Witwe kritisiert politische Instrumentalisierung Karel Kryls

Antikommunistischer Liedermacher wird von Kommunisten und Nationalisten beansprucht

Prag - Die Witwe des tschechischen Liedermachers Karel Kryl, Marlene Krylová, hat sich gegen die Instrumentalisierung der Musik ihres Mannes durch politische Extremisten in Tschechien ausgesprochen.

Anlass war ein Artikel der Tageszeitung Právo (Prag), in dem über die Ausstrahlung von Kryl-Stücken in kommunistischen und nationalistischen Internet-Radios berichtet wurde.

Nach Krylovás Auffassung hatte der "Missbrauch" des Vermächtnisses ihres Mannes mit dem Projekt des tschechischen Rechts-Rockers Daniel Landa begonnen, der 1994 einen "Abend mit Liedern Karel Kryls für das tschechische Volk" veranstaltete. Anschließend gründete Landa den tschechisch-nationalen Orden "Ordo lumen templi".

Als Argument gegen die politische Einverleibung Karel Kryls führt seine Witwe unter anderem an, dass es unmöglich sei, seine Gesinnung unter den heutigen Bedingungen abzuschätzen. "Wir alle wissen, dass Karel Kryl politisch sehr engagiert war, aber die Zeiten haben sich verändert, und keiner von uns weiß, welcher Richtung er sich heute anschließen würde", zitiert Právo Marlene Krylová.

Karel Kryl war eine Symbolfigur des Widerstands gegen die Niederschlagung des "Prager Frühlings" durch die Truppen des Warschauer Paktes und die anschließende politische Unterdrückung in der Tschechoslowakei durch Moskau-treue Kommunisten. Er ging im Jahr 1969 ins Exil nach Deutschland, wo er unter anderem als Redakteur für den Sender Freies Europa im München tätig war.

Der 1994 nur knapp 50-jährig in München verstorbene Kryl genießt in Tschechien den Ruf eines aufrechten Rebellen, der auch nach der politischen Wende von 1989/90 kritisch mit den Politikern seines Landes ins Gericht ging. Viele Seiner Lieder sind wie Hymnen, deren Texte fast jedermann auswendig kann.

Tschechien Online, 25.1.2006
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