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Rubrik: Kultur | Veröffentlicht am: 03.04.2014

Prag - Vor drei Jahren, am 12. April 2011 starb der tschechische Fotograf Miroslav Tichý, der in seinen letzten Lebensjahren überraschend zu einem Star der internationalen Kunstszene aufgestiegen war.

"Dreißig Jahre lang hat Miroslav Tichý in einer tschechischen Kleinstadt heimlich Frauen fotografiert. Alle hielten ihn für verrückt. Seit kurzem hängen seine Fotos in Galerien auf der ganzen Welt". So fasste Adam Soboczynski 2005 in der "Zeit" die ungewöhnliche künstlerische Karriere des tschechischen Fotografen und Malers zusammen.

Tatsächlich besuchte Tichý in den späten 40er Jahren die Kunstakademie Prag und galt als talentierter Maler und Zeichner. Später war er wiederholt in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht. Nach einem sechsmonatigen Gefängnisaufenthalt 1970/71 wurde er zu einem gesellschaftlichen Außenseiter, er vernachlässigte seine äußere Erscheinung und wusch sich nicht mehr.

Nach dem Verlust seines Ateliers verlegte er sich auf die Zeichnung und die Fotografie. Er konstruierte dafür auch eigene Kameras, deren Linsen aus alten Brillengläsern oder geschliffenem Plexiglas, Objektiven aus Klorollen oder Konservendosen und Gehäusen aus Pappe bestanden, die mit Teer und Kaugummi zusammengehalten wurden und einem Auslöser aus einem alten Gummiband.

Mit diesen Kameras machte er sich zeitweise täglich auf die Suche nach seinen Motiven. In erster Linie waren es Frauen, junge Mädchen beim Sonnenbaden oder im Park, ältere Frauen auf dem Markt und auf der Straße. Seine verschwommenen und verwaschenen Fotografien entwickelte er selbst und klebte sie häufig auf gefundenes Papier oder Karton und verzierte diesen mit unterschiedlichen Stiften. Tichý selbst lebte bis zu seinem Tod zurückgezogen in Kyjov.

Ein dokumentarischer Kurzfilm des schweizerischen Künstlers tschechischer Abstammung Roman Buxbaum aus dem Jahr 2004. Originaltitel des Films: "Tarzan v důchodě" (Tarzan in Rente). Tschechisch, mit englischen Untertiteln. (nk)

Autor: Niels Köhler
Themen: Miroslav Tichý, Fotografie, Ausstellung, Frauen

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