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Prag | Rubrik: Reise | 15.6.2011

St. Cyrill und Method in Prag

Prager Kirchen, 4. Teil - Zufluchtsort der Heydrich-Attentäter: Chrám svatých Cyrila a Metoděje

  • Außenansicht von der Resslova-Straße
  • Interieur
  • Vorbereitungen zur Taufe
  • Orthodoxer Gottesdienst
  • Krypta
  • Gedenktafel für die Heydrich-Attentäter - im Gemäuer sind noch Einschusslöcher zu erkennen

Prag - In diesem Teil der Serie über Prager Kirchen soll ein Gebäude vorgestellt werden, das sowohl aus theologischen als auch aus historischen Gründen eine besondere Position unter den Prager Kirchen einnimmt: St. Cyrill und Method nahe dem Karlsplatz (Karlovo náměstí).

Bereits im 10. Jahrhundert existierte an eben dieser Stelle eine Kirche. Die Geschichte des Gebäudes, das wir heute sehen können, beginnt allerdings erst wesentlich später, nämlich im Jahre 1730.

In diesem Jahr begannen die Bauarbeiten und kamen schließlich 1740 unter der Leitung von Kilian Ignaz Dientzenhofer zum Abschluss.

Die Kirche bildete einen Teil eines auch heute noch bestehenden Gebäudekomplexes, in dem auch ein Heim für pensionierte römisch-katholische Priester untergebracht war. Grablegen in der Krypta sollten als letzte Ruhestätte für diese Priester dienen. Ihre ursprüngliche Funktion erfüllten die Gebäude jedoch nur etwa vierzig Jahre, denn 1783 wurden sowohl Kirche als auch Pensionsheim geschlossen und gingen in Besitz des Staates über.

Ab 1785 wurde der Komplex als Lagerraum der Armee und Kaserne genutzt. Von 1869 bis 1874 schließlich beheimateten die Nebengebäude die Technische Hochschule. Erst ab 1935 sollte die Kirche tatsächlich wieder als Kirche dienen, allerdings erfuhr sie gleichzeitig auch eine Umwidmung. Denn der neue Mieter war nun nicht mehr die römisch-katholische, sondern die tschechisch-orthodoxe Kirche. So wurde aus St. Carolus Borromeus St. Cyrill und Method, benannt nach den Slawenaposteln, die den christlichen Glauben nach Mähren brachten.

Nur vier Jahre später, 1942, spielte sich in und unter der Kirche eines der dramatischsten Ereignisse in Prag während des Zweiten Weltkrieges ab. Am 27. Mai 1942 Jahres gelang einer kleinen Gruppe tschechischer Fallschirmspringer, gesendet im Auftrag der Exilregierung in London, ein erfolgreiches Attentat auf Reinhard Heydrich, den Stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren.

Die Attentäter konnten unerkannt fliehen und versteckten sich in der Kirche. Kurz vor der geplanten Flucht wurden sie jedoch verraten, sodass die Kirche am 18. Juni von der SS umstellt und gestürmt wurde. Drei der tschechischen Soldaten starben bereits bei Schusswechseln in der Kirche, den restlichen vier gelang es zunächst, sich durch einen kleinen Schacht in die Krypta zu flüchten. Dieser Schacht bildete den einzigen Zugang, da der direkte Weg in der Kirche durch eine Grabplatte versiegelt war.

Nach mehreren Stunden Kampf schließlich war die Lage der verbleibenden Überlebenden aussichtslos. Sie alle zogen den Selbstmord der Gefangennahme und zu erwartenden Folter vor und erschossen sich. In den folgenden Monaten wurden zahlreiche Unterstützer der Attentäter vor Kriegsgerichte gestellt. Einige von ihnen, unter anderem der orthodoxe Priester, wurden am vierten September, dem Tag nach dem Prozess, erschossen. Zehn andere kamen später in Konzentrationslagern um.

Eine weitere schreckliche Reaktion der Nazis auf das Attentat war die völlige Zerstörung des Dorfes Lidice und die Ermordung nahezu aller Einwohner. Am 27. September 1942 schließlich wurden alle tschechisch-orthodoxen Kirchen geschlossen und ihr Eigentum konfisziert.

Nach Ende des Krieges wurde die Kirche 1945 an die orthodoxe Kirche zurückgegeben. Da das Gebäude durch die Erstürmung durch die SS entweiht worden war, wurde es 1947 erneut geweiht und war damit die erste orthodoxe Kirche in Tschechien nach dem Krieg. Nach und nach wurden auch die stark zerstören Innenräume renoviert und mit neuen Malereien ausgestattet. Obwohl die Kirche nur für Gottesdienste geöffnet ist, kann man den prächtig ausgestatteten Hauptraum tagsüber dennoch besichtigen, da hinter der Eingangstür eine zweite Tür aus Glas angebracht ist.

In der separat zugänglichen Krypta befindet sich außerdem eine äußerst sehenswerte kleine Ausstellung zu den Ereignissen rund um das Attentat auf Heydrich auf Tschechisch und Englisch. Außerdem kann der letzte Zufluchtsort der Soldaten, der heute als Gedenkort fungiert, besichtigt werden.

Einen Besuch wert ist außerdem die gegenüberliegende hussitische St.-Wenzels-Kirche. (bj)

Autor: Benjamin Friedrich
Zuletzt aktualisiert: 5.5.2016
Weitere Infos: www.pamatnik-heydrichiady.cz, www.pravoslavnacirkev.cz

Info

Chrám svatých Cyrila a Metoděje

Resslova 9a
120 00
Praha 2
Region: Hauptstadt Prag (Hlavní město Praha)
info@pamatnik-heydrichiady.cz
Tel: +420 224 91 61 00

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