Ein Besuch in der Prager Traditionskneipe U medvídkù
Prag - Auf meiner steten Suche nach dem perfekten Bierhausambiente in Prag stieß ich diesmal auf das U medvidkù. Der Service auf der Homepage klingt gut: Hotel, Brauerei und Restaurant in einem, das Richtige für durstige Gemüter.
Nur 50 Meter von der Metro- und Straßenbahnhaltestelle Národní tøída entfernt, ist das Lokal gut erreichbar und auch der Rückweg nach dem einen oder anderen Bier wird dadurch sehr erleichtert.
Wie mir es gefällt, offenbart sich schon beim Eintreten die wohlbekannte Brauhausatmossphäre. Große Tische, jede Menge Bier und der Geruch von herzhaftem Essen. Was will der bekennende Bierliebhaber mehr? Ok, der erste Eindruck stimmt und mir wird alles geboten, was ich von einer Brauereigaststätte erwarte. Die Äußerlichkeiten stimmen, jetzt geht es an das Innere und damit das Wichtigste: Bier und Verköstigung. Bevor die Speisekarte studiert werden kann, wartet standesgemäß schon ein Bier vor mir. Gut, kümmere ich mich um das Essen erst später, durstig die Karte lesen macht eh keinen Sinn.
Das kühle Blonde ist lecker und weckt den Hunger. Serviert wird alles, was zum Bier passt und komischerweise wurde nahezu die Hälfte der Speisen in Bier eingelegt. Das ist mir dann doch etwas zu viel des Guten und werde bei der halben Ente mit üppiger Beilage fündig. Ich werde nicht enttäuscht und für die zentrale Lage ist der Preis von 330 Kronen sehr fair und so erlaubt das Budget noch ein weiteres Bier. Natürlich konnte ich nicht anders, als die Spezialität des Hauses zu probieren: das Biereis. Zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig, aber mit Sahne einigermaßen genießbar.
Gut gesättigt gehe ich auf Erkundungstour und lande zunächst im Souvenirshop. Nachdem ich schon in mehreren Bierhäusern in Prag war, finde ich nichts Neues und bin den üblichen Kitsch gewohnt. Ich gebe mein Geld lieber für Bier aus, lasse den Touristenkram links liegen und folge dem Wegweiser mit der Aufschrift Brauerei.
Zwar hat mich die Werbung "Kleinste Brauerei Prags" auf Überraschungen vorbereitet. Aber die Enttäuschung war dann doch etwas groß, als ich die sogenannte "Brauerei: fand. Zwei kleine Kupferkessel inmitten in einem Speisesaal sollen – der Homepage zufolge – das stärkste Bier der Welt brauen. Leider war das Bier an diesem Abend nicht bestellbar. Auch das Kabarett – das wohl zum Repertoire der Prager Brauhäuser gehört – hatte an diesem Abend nicht geöffnet.
Insgesamt war der Besuch zufriedenstellend, auch wenn des U medvídkù nicht ganz so spektakulär ist wie das U Flekù. Keine unterhaltenden und musizierenden Kellner, aber dafür ist das Essen weitaus billiger und das Bier wird auch im halben Liter Krug statt im 0,4-Glas serviert. Wer günstig typische tschechische Mahlzeiten genießen möchte, ist hier gut aufgehoben. Auch die mittelalterlich gestalteten Zimmer laden ein, falls es mit dem Bier zu viel wurde und der Nachhauseweg sich plötzlich schwieriger als gedacht gestaltet.
Alex HeinTschechien Online, 8.6.2010. Foto: Umedvidku.cz