"Technomassaker": Tausende protestieren in Prag gegen Polizeigewalt

Prag - Vor dem Sitz des Innenministeriums auf der Letná-Ebene in Prag haben sich am Montag Kritiker des Polizeieinsatzes gegen die Technoparty CzechTek 2005 versammelt.

Nach Schätzungen der Veranstalter kamen zu der Protestkundgebung am Nachmittag etwa 5 000 überwiegend junge Menschen zusammen.

An der Protestkundgebung nahm auch der ehemalige Staatspräsident Václav Havel teil. Weitere größere Protestveranstaltungen sind für Mittwoch geplant.



Unverhältnismäßigkeit, Willkür und unangemessene Brutalität

Auf Transparenten bezichtigten die Teilnehmer der Demonstration die Polizei und die Regierung der Willkür und unangemessenen Brutalität. In Sprechchören skandierten die Demonstranten "Gestapo!", "Polizeistaat!" und "Rücktritt!".

Am Mikrofon wechselten sich während der etwa eineinhalb Stunden dauernden Kundgebung einige Redner ab. Für den blutigen und ihrer Meinung nach überflüssigen Polizeieinsatz machten sie Innenminister Franti¹ek Bublan und den sozialdemokratischen Premier Jiøí Paroubek verantwortlich.

Innenminister Bublan wollte sich noch vor Beginn der Aktion mit Vertretern der Demonstranten treffen, um darüber zu verhandeln, wo die Party CzechTek fortgesetzt werden könnte und um deren Meinung kennen zu lernen. Nach Aussage der Sprecherin des Innenministeriums, Radka Kováøová, sagten die Aktivisten das vereinbarte Treffen jedoch ab.

Bei den Kritikern des Polizeieinsatzes kam deutlich die Sorge zum Ausdruck, dass nach dem Polizeieinsatz gegen CzechTek künftig noch repressivere Maßnahmen seitens der Staatsorgane bei ähnlichen Anlässen folgen könnten.

Die Redner forderten daher eine Garantie, dass sich ein ähnliches Vorgehen wie bei der Technoparty am Samstag im westböhmischen Mlýnec na Tachovsku nicht wiederholen würde. Darüber hinaus wurde eine Untersuchung des Polizeieinsatzes und eine Bestrafung der Verantwortlichen verlangt.

Skinhead-Konzerte, Sonderzüge für Fußballfans

Kritisiert wurde insbesondere auch die Unverhältnismäßigkeit des massiven Polizeieinsatzes gegen die bis dahin friedliche Ansammlung von Technoanhängern im Vergleich zur Zurückhaltung der Polizei bei Versammlungen der Kommunisten, bei denen die Polizei nur zuschaue und bei Skinhead-Konzerten, denen die Polizei „nur von vor dem Fenster“ lausche. Erwähnt wurden in diesem Zusammenhang auch die Spezialzüge, die für Fußballfans regelmäßig zur Verfügung gestellt werden.

Während der Veranstaltung waren der Platz vor dem Innenministerium und die nähere Umgebung völlig mit Menschen überfüllt. Die Straße Ulice Nad ©tolou, in der das Ministerium seinen Sitz hat, war wegen der Versammlung gesperrt worden und die Polizei leitete den Verkehr um. Ansonsten beobachteten die Ordnungskräfte die Demonstration nur aus der Ferne und schritten auch nicht ein, als einige Demonstranten rohe Eier an die Mauern des Ministeriums warfen und mit Spraydosen neben die „Aufschrift Ministerium des Inneren“ den Zusatz „und der Brutalität“ sprühten.

Andere Teilnehmer entrollten Transparente mit Parolen wie "Genug der Gewalt", "Die Polizei lügt und schlägt Mädchen" oder "Faschisten raus aus der Regierung", zu sehen waren auch großformatige Fotografien vom Polizeieinsatz gegen CzechTek.

Websites mit Infos zum Polizeieinsatz gegen CzechTek 2005 und geplanten Protestaktionen:
- Policejnistat.cz
- CzechTek blog

Tschechien-online, 1.8.2005
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