Herzkrankheiten sind die häufigste Todesursache
Prag - Unter hohem Blutdruck leidet in Tschechien jeder dritte Erwachsene, bei Menschen über 50 sogar jeder zweite. "Im Vergleich zu anderen Völkern stehen wir diesbezüglich überhaupt nicht gut da. Das kommt daher, dass die Tschechen allgemein zu dick sind", so die Vorsitzende der Arbeitsstelle präventiver Kardiologie IKEM, Dr. Renata Cifkova.
Alarmierend ist, dass ein Drittel der unter Bluthodruck Leidenden von ihrer Krankheit gar nichts weiß. Und von den Übrigen wird fast die Hälfte falsch behandelt. Keiner sollte sich damit abfinden, dass sein Blutdruck höher als 140/90 ist.
"Es gibt nur wenige Patienten, bei denen bei entsprechender Behandlung der Blutdruck nicht unter diese Obergrenze gesenkt werden kann", fügt Cifkova hinzu. Der hohe Blutdruck als solcher tut nicht weh, deswegen trägt er unter den Ärzten den Spitznamen "Stiller Killer".
Der Bluthochdruck erhöht grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit eines Herzanfalls und Gehirnschlags. Ein gewisser Trost mag die Tatsache sein, dass man bei einem Herzinfark eine große Chance hat, modern behandelt zu werden.
"Wir gehören bei der Behandlung des akuten Herzinfarkts ohne Übertreibung zur europäischen Spitze. Das System der primären kardiologischen Intervention ist bei uns sehr hoch entwickelt. Bis zu 70 % der Menschen, denen eine Behandlung noch helfen kann, gelangen rechtzeitig in ein kardiologisches Zentrum", sagt Dr. Petr Widimský, Chefarzt des Kardiozentrums des Prager Vinohrady-Krankenhauses.
Trotzdem bleiben Herzkrankheiten die häufigste Todesursache. Jährlich sterben in Tschechien mehr als 60 Tsd. Menschen an einer Herzerkrankung, was den Durchschnitt in den EU-Ländern weit übersteigt.
Quelle: Lidové noviny, 15.4.2003