Tschechiens Bauwirtschaft boomt

Engpässe bei Baumaterial / Privatsektor jetzt wichtigster Auftraggeber

Prag - Tschechiens Bauproduktion stieg 2007 im siebenten Jahr in Folge deutlich an. Die Zahl der Neuaufträge nahm insbesondere in den Bereichen Produktionsbau, Wohnungsbau und Wasserwirtschaftsbau zu. Auch die Baustoffindustrie boomt.

Aufgrund der intensiven Bautätigkeit kam es im Laufe des Jahres bei verschiedenen Materialien zu Versorgungsengpässen. Die Unternehmen der Branche rechnen auch 2008 mit steigenden Umsätzen und planen Investitionen in neue Technologien.

Das Tschechische Statistikamt weist von Januar bis Juni 2007 einen realen Zuwachs der Bauleistung von 12,7% auf (samt Schätzung der kleinen Unternehmen mit bis zu 19 Mitarbeitern). Für das Gesamtjahr 2007 rechnen Vertreter des Verbandes der Bauunternehmen der Tschechischen Republik SPS ( www.sps.cz) mit einem Anstieg um 6 bis 10%.

Der Bauboom ermöglicht es den Firmen der Branche, selbst rege zu investieren und Kredite aufzunehmen. Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG Ceska Republika rechnen die Firmen auch 2008 mit steigenden Umsätzen und wollen weiterhin in neue Technologien investieren. Die Baustoffbranche boomt und konnte ihre Produktion dank neuer Kapazitäten 2007 deutlich steigern. Durch die starke Nachfrage kam es in einigen Bereichen (etwa Ziegeln) zu Preissteigerungen, was die Gewinnlage der Unternehmen weiter verbessert und Modernisierungen erlaubt.

Perspektivisch interessant für die Bauwirtschaft ist die Entscheidung Prags, sich für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2016 zu bewerben, in der Hoffnung, vielleicht 2020 zum Zug zu kommen. Ein Zuschlag würde den Sportstätten- und Infrastrukturbau in der Hauptstadt und anderen eingebundenen Städten deutlich beflügeln. Das zentrale Olympiastadion und andere wichtige Einrichtungen sollen den bisher bekannten Plänen zufolge im Stadtteil Letnany entstehen. Allein die Spielstätten erfordern nach ersten Berechnungen Investitionen in Höhe von mindestens 135 Mrd. Tschechische Kronen (Kc; rund 4,9 Mrd. Euro; 1 Euro = rund 27,78 Kc). Die Infrastruktur könnte mit 487 Mrd. Kc zu Buche schlagen, wobei aber viele Projekte auch unabhängig von Olympia anstehen.


1) Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten; 2) Index: 2007/2006

Quelle: Tschechisches Statistikamt (CSU)



1) Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten; 2) Index: 2007/2006

Quelle: CSU

Im 2. Quartal 2007 wurden Bauarbeiten im Wert von 130,3 Mrd. Kc durchgeführt. Nach Schätzungen des Statistikamtes entfiel davon mehr als ein Drittel auf kleine Unternehmen mit bis zu 19 Mitarbeitern. Das Rückgrat des Sektors bilden 2.441 Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten, die im 2. Quartal Bauarbeiten im Wert von 85,1 Mrd. Kc durchführten (3,0 Mrd. Euro). Bei einem gegenwärtig durch Arbeitermangel stagnierenden Beschäftigungsniveau in der Branche hat sich die Arbeitsproduktivität pro Arbeitnehmer im 2. Quartal bei Unternehmen mit 20 und mehr Mitarbeitern um 4,6% erhöht.

Die Zahl der Baugenehmigungen ging im 2. Quartal 2007 um 16,5% auf 28.682 zurück. Davon entfielen die meisten auf Wohnungsbauten (+1,7%), während die Genehmigungen im Nichtwohnungsbau, den Umweltbauten und anderen Bauten zurück gingen. Auch ihr Wert ließ im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,4% nach. Ein Jahr zuvor waren Genehmigungen von Bauprojekten mit hohem Schätzwert auf die Modernisierung und Rekonstruktion in der Energiewirtschaft und auf den Autobahnbau entfallen. Bei den Aufträgen sah der Trend ähnlich aus: Tschechiens Bauunternehmen konnten im 2. Quartal 20.767 neue Bauaufträge im Wert von 66,2 Mrd. Kc zeichnen. Damit schrumpfte ihre Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,5%. Der Gesamtwert ging um 6,9% zurück. Der Durchschnittswert der neuen Aufträge stieg um 5,1% auf 3,2 Mio. Kc. Wertzuwächse gab es vor allem bei den Gewerbebauten und im privaten Wohnungsbau.

Mit einem Anteil von nur noch 41,5% am Auftragsvolumen gab die öffentliche Hand im 2. Quartal 2007 ihre Position als wichtigster Auftraggeber an den privaten Sektor (58,5%) ab. Auch bei der Zahl der Aufträge führte dieser mit 65,3%. Die Neuaufträge stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum vor allem in den Bereichen Produktionsbau (um 53,4%), Wohnungsbau (21,4%) und Wasserwirtschaftsbau (11,0%). Rückläufig zeigten sie sich bei den Ingenieurbauten (-25,7%), im nicht für die Produktion bestimmten Nichtwohnungsbau (-21,8%), bei Wartung und Reparatur (-11,9%) und übrigen Arbeiten (-21,9%). Die Durchschnittsfläche im Wohnungsbau lag bei 131,0 qm mit einem Orientierungswert von 18.800 Kc/qm.

Noch unterscheidet sich die Struktur der Bauleistung in Tschechien vom europäischen Durchschnitt durch einen niedrigeren, wenn auch konstant steigenden Anteil des Wohnungsbaus, einen geringeren Anteil von Reparatur und Instandhaltung und einen hohen Anteil der Ingenieurbauten. Als wachsende und Anschluss an den Westen suchende Wirtschaft wurden die Bauaufträge zum 30.6.07 zu circa 90% von Neubau, Renovierung und Modernisierung bestimmt. Ihre Struktur sah nach Angaben des Statistikamtes wie folgt aus: Mit 55,1% dominierten die Ingenieurbauten (Straßen, Brücken, Tunnel) vor dem Bereich andere gewerbliche Bauten (Geschäftszentren, Bürokomplexe, Schulgebäude, Krankenhäuser 15,7%), dem privaten Wohnungsbau (Apartmentgebäude, Einfamilienhäuser, Erweiterungen 14,8%), Produktionsgebäuden (13,3%) und dem Wasserwirtschaftsbau (1,0%).


*) Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten einschließlich Schätzung der Firmen mit 19 und weniger Mitarbeitern



*) Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten

Wechselkurse (laut EZB): 2005: 1 Euro = 29,782 Kc, 2006: 1 Euro = 28,342 Kc

Quelle: CSU

Tschechien Online, 13.2.2008. © Bundesagentur für Außenwirtschaft 2008. Foto: ÈTK
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