Wiener Kunsthalle und Ursula-Blickle-Stiftung zeigen Œuvre des Surrealisten
Wien/Prag - In der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres setzt die Kunsthalle Wien einen Surrealismus-Schwerpunkt. Neben Salvador Dalí, Carlo Mollino und Franz Huemer ist noch bis 3. Oktober das Werk des tschechischen Regisseurs Jan ©vankmajer zu sehen.
Die von Gerald A. Matt in Zusammenarbeit mit der Ursula-Blickle-Stiftung kuratierte Ausstellung bietet erstmals im deutschsprachigen Raum einen Überblick über die ganze Bandbreite der Arbeit des genialen Surrealisten.
Bereits bei der ersten Station zeigt der Film „Dimensionen des Dialogs“ (1982) jenen Besuchern, die noch nicht mit ©vankmajers Werk vertraut sind, was sie in der Ausstellung erwartet. Der wohl bekannteste Film repräsentiert einen der Höhepunkte von ©vankmajers Arbeit mit der Stop-Motion-Technik, zeigt aber auch dessen Genialität bei der Darstellung von Aspekten des menschlichen Gefühlslebens mithilfe eigentlich lebloser Dinge.
So erweckt ©vankmajer nach dem Vorbild Archimboldos Gesichter aus Gegenständen aller Art zum Leben, lässt sie sich in wilden Dialogen gegenseitig verschlingen, zermalmen und neue Formen annehmen. Tonfiguren erwachen zum Leben, küssen und zerstören sich in Leidenschaft oder führen sinnlose und ermattende Dialoge, bis sie vor Anstrengung zerbröckeln. Mit bizarrem Humor und einem bemerkenswerten Scharfsinn für Mimik und Gestik schafft es der tschechische Kultregisseur, ganz ohne Worte verschiedene Dialogsituationen darzustellen.
Im Zentrum der Ausstellung stehen jedoch die schwarz-weiß Filme „Die Wohnung“ (1968), „Der Fall des Hauses Usher“ (1980) und „Das Pendel, die Grube und die Hoffnung“ (1983).
Stark beeinflusst von den Schriftstellern Edgar Allan Poe und Lewis Carroll, stehen die Filme zwischen Ironie und Todernst, sind gleichermaßen amüsant als auch verängstigend und spielen mit einer erdrückenden Atmosphäre. So auch sein erster surrealistischer Film aus dem Jahr 1968. In „Der Garten“ konstruiert ©vankmajer mit der Geschichte eines Gärtners und seines lebenden Menschenzaunes eine filmische Kritik am Kommunismus. Der Film wurde verboten und ©vankmajer mit einem Berufsverbot belegt – was ihn freilich nicht von der Produktion weiterer Filme abhielt, auch wenn diese nur im Ausland gezeigt werden konnten.
Doch Besucher der Ausstellung können sich nicht nur auf eine Reihe von Kurzfilemen aus ©vankmajers filmischen Schaffen freuen, sondern auch auf andere Aspekte seines künstlerischen Schaffens. So sind einige seiner „Objekte“ zu bewundern. Gewissermaßen als Hommage an die Sammelleidenschaft Ludwig II, verbindet ©vankmajer Knochen, Hörner, Muschel, Schnecken, Eier und andere Teile von Tieren zu ganz besonderen, absurd-bizarren Lebewesen, die wie aus einer anderen Welt anmuten. Ganz in diesem Sinne sind auch einige Auszüge aus „ ©vankmeyers Bilderlexikon“ zu sehen: aus älteren Enzyklopädien ©vankmajer schuf mit der Collagenreihe „Natural History“ skurrile Fantasiewesen, welche aus den Bebilderungen alter Enzyklopädien zusammengesetzt und colloriert wurden.
Jan ©vankmajer wurde 1934 in Prag geboren und war unter anderen auch in der Laterna Magica tätig. Sein filmisches Schaffen ist unter den Surrealisten herausragend und inspirierte gerade mit seinen Beitrag zur Entwicklung der Stop-Motion-Technik viele andere Filmemacher wie zum Beispiel Tim Burton.
Das die Ausstellung „Das Kabinett des Jan ©vankmajer. Das Pendel, die Grube und andere Absonderlichkeiten“ nur wenig Informatives zur Person ©vankmajer bietet ist in Anbetracht der Fülle seines Werkes nicht weiter schlimm. Kurzentschlossene können die Ausstellung noch bis Sonntag in der Wiender Kunsthalle besuchen, am 1. Oktober anlässlich der Langen Nacht der Museen auch bis 1:00. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 16. Oktober in den Räumen der Ursula-Blickle-Stiftung in Kraichtal-Unteröwisheim (Deutschland) zu sehen.
Maria Schachinger
Tschechien Online, 27.9.2011. Foto: Kunsthalle Wien