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Rubrik: Musik | Veröffentlicht am: 28.01.2015

Prag - 20. Januar 1990, kurz nach 10.30 Uhr: Frank Zappa entsteigt auf dem Prager Flughafen-Ruzyně einer Maschine der sowjetischen Fluglinie Aeroflot - mit einer Pelzmütze auf dem Kopf, als wäre Prag geografisch tatsächlich ein Vorort Moskaus.

Empfangen wird er von dem Musiker Michál Kocáb, der seit dem 28. Dezember auch Abgeordneter der tschechoslowakischen Föderalversammlung ist, und dem Musikkritiker Petr Dorůžka. Hunderte Fans begrüßen den 49-jährigen Gast aus den USA begeistert.

Václav Havel ist da noch nicht einmal einen Monat Staatspräsident und die Samtene Revolution in der Tschechoslowakei jung. Die Euphorie dieser Tage strahlt weit über die Landesgrenzen und sogar den europäischen Kontinent hinaus. Alles scheint möglich.

Am Flughafen nur zufällig anwesend ist auch US-Botschafterin Shirley Temple Black. Die Diplomatin, einst ein gefeierter Kinderstar der Traumfabrik Hollywood, weiß - Ironie der Begebenheit - mit dem Botschafter freier westlicher Popkultur nichts anzufangen.

Reporter: "Was bedeutet Frank Zappa für die amerikanische Kultur?

Shirley Temple Black: "Ich...  äh... Ich weiß, dass viele junge Leute ihn für eine bedeutende Persönlichkeit halten. Er hat einen Sohn .... und ... eine Tochter... Ich bin ihm nie begegnet."

Reporter: "Was bedeutet Frank Zappa für Sie persönlich?"

Shirley Temple Black: "Ich habe ihn nie gehört".

Eine offensichtlich ehrliche Antwort. US-Establishment und US-Underground verpassen sich knapp.

Frank Zappa verbringt fünf Tage in Prag, einer persönlichen Einladung Michál Kocábs folgend. Das neue Staatsoberhaupt Václav Havel wird den Musiker später zum "tschechoslowakischen Kulturbotschafter" in den USA machen.

Und Zappa wird tatsächlich empfangen wie ein Staatsgast. Beim Staatspräsidenten auf der Prager Burg: eine illustre Runde, die schnell die Aschenbecher füllt und sicher ebenso schnell Gläser leeren kann.

US-Underground trifft auf tschechoslowakischen Underground. Zum Beispiel auf einer Party, die Magor, die graue Eminenz der tschechischen Gegenkultur, im Hotel Kriváň organisiert. "Eintritt gegen Vorlage von handgemalten Einladungskarten, Bier gratis, Cola gegen Geld und Livemusik in dem festlich bemalten Saal im Miniaturformat, in dem Zappa zusammen mit der Band Půlnoc auftrat", erinnert sich Petr Dorůžka in seinem "Zappa-Tagebuch". Das Protokoll der ereignisreichen Tage vom 20. bis zum 24. Januar erscheint bereits im Februar 1990 in der Zeitschrift "Rock & Pop". Eines der Fotos zeigt Zappa in einem Kellergewölbe mit einer in die Höhe gereckten Flasche Becherovka.

Ein reguläres Konzert gab Zappa in Prag übrigens erst ein Jahr später, in den Revolutionswirren regelte er aber immerhin die rechtliche Seite der Vermarktung seiner Musik, so dass Zappas Platten endlich auch legal in der Tschechoslowakei erscheinen konnten.

Was aber wurde eigentlich aus Zappas Kulturbotschaftertum? Karel Schwarzenberg sagte dazu in einem Interview mit der Neuen Züricher Zeitung im Jahr 2011: "Zappa hat uns dann sehr geholfen."

Der Musiker selbst äußerte sich in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel bereits im Sommer 1992 zu seinem Engagement als Václav Havels Kulturbotschafter.

Frage des Spiegel-Redakteurs: "Was haben Sie da eigentlich gemacht?" 

Zappa: "Nichts. Es kostete 5000 Dollar, um mich in den USA als Repräsentant einer ausländischen Regierung registrieren zu lassen. Nachdem mir die Position angeboten worden war, stattete Außenminister James Baker der Regierung Havel einen Besuch ab und riet ihr, keine Geschäfte mit mir zu machen. Als ich den Titel dann hatte, erhielt die Regierung Havel einen Brief von Außenminister Baker, in dem sie aufgefordert wurde, mich meines Postens zu entheben." Samtene Revolution - alles schien möglich. (nk)

Autor: Niels Köhler
Themen: Samtene Revolution, Václav Havel, Michal Kocáb, Petr Dorůžka, Tschechoslowakei

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