Køtìtice - In einem Restaurant im südböhmischen Krtetice nahe Strakonice haben in der Nacht zum Sonntag etwa 500 Rechtsextreme an einer Konzertveranstaltung teilgenommen.
Auch Neonazis aus Deutschland besuchten das Konzert einschlägig bekannter Gruppen. Wie schon bei ähnlichen Zusammenkünften in den vergangenen Monaten griff die mit rund 80 Beamten angerückte Polizei nicht ein, obwohl einige Konzertbesucher provozierend offen den in Tschechien unter Strafandrohung verbotenen Hitlergruß benutzten.
Die Polizei erklärte, es habe keine Anzeichen für Gesetzesüberschreitungen gegeben. Die Veranstaltung habe einen „privaten Charakter" gehabt. Bürgerinitiativen kritisierten das Verhalten der Behörden. Auf der Veranstaltung seien deutlich Nazi-Parolen zu hören gewesen, berichteten Mitglieder der Organisation "Toleranz und Bürgergesellschaft" sowie Journalisten übereinstimmend.
Nach Informationen der tschechischen Nachrichtenagentur ÈTK hatte das Konzert die Skinhead-Organisation "Blood and Honour" veranstaltet.
Die Aktion war dabei als private Hochzeitsfeier angemeldet worden. Während der Veranstaltung traten die Bands Razors Edge aus Großbritannien, Oidoxie aus Deutschland, Titkolt Ellenalas aus Ungarn und auch kurz die tschechische Band Conflict 88 auf. "Diese Bands gehören zu den militantesten. Auf europäischem Boden, bilden sie eine Bewegung, die zum Terror gegen Angehörige von Minderheiten aufrufen, aber auch Journalisten, Politiker und Menschen bedrohen, die für Nichtregierungsorganisationen arbeiten", warnt Ondøej Cakl von der Organsiation Tolerance a obèanská spoleènost.
Aus dem Veranstaltungssaal waren gestern Sieg-Heil-Rufe und das Skandieren des Namens von Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess zu hören. Reportern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ÈT gelang es, Teilnehmer des Konzerts zu filmen, die die rechte Hand zum nazistischen Hitlergruß erhoben.
Die Polizei, die vor Ort mit 80 schwer gepanzerten Einsatzkräften war, griff trotzdem nicht ein. "Wir haben nicht festgestellt, dass es zur Verletzung des Gesetzes gekommen wäre. Daher gab es keinen Grund einzugreifen," so der Sprecher der südböhmischen Polizei Du¹an Klícha.
Tränengas und Wasserwerfer gegen Technofans, untätig gegen Skinheads bei Neonazi-Konzerten
Nach dem harten Eingreifen gegen die Technoparty CzechTek Ende August hatte die Führung des Innenministeriums und auch die Polizei versichert, dass sie ähnlich entschieden gegen Neonazis vorgehen werde.
Grade das laxe Vorgehen der tschechischen Polizei, die ähnliche Treffen der Rechtsextremen grundsätzlich toleriert, ist nach Auffassung von Bürgeraktivisten einer der Gründe, warum Neonazis immer wieder zu derartigen Treffen nach Tschechien einreisen.
Das Vorgehen der Polizei wird Innenminister Franti¹ek Bublan möglicherweise vor dem Parlamentsausschuss für Verteidigung und Sicherheit verteidigen müssen. Eine Erklärung vom Minister will Václav Frank (KSÈM) fordern. Die Sprecherin des Ministers Radka Kováøová wollte gestern die Ereignisse vom Samstag nicht kommentieren, da sie nicht wisse, wie die Situation vor Ort ausgesehen habe.
Tschechien-online, 19.9.2005