Gewerkschaften sprechen von "mindestens 800.000" Teilnehmern
Prag - In Tschechien sind am Dienstag rund 800.000 Beschäftigte einem Streikaufruf der Gewerkschaften gegen die geplanten Sozialreformen der Prager Mitte-Rechts-Regierung gefolgt. Die Protestaktionen hatten am Morgen mit Arbeitsniederlegungen im Gesundheitswesen begonnen, wobei die Grundversorgung der Patienten nach Medienberichten gewährleistet blieb.
Fast überall in Tschechien kam der Bus- und Bahnverkehr am frühen Nachmitag für über eine Stunde zum Stillstand.
Mit zum Teil symbolischen Aktionen unterstützten auch Lehrer und die Angestellten von Nationalmuseum und Nationalbibliothek die Ziele der Streikenden.
Sozial- und Arbeitsminister Petr Neèas (ODS) bezeichnete die von den linken Oppositionsparteien im Prager Parlament unterstützte Aktion als "politisch motiviert". Außerdem nannte er es übertrieben, wenn die Gewerkschaften von einem "landesweiten Streik" sprächen.
Zur Arbeitsniederlegung hatte unter anderem der Böhmisch-Mährische Gewerkschaftsbund (ÈMKOS) aufgerufen, der mit 32 Einzelgewerkschaften und etwa 540.000 Mitgliedern die größte Arbeitnehmerorganisation in Tschechien ist. Auch der 200.000 Mitglieder zählende Verband unabhängiger Gewerkschaften beteiligte sich an den Protesten. Anders die einflussreiche Eisenbahngewerkschaft, die nicht am Streik teilnahm - im Gegensatz zur kleineren Gewerkschaft der Lokomotivführer.
Nach Angaben von ÈMKOS-Sprecherin Jana Ka¹parová hätten sich "mindestens 800.000 Menschen" dem Warnstreik angeschlossen.
Die Proteste richteten sich gegen die Sparmaßnahmen der Regierung von Mirek Topolánek, die noch diese Woche im Abgeordnetehaus zur Abstimmung steht. Nach Auffassung der Gewerkschafter führten die Reformen zu höherer Inflation und damit sinkenden Reallöhnen im öffentlichen Dienst. Abgelehnt wird von den Arbeitnehmervertretern auch die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre. (gp)
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