Tschechische und slowakische Kunst vom Münchner Abkommen bis zur kommunistischen Machtübernahme
Prag - Das Ende der Avantgarde? Mit dieser Frage empfängt die aktuelle Ausstellung der Galerie der Hauptstadt (
bis 25.September) Prag den Besucher.
Der Satz ist einem Essay des tschechischen Dichters Kamil Bednáø von 1940 entnommen und verweist damit bereits auf das Thema der Präsentation: die Entwicklung und Position der tschechischen Kunst im verheerenden Jahrzehnt zwischen dem Münchner Abkommen 1938 und der Machtübernahme der Kommunisten 1948.
Die europäische Kunstszene florierte in den Jahren zwischen den Weltkriegen und brachte eine Vielzahl neuer Strömungen hervor. Der Zweite Weltkrieg setzte dem allerdings ein jähes Ende. Tschechien war dabei durch die Besetzung durch die Nazis besonders betroffen. Davon, dass deren Barbarei auch vor der Kunst nicht Halt machte, ist die Ausstellung „Entartete Kunst” 1937 in München ein trauriges Zeugnis, ebenso wie die Tatsache, dass Listen mit „entarteten” deutschen und auch polnischen Künstlern angefertigt wurden.
Dass eine solche Liste auch für Kunstschaffende aus der Tschechoslowakei existierte, war bisher unbekannt und wurde erst im Zuge der Vorbereitungen für die aktuelle Ausstellung entdeckt. Dieses und weitere Exponate verdeutlichen, was der Zweite Weltkrieg für die junge tschechische Kunst bedeutete.
Was man sich darunter aber überhaupt vorstellen muss, zeigt der erste Teil der Ausstellung: eine Rekonstruktion der „Art Tchécoslovaque 1938-46", einer Präsentation tschechoslowakischer Kunst in Paris kurz nach dem Krieg. Da nicht alle Objekte identifiziert werden konnten, ist die Rekonstruktion in zwei Bereiche aufgeteilt: An einer grünen Wand hängen Kunstwerke, die nachweisbar in Paris zu sehen, an einer weißen Objekte, die vermutlich dort ausgestellt waren.
Der Ausstellung ist vor allem daran gelegen, einen Überblick über die Kunst der Zeit zu verschaffen und gleichzeitig den historischen Kontext und dessen heutiges Verständnis zu präsentieren. Die gezeigten Werke sind vielfältig, genauso wie ihre Aussagen. Ob 1940 tatsächlich das Ende der Avantgarde gekommen war, ist somit nicht die einzige Frage, die dem Besucher gestellt wird. (bf)
Das Ende der Avantgarde? Vom Münchner Abkommen bis zur kommunistischen Machtübernahme
Galerie der Hauptstadt Prag, Stadtbibliothek, zweiter Stock
Mariánské námestí 1 (Eingang über Valentinská)
Bis zum 25. September, geöffnet Di – So 10 – 18 Uhr
Eintritt 120 CZK (ca. 5 EUR), ermäßigt 60 CZK
Tchechien Online, 19.6.2011. Foto: Tschechien Online, Benjamin Friedrich