Argentinischer Autor liest am 6.9. aus seinem Gedichtband "Der Wind ist manchmal wie alle"
Prag - Was macht ein argentinischer Autor im Prager Literaturhaus, dessen Aufgabe die Vermittlung deutscher und Prager deutscher Literatur in Tschechien ist?
Nicht, dass so eine Veranstaltung nicht hörenswert wäre, doch würde man sie eher im Institut Cervantes oder der argentinischen Botschaft vermuten.
Der Grund, warum es Szpunberg ins Literaturhaus verschlagen hat, ist zum einen wohl seine jüdische Herkunft, sowie seine Freundschaft zu Jorge Luis Borges, dem großen Kafka-Vermittler in Lateinamerika. Darüber hinaus wird er bei der Lesung aus seiner Werkschau aus den Jahren 1962 bis 2007 unter anderen den Teil "Die Piatcok-Akademie" vorlesen. In diesem setzte sich Szpunberg mit dem jüdischen Ursprung der mitteleuropäischen Kultur auseinander.
Szpunberg selbst wurde 1940 in Buenos Aires geboren. Der Vater stammte aus der Ukraine und war vor zaristischen Pogromen nach Argentinien geflohen. Die Mutter kam aus einer jüdischen Familie, die im heutigen Moldawien lebte. In jungen Jahren sympathisierte Szpunberg mit den Kommunisten, wurde aber mit 22 aus der Partei ausgeschlossen und in späteren Jahren Mitbegründer der Widerstandsgruppe Brigada Masetti.
Die politischen Wirren im Land nahmen ihm zunächst seine Stelle als Professor an der Universität. Wenig später musste er in den Untergrund und war schließlich gezwungen, das Land zu verlassen. Über all die Jahre hat Szpunberg Gedichte geschrieben, bis heute sind sieben Bände von ihm erschienen. Bei der Lesung wird er einen Querschnitt seiner Werke vorstellen. Die Veranstaltung wird ins Deutsche gedolmetscht. (mk)
Lesung Alberto Szpunberg
Montag, 06.09.2010, 19:00 Uhr
Pra¾ský literární dùm
Jeèná 11, 120 00 Praha 2
Tschechien Online, 23.8.2010. Foto: Prager Literaturhaus