Vierter Teil der Prager Turm-Reihe
Prag - Vom Altstädter Rathaus ist es nur ein kurzer Spaziergang und schon ist man beim nächsten Wahrzeichen Prags angekommen, der Karlsbrücke - und damit auch beim nächsten Turm.
Der Grundstein des Turms wurde 1357 gelegt, gleichzeitig mit dem Baubeginn der Karlsbrücke. Doch nicht nur das astronomisch bedeutsame Erbauungsjahr sollte dem Verteidigungsturm Kraft verleihen, Angreifern zu trotzen.
Zusätzlich wurde eine tote Katze in das Fundament eingemauert sowie die magische Formel
Signa te, signa, temere me tangis et angis an beiden Seiten des Turmes angebracht, die heute leider nicht mehr zu sehen ist.
Ob es magische Kräfte sind, die den Turm beschützen, sei dahingestellt. Fest steht, dass er bis heute von keinem Angreifer eingenommen werden konnte, wenn auch seine Westseite im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Geschützen schwer beschädigt wurde.
Neben seiner Funktion als Verteidigungsturm erfüllte er auch repräsentative Zwecke. Da er am Königsweg liegt, jenem Weg, der die Könige vor ihrer Krönung durch die Stadt führte, erhielt er eine einzigartige bildhauerische Ausschmückung. Auf der Außenfassade sind Porträtplastiken von Kaiser Karl IV. und König Wenzel IV. angebracht, über die der Heilige Veit wacht.
Ein Stockwerk höher stehen die Skulpturen des Heiligen Sigismund, des Patrons Luxemburgs, und des Heiligen Adalbert, des Patrons Böhmens. Zu den Füßen der Heiligen liegt ein Löwe, der vom Turm hinunter schaut. Auch die Aufstellung der anderen Figuren, ihre Anzahl und die der Schmuckelemente haben eine geeheime Bedeutung, die mit der Astrologie zusammenhängt.
Nach dieser ausführlichen Außenbetrachtung geht es nun auf ins Innere. Um auf die Aussichtsplattform zu gelangen, muss man 138 Stufen hinauf auf den 47 Meter hohen Sandsteinturm steigen. Diese sind nur zu Fuß zu erklimmen, im Gegensatz zum Altstädter Rathausturm gibt es hier nämlich keinen Aufzug.
Ungefähr in der Mitte des Weges stößt man auf die ehemalige Wachkammer. Dort befindet sich heute nicht nur der Ticketschalter, sondern auch der erste Ausstellungsraum. Neben einer imposanten Holzdecke wird man auch hier über die Geschichte der böhmischen Kronländer informiert, deren Wappen sich an den Wänden befinden.
Weiter geht der Aufstieg zum ehemaligen Schuldgefängnis. Der Raum wird heute für die Ausstellung über die Karlsbrücke genutzt. Dort kann man sich, in unendlich vielen Sprachen, einen 18-minütiger Film „Die Karlsbrücke – ein Strahl durch die Jahrhunderte – astronomische und astrologische Zusammenhänge der Entstehung der Karlsbrücke“ anzusehen. Dieser gewährt interessante Einblicke in die mystische Bedeutung von Brücke und Turm und erläutert die Beweggründe Karls IV. für den Bau.
Steigt man die letzten Stufen hinauf, ist man nun auf der Aussichtsplattform angekommen. Vor hier hat man einen traumhaften Blick auf Karlsbrücke und Burg, und das ganz ohne Touristenmassen um einen. Wenn man dann genug gestaunt hat und sich wieder im Freien befindet, sollte man sich noch einen Moment Zeit nehmen und sich direkt unter den Turm begeben. Dort ist an der Decke nicht nur eine Kronennachbildung von Karl IV. zu sehen, sondern nochmals etliche Wappen.
Monika Kindermann
Karlsbrücke Praha 1 - Staré Mìsto, 110 00
Oktober, März: Mo - So 10 - 22
November - Februar: Mo - So 10 - 20
April - September: Mo - So 10 - 22
Nächster Teil: Kirchturm von St.-Niklas auf der Kleinseite
Dritter Teil: Kleinseitner Brückenturm Tchechien Online, 14.10.2010. Foto: Wikimedia Commons