Tschechiens Hochbau entwickelt sich positiv

Wohnungsbau ist tüchtig in Schwung / Moderne Büroimmobilien sind gefragt

Prag - In Tschechien gehört der Wohnungsbau zu den Zugpferden der Baubranche, nachdem er in den neunziger Jahren dramatisch zurückgegangen war. Hohe Mieten, niedrige Hypothekenzinsen und steigende Einkommen geben starke Anreize zum Erwerb eines Eigenheims.

Bei der Modernisierung von Plattenbauten bestehen noch große Rückstände. In Zukunft sollen bei der Finanzierung in diesem Bereich auch EU-Mittel eingesetzt werden. Der Markt für Industrieimmobilien profitiert von der regen Investitionstätigkeit der Unternehmen.

Im Durchschnitt werden in Tschechien jährlich 32.000 bis 35.000 Wohnungen fertig gestellt. Die Nachfrage hält an. Neben Mittelböhmen und Prag entstanden 2007 vor allem in Südmähren, der Region Plzen (Pilsen) und Mährisch-Schlesien neue Wohnungen. Weitere Residenzprojekte sind geplant. Generell stimulieren hohe Mieten, niedrige Zinsen und wachsende Realeinkommen den Hang zum Eigenheim. Der Trend geht zu teuereren und größeren Objekten. Großes Interesse besteht trotz steigender Preise an Ein- und Mehrfamilienhäusern. Immer häufiger werden Wohngebäude in Residenzparks geplant, also in sich geschlossenen und bewachten Gemeinschaftsanlagen. Eine weitere Tendenz ist die Umwandlung von Industrieruinen in Apartmentanlagen, unter anderem in Prag, Ostrava, Karlsbad, Hradec Kralove.

Im 1. Halbjahr 2007 wurde der Bau von 15.095 Wohnungen abgeschlossen, ein Fünftel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der begonnenen Wohnungsbauten hingegen ging um 4,8% auf 19.200 zurück. Im Bau befanden sich zum 30. Juni 173.000 Wohnungen, ein Plus von 5,9%. Den größten Anteil daran hatten Ein- und Mehrfamilienhäuser mit 49,3%. Besonders angetrieben wurde das Wohnungsbaufieber durch die geplante Anhebung der Mehrwertsteuer für den privaten Wohnungsbau von 5% auf den Normalsatz von 19% ab 1.1.08.

Modernisierung von Plattenbauten dringend notwendig

Ein großes Thema bleibt die energiesparende Rekonstruktion und Modernisierung von Plattenbauten. Die meisten der rund 80.000 Gebäude stammen aus den sozialistischen 70er und 80er Jahren. Erst ein Fünftel wurde modernisiert. Nach Schätzungen des Ministeriums für regionale Entwicklung müssen in den kommenden zwei Jahrzehnten 14 Mrd. Euro in die Sanierung der Plattenbauten investiert werden. Für bestimmte Bereiche dürfen dabei erstmals auch EU-Gelder eingesetzt werden, bis zu 27 Mio. Euro im Jahr bis 2013. Viele Wohnungsgenossenschaften und Städte planen Modernisierungen dieser sozialistischen Kolosse.

Die nationale Förderung aus dem Programm "Panel" ist bislang nur für Plattenbauten möglich. Insgesamt wurde bisher die Sanierung von 75.000 Wohnungen gefördert. Die Regierung erwägt nun, auch Sanierungen von Mietshäuser aus Ziegelsteinen zu fördern, die mindestens 17 Jahre alt und in schlechtem Zustand sind. Gedacht wird an eine Unterstützung von bis zu 2.000 Euro pro Wohnung. Es geht dabei neben Reparatur und Rekonstruktion der technischen Ausstattung und der Verbesserung des Wohnungsumfeldes vor allem um Maßnahmen, die die ökologische und energetische Effizienz steigern.

Der tschechische Büromarkt wuchs 2007 um schätzungsweise 200.000 qm. Der Großteil des Marktes befindet sich in der Hauptstadt Prag, die Ende Juni 2007 nach Angaben der Beratungsfirma DTZ rund 2,1 Mio. qm moderner Bürofläche aufwies, 6,2% mehr als im Vorjahr. Die Leerstandsquote habe insgesamt 5,5% betragen, im Stadtzentrum 6,1%. Dabei sei die Nachfrage im 2. Quartal im Jahresvergleich um 56% auf 70.200 qm zurückgegangen. Büroflächen werden von allen großen Kundenkreisen nachgefragt. Besonders begehrt sind Büros in modernen, verkehrs- und telekommunikationstechnisch gut angeschlossenen Gebäuden mit hinreichendem Parkplatzangebot.

Die Entwicklung solcher Büro- und Verwaltungskomplexe geht in Prag, aber verstärkt auch in Pilsen, Brünn und Ostrava weiter. Beispiele sind in der Hauptstadt die Projekte Vysehrad Victoria (Skanska) oder Amazon Court (Europolis), in Brünn der Brno Business Park (PSJ Holding) und der Spielberk Office Park (CTP Invest). Die mährische Metropole entwickelt sich zu einem beliebten Outsorcingstandort und profitiert vom Renommee ihrer Technischen Universität, die besonders IT-Unternehmen anzieht. Mit rund 200.000 qm Geschäftsflächen bietet Brünn etwa ein Zehntel der Prager Fläche.

Markt für Industrieimmobilien profitiert von ausländischen Investoren


Der Markt für Industrieimmobilien profitiert weiterhin von der regen Investitionsaktivität der Unternehmen. Dabei handelt es sich vor allem um ausländische Investoren, die mit Produktionsanlagen oder Logistikzentren die Dynamik der tschechischen Wirtschaft nutzen und zugleich weiter antreiben. Das Land ist nach wie vor einer der beliebtesten Logistikstandorte in Europa. Dabei ist Prag zwar der wichtigste, aber nicht mehr einzige Distributionsstandort. Auch an anderen strategischen Kreuzungen des Landes sind neue Logistikzentren entstanden oder wachsen heran, so in Plzen, Brno, Ostrava und Humpolec. Die guten Perspektiven führen Entwickler dazu, nicht mehr nur vorab vermietete Projekte zu realisieren, sondern auch nicht abgesichert zu bauen.

Beim Einzelhandel hat sich das Entwicklungstempo inzwischen verlangsamt. Im Lebensmitteleinzelhandel ist Konsolidierung angesagt. Der harte Wettkampf hat die ersten ausländischen Ketten vom Markt gefegt. Inzwischen läuft die Expansion nicht mehr allein über den Neubau, sondern über die Übernahme der Netze von ausscheidenden Konkurrenten. Zugleich vollzieht sich eine Verlagerung in die Regionen, da Prag an Einzelhandelsflächen weitgehend gesättigt ist. Trotz der guten Versorgung des Landes mit Großflächen über 2.500 qm steht der Bau weiterer Hypermärkte, moderner Einkaufszentren und kleinerer Formate im Galeria-Stil an. Projekte sind in Prag, Plzen, Zlin, Pardubice, Liberec und Mlada Boleslav geplant.

Ausgewählte Projekte des Hochbaus in der Tschechischen Republik



Quellen: Jeweilige Investoren, Nachrichtenagentur CTK, Fachzeitungen

Tschechien Online, 12.2.2008. © Bundesagentur für Außenwirtschaft 2008. Foto: ÈTK
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