Jáchym Topol erhält Jaroslav-Seifert-Preis

"Unübersichtliche Persönlichkeit" der tschechischen Literatur

Prag - Der tschechische Dichter Jáchym Topol ist mit dem renommierten Jaroslav-Seifert-Preis ausgezeichnet worden.

Damit ehrte die Stiftung der Charta 77 den 48-Jährigen für sein bislang letztes Werk, den 2009 erschienenen Roman Chladnou zemí ("Die Teufelswerkstatt").

Topol sei eine "unübersichtliche Persönlichkeit" im tschechischen Literaturbetrieb, betonte Franti¹ek Janouch von der Stiftung Charta 77 in seiner Laudatio.

"Ich schätze ihn nicht nur als Schriftsteller, sondern auch für seine redaktionelle und publizistische Tätigkeit, die vor der Revolution mit Underground und Samizdat verbunden war", erklärte Janouch mit Hinweis auf die weiteren Tätigkeiten des Laureaten. In Tschechien schreibt Topol regelmäßig für die konservative Tageszeitung Lidové noviny.

"Die Teufelswerkstatt" greift unterschiedliche Themen der jüngeren Geschichte auf und kombiniert Tatsachen mit grotesker Übertreibung. "Jáchym Topol hat mit dichterischer Intuition die Verbrechen des Nazismus, Faschismus und Kommunismus verbunden und damit eine Art durchgehenden Übergang von Theresienstadt über das Weißrussland der Kriegsjahre bis in die Gegenwart", so Janouch.

Topol hob in seiner Dankesrede hervor, dass der Seifert-Preis von großer persönlicher Bedeutung für ihn sei. "Von keiner anderen Auszeichnung habe ich so viel geträumt", sagte er.

Der nach dem tschechischen Literaturnobelpreisträger Jaroslav Seifert benannte Preis wurde 1986 in Stockholm gegründet. Ziel war die Unterstützung tschechischer und slowakischer Autoren in der Heimat und im Exil. Die Auszeichnung erhielten unter anderem Dominik Tatarka, Bohumil Hrabal, Václav Havel und Ivan Martin "Magor" Jirous. (gp)

Tchechien Online, 5.10.2010






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