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Prag | Rubrik: Reise | 28.4.2011

Die Bethlehemskapelle in Prag

Prager Kirchen - Teil 2: Wo der Reformator Jan Hus predigte

  • Interieur
  • Außenansicht vom Innenhof

Prag - Der zweite Teil der Kirchenserie ist der Betlehemskapelle gewidmet. Nicht weit vom Altstädter Ring entfernt, wird sie von diesem etwas in den Schatten gestellt, obwohl sie ein sehr interessantes Zeugnis der tschechischen Geschichte ist.

Jan Hus, die Schlacht am Weißen Berg und die kommunistische Herrschaft – all diese Ereignisse haben auch mit der Betlehemskapelle zu tun. Doch der Reihe nach.

Gehen wir noch einmal zurück zum Altstädter Ring (Staroměstské náměstí). In dessen Mitte steht unübersehbar eine riesige Statuengruppe, deren Mittelpunkt der tschechische Nationalheld Jan Hus bildet. Wir sehen einen Visionär, der die am Boden liegende tschechische Nation aufrichten will und wird.

Um dem Geistlichen Jan Hus auf die Spuren zu kommen, muss man aber ein paar Schritte weiter gehen, zum Betlémské náměstí, dem Betlehemsplatz. Dort stößt man schließlich auf die namensgebende Kapelle, den Ort, wo das theologische Wirken Hus’ größere Teile der Bevölkerung erreichte.

1402, acht Jahre nach ihrer Fertigstellung, wurde Magister Jan Hus als Prediger an die Betlehemskapelle berufen. Seine viele Missstände in der Kirche kritisierenden Reden erreichten schnell eine große Zuhörerschaft. Teilweise sollen sich bis zu 3000 Menschen vor der Kanzel gedrängt haben, um seinen Ausführungen zu lauschen. Als Hus 1412 auf Betreiben des Papstes die Stadt verließ, behielt die Kapelle unter seinem Nachfolger Jakoubek von Stříbra ihre Bedeutung als wichtiges Zentrum der böhmischen Reformation bei.

Nachdem diese 1620 mit der Schlacht am Weißen Berg abrupt endete, ging die Betlehemskapelle 1622 in den Besitz der Jesuiten über, die hier wieder katholische Gottesdienste feierten. Doch diese Station in der Geschichte der Kapelle währte nur kurz: Nachdem der Jesuitenorden 1773 aufgelöst wurde, ging sie in Staatsbesitz über. 1783 wurde sie zur Filialkirche der Ägidenkirche, aber noch im selben Jahr wurden bei einer statischen Untersuchung der Kapelle gefährliche Risse im Gewölbe entdeckt – das Gebäude drohte einzustürzen. Schließlich wurde es 1786 entweiht und dann Stück für Stück abgerissen, bis im 19. Jahrhundert an seiner Stelle ein Mietshaus entstand.

Erst ein Jahrhundert später, 1948, beschloss die tschechische Regierung, die Kapelle als nationales Kulturdenkmal wieder aufzubauen. Anhand alter Abbildungen der früheren Kapelle begann man den Wiederauf- beziehungsweise Neubau, der 1954 abgeschlossen war.

Wenn auch äußerlich dem Original ähnlich, hat die heutige Betlehemskapelle mit der ursprünglichen nicht allzuviel gemeinsam. Vor allem hat sie ihre theologische Funktion völlig eingebüßt. Die Kommunisten waren natürlich nicht daran interessiert, ein Kirchengebäude als Kirche wiederaufzubauen. Vielmehr sollte ein Ort entstehen, an dem dem Erwachen der nationalen Identität Tschechiens und dem Aufstand des „Volkes” gedacht werden soll – womit sich der Kreis zur Jan-Hus-Darstellung auf dem Altstadtplatz wieder schließt.

Nach der Wende wird das Gebäude schließlich seit 1993 von der Prager Technischen Universität als Aula genutzt. Heute finden hier unter anderem Promotionsfeiern der und jedes Jahr am 6. Juli (dem Jahrestag der Verbrennung Jan Hus’) eine „ökumenische Versammlung” statt.

Auch wenn das Gebäude vom Erscheinungsbild her wenig interessant ist, lohnt sich ein Besuch. Denn als nationales Kulturdenkmal spielt es nach wie vor eine wichtige Rolle im historischen Bewusstseins Prags und Tschechiens. Wenn man sich für eine Besichtigung entschließt, sollte man auch die 75 Kronen (bzw. 50 für Stundenten) investieren und sich das Innere des Gebäudes ansehen.

Der große Hauptraum ist mit Malereien geschmückt, die teils Repliken der Originale, teils Kopien von Buchmalereien sind. Außerdem sind Textstellen hussitischer Lieder abgebildet. Im Obergeschoss kann eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Kapelle und der Böhmischen Reformation besichtigt werden, außerdem das vermeintliche “Wohnzimmer von Jan Hus”. Dass Hus diesen Raum natürlich nie betreten haben kann, gehört zu den Eigenarten des Umgangs mit und der Instrumentalisierung der Böhmischen Reformation. Allerdings kommt man auf dem Weg ins Obergeschoss an der Tür zur Kanzel vorbei, und dort weist ein kleines Schild darauf hin, dass unter einer Glasscheibe die "originale Türschwelle" zu sehen ist. Vielleicht hat der Magister ja wenigstens hier einmal seinen Fuß aufgesetzt. (bj)

Autor: Benjamin Friedrich
Zuletzt aktualisiert: 5.5.2016
Weitere Infos: www.bethlehemchapel.eu

Info

Betlémská kaple

Betlémské nám. 255/4
110 00
Praha 1
Region: Hauptstadt Prag (Hlavní město Praha)
betlem@suz.cvut.cz
Tel: +420 224 248 595

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