Milo¹ Zeman ist aus der ÈSSD ausgetreten

Spekulationen um Gründung der neuen Partei "Domov"

Prag - Der langjährige ÈSSD-Chef und Ex-Premier Milo¹ Zeman (Foto) ist gestern „mit sofortiger Wirkung“ aus der sozialdemokratischen Partei ausgetreten. Er begründete den Schritt damit, dass der jetzige Parteichef Jiøí Paroubek persönlich hinter der Strafanzeige stünde, die gegen ihn eingereicht worden sei.

Tatsächlich hat zwar der Journalist Jaroslav Novák die Anzeige eingereicht, der Anstoß dazu sei aber direkt von Paroubek und dessen Berater Jaroslav Tvrdík gekommen, so Zemans Überzeugung.

Paroubek wies Zemans Anschuldigungen zurück: „Das sind verzweifelte Bemühungen von Milo¹ Zeman, den anstehenden Parteitag zu beeinflussen.“ Zeman solle sich lieber fragen, was für einen Vertrag er mit dem Rechtsanwalt Zdenìk Altner während seiner Amtszeit als ÈSSD-Chef abgeschlossen habe, so Paroubek.

Am Wochenende findet in Brünn der ÈSSD-Parteitag statt. Dort dürfte die „Causa Altner“ eine zentrale Rolle spielen. Wegen eines für die Partei ungünstigen Vertrags mit dem Rechtsanwalt droht der ÈSSD nämlich der Bankrott. Mit seinem Parteiaustritt überraschte Zeman die Sozialdemokraten gestern. Paroubek nährte unterdessen Spekulationen, dass Zeman zusammen mit der abtrünnigen ÈSSD-Politikerin Jana Volfová eine neue Partei gründen könnte und die Causa Altner nur als Vorwand benutzt habe, um einen Schlussstrich unter seine ÈSSD-Zeit zu ziehen.

Paroubeks Vermutungen seien möglicherweise nicht ganz unberechtigt, urteilt die Tageszeitung Lidové noviny (Prag). Tatsächlich will Volfová innerhalb der kommenden zehn Tage eine neue Partei namens „Domov“ (Heimat) gründen. Laut Informationen der Lidové noviny erwägt Zeman, an dem Gründungsparteitag teilzunehmen. In einem Interview mit der Tageszeitung Mladá fronta Dnes sagte Zeman gestern allerdings, er habe nicht vor, einer anderen Partei beizutreten.

Tschechien Online, 22.3.2007. Foto: ÈTK
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