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Rubrik: Reise | Veröffentlicht am: 05.05.2015

Prag - Die betrügerischen Taxifahrer der tschechischen Hauptstadt sind legendär. Seit über zwei Jahrzehnten treiben sie ihr Unwesen und zocken vor allem Ausländer ab.

Die unlauteren Tricks und illegalen Praktiken der Betrüger hinter dem Lenkrad wurden schon oft mit versteckter Kamera gefilmt. Und immer mal wieder plaudert auch jemand von den Fahrern aus dem Nähkästchen - nur unter Zusicherung und im Schutze der Anonymität selbstverständlich.

Dass Kriminelle bereitwillig und offen vor laufender Kamera über ihre Machenschaften sprechen, ist eher ungewöhnlich. Tun sie es doch, sind sie entweder besonders dumm, oder aber sie fühlen sich unantastbar.

Über die Frage, mit welcher Art von Offenheit er es bei seinem Interviewpartner zu tun hat, versuchte sich auch der 27-jährige Dokumentarfilmer Janek Rubeš klar zu werden, der während eines offiziellen und gefilmten Interviews augenscheinlich kaum seinen Ohren traute.

Immerhin, sein Gegenüber, Pavel Jelínek, ist nicht irgendwer, sondern Vorsitzender des Gewerkschaftsverbands Taxi Praha (Odborový svaz Taxi Praha) - und selbst auch aktiver Taxifahrer. Vom Team des Dokumentarfilmers war er einige Tage zuvor bei einer Fahrt vom Prager Stadtzentrum nach Žižkov in flagranti dabei erwischt worden, wie er für die kurze Strecke den horrenden Betrag von 770 Kronen kassieren wollte.

Das hindert den Gewerkschaftsboss nicht, nun an offizieller Stelle in seinem Büro im Hause des Tschechischen Gewerkschaftsbundes (ČMKOS), dem Gast und dessen Filmstab im freundlichen Plauderton und für die Kamera noch einmal in allen Einzelheiten seine illegalen Praktiken darzulegen. "Ich habe ein Taxameter, das diesen Preis ermöglicht", so Pavel Jelínek zu seiner überteuerten Fahrt lapidar. Es sei auf 200 Kronen Fahrpreis pro Kilometer eingestellt.

Dabei ist die Obergrenze der Taxitarife in Prag von der Hauptstadt Prag verbindlich reguliert: Der Grundpreis beim Einsteigen beträgt derzeit maximal 40 Kronen, der Kilometertarif höchstens 28 und Warten pro Minute 6 Kronen.

Damit nicht genug, der Vorsitzende des Berufsverbandes erklärt den fassungslosen Zuhörern auch noch, warum es absolut gerechtfertigt sei, als Taxifahrer seine Kunden routiniert bei der Fahrpreisabrechnung zu betrügen und den Staat um die Steuer gleich mit.

"Wir zielen auf eine Gruppe Bewohner der Welt ab, die es uns ermöglicht, Geld zu verdienen", fasst Jelínek das schlichte Berufsethos der Prager Taxi-Mafia zusammen. Unrechtsbewusstsein? Fehlanzeige.

So bleibt am Ende der Filmstab zunächst fassungslos, aber immerhin doch nicht ganz ahnungslos, um welche Art von Offenheit es sich im vorliegenden Fall handelt.

Schon einige Tage später sollten die Dokumentarfilmer die weniger freundliche Seite ihres Gesprächspartners und seiner Kollegen kennenlernen.

Das Interview mit Pavel Jelínek wurde am 16. April 2015 auf dem offiziellen YouTube-Kanal des Internetfernsehens Stream International als sechster Teil der Serie "Prague vs. Crooks" veröffentlicht. (nk)

Autor: Niels Köhler
Themen: Taxifahrer, Abzocke, Lokales, Prag, Serie Prague vs. Crooks, Pavel Jelínek

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