Prag - Der tschechische Präsident Václav Klaus hat sich während seines Island-Besuchs zum Thema "Intellektuelle und Sozialismus" geäußert.
"Die Intellektuellen sind seit dem Fall des Totalitarismus eine frustrierte und offen protestierende Gruppe, die sehr schnell begriffen hat, dass die freie Gesellschaft und der freie Markt ihre Dienste nicht in dem Maße brauchen, wie sie es in der Vergangenheit gewohnt waren", sagte er in einer Diskussionsveranstaltung der internationalen Mont Pèlerin Society in Rejkjavik. Diese gilt als führende Denkfabrik des Neoliberalismus.
Die Intellektuellen würden "Gedanken vorziehen, die ihnen Arbeit und Einkünfte, Macht und Prestige einbringen." Die Idee des "harten Kommunismus" sei zwar besiegt, aber heute drohe ein "sozialer Demokratismus" so Klaus. "Dieser basiert auf einer umfassenden Regulierung des menschlichen Tuns und einer Umverteilung von Einkünften. Die Intellektuellen in Europa und in Amerika lieben dieses System. Den es gibt ihnen die Möglichkeit, Einfluss auszuüben", führte Klaus weiter aus.
In seinem Vortrag betonte Klaus erneut, er lehne "Ideologieen des Multikulturalismus, des NGOismus, des Environmentalismus, des radikalen Schutzes von Menschenrechten“ oder „die Bürgergesellschafts-Ideologie" ab: "Dies alles bietet lediglich den Intellektuellen Raum und neue Möglichkeiten."
Klaus hatte in jüngster Zeit bereits öfter die Intellektuellen allgemein und speziell die ehemaligen tschechischen Dissidenten kritisiert, die seiner Meinung nach das Wesen einer parlamentarischen Demokratie nicht verstehen würden und vor allem in der Vergangenheit lebten.
Quelle: Lidové noviny, 23.8.2005