Dresden - "Die Ursache des gewaltsamen Konfliktes um das Festival CzechTek am vergangenen Wochenende liegt ganz woanders, als der tschechische Premierminister glauben machen will", äußert der Inhaber der deutsch-tschechischen Musikagentur "Transmusic", Mirko Sennewald. Es handele sich um kaum mehr als einen klassischen Generationenkonflikt, wie er aus der Geschichte der Popmusik lange bekannt sei.
Schon in den 60ern sei mit Staatsgewalt gegen die aufkommende Beatmusik und ihre Fans vorgegangen worden, den Erfolg der Musik habe es allerdings nicht aufhalten können. "Schon damals wurden Anhänger einer Musikrichtung und eines damit verbundenen Lebensstils kriminalisiert statt ernstgenommen und in die Gesellschaft implementiert", so Sennewald weiter. Einer demokratisch verfassten Gesellschaft stünden derartig überzogenen Reaktionen der Staatsmacht schlecht zu Gesicht.
Der tschechische Premier Paroubek hatte gestern unter Hinweis auf Schmutz und Lärm, Störung der Umwelt und das Risiko der Verbreitung von Aids, Gelbsucht und Salmonellen den Polizeieinsatz gerechtfertigt. "Die Argumente klingen ähnlich wie die aus den 60er Jahren über langhaarige Beatmusiker", analysiert Sennewald. 1 000 Polizisten hatten dabei unter Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas das Festival CzechTek mit 5 000 Besuchern gestürmt und aufgelöst.
Tschechischer Innenminister sollte zum Workshop nach Dresden
"Um eine Veranstaltung aufzulösen, gibt es genügend andere Möglichkeiten, die hierzulande von der Polizei auch eingesetzt werden", so Sennewald. Die leidlichen Erfahrungen der Bunten Republik Neustadt in Dresden seien hilfreich gewesen, um effektive und adäquate Mittel zu entwickeln. Der weitgehend friedliche Verlauf der letzten beiden Jahre sei ein Beweis, dass es auch anders ginge. "Da sollten die Dresdner Behörden die tschechischen Kollegen mal zum Workshop einladen", schlug Sennewald vor.

Transmusic lockt derzeit deutsche Besucher zum Festival "Love Planet" am 12. und 13. August ins tschechische Tábor, wo mit Nick Cave, Apocalyptica, Skinny Puppy und den Sportfreunden Stiller ein hochkarätiges Programm wartet.
"Unser Konzept von gutem Programm, günstigem Eintritt und billigem Bier zeitig Erfolg", konstatiert Sennewald. Dass immer mehr tschechische und deutsche Musikfans gemeinsam friedlich feiern, sei ein wichtiger Beitrag zur Erweiterung der EU. "Das lassen wir uns von keinem verrückten Premierminister kaputtmachen", so Sennewald abschließend.
Tschechien-online, 3.8.2005