind auch andere Finanzgesellschaften wie J&T oder PPF. Für Aeroflot wären die Czech Airlines ein wichtiger Partner auf dem Weg zu einer globalen Fluggesellschaft. Wie der stellvertretende Direktor von Aeroflot, Lev Koschljakov, in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Hospodarske Noviny sagte, könnte CSA dem russischen Unternehmen helfen, die Wege nach Westen weiter zu öffnen. Als attraktiv bezeichnete er die Beteiligung von CSA am als Open Sky bekannten Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. Das Modell von Aeroflot basiere vor allem auf einer Nutzung der CSA als regionalem Transportunternehmen in Mitteleuropa.
Aeroflot muss für sein geplantes Engagement noch einen tschechischen Partner finden
Angesprochen auf eine möglichen Partnerschaft mit Aeroflot hatte CSA-Präsident Radomir Lasak kurz zuvor den Zugang zu dem schnell wachsenden Passagiermarkt in Russland als großen Vorteil bezeichnet. Sein Unternehmen hat durch einen dreijährigen Umstrukturierungs- und Kostensenkungsplan (2006 bis 2008) 2007 nach zweijährigen Verlusten wieder schwarze Zahlen geschrieben und einen Nettogewinn von 207 Mio. Kc (7,5 Mio. Euro) gemacht. Für die ersten drei Quartale 2008 meldete CSA einen Gewinn von 406 Mio. Kc (16,4 Mio. Euro), 157 Mio. Kc weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Passagieraufkommen lag in diesem Zeitraum bei 4,4 Mio. Reisenden, einem Zuwachs von 4,9% auf entsprechender Vorjahresbasis. Hingegen zeigten sich die Monate Oktober und November rückläufig. 2007 wurden insgesamt 5,6 Mio. Passagiere transportiert. Den Nettogewinn seiner Gesellschaft 2008 bezifferte Lasak auf "mehrere hundert Millionen Kronen".
Im internationalen Vergleich hat die Fluglinie weiter gewonnen: 2007 wurde die CSA von der Assoziation Europäischer Airlines (AEA) zur pünktlichsten Fluglinie in Europa gekürt. Für die amerikanischen Zeitschrift Business Traveler war sie 2008 die beste Fluggesellschaft in Mittel- und Osteuropa.
Tschechien Online, 26.1.2008. © Germany Trade and Invest 2009. Foto: Csanews.cz