Starke Nachfrage nach Baumaterialien in Tschechien

Nachholbedarf bei Gebäudedämmungen / Hersteller erweitern Kapazitäten

Prag - Tschechiens Bedarf an Baumaterialien nimmt aufgrund der starken Baukonjunktur weiter zu. Die Hersteller von Kunststofffenstern rechnen auch in den kommenden Jahren mit einer wachsenden Nachfrage. Dazu trägt besonders das Interesse der Wohnungsgenossenschaften an dem Austausch der alten Fenster in den Plattenbauten bei.

Beim Verbrauch von Dämmstoffen belegt Tschechien in Europa einen der vorderen Plätze. Dem Nachfrageboom entsprechend, wollen die Hersteller ihre Produktionskapazitäten ausbauen.

Kunststofffenster haben auf dem tschechischen Fenstermarkt einen Anteil zwischen 40 und 65%. Aus Holz sind schätzungsweise 30 bis 40%; aus anderen Materialien 10 bis 15% der Fenster. Ein Austausch der alten Holzfenster soll erst in etwa 40% der Wohngebäude stattgefunden haben. Hier wird in den kommenden Jahren das entscheidende Absatzpotenzial gesehen. Wie zur Bestätigung kündigte die Autobahn- und Fernstraßenverwaltung im August 2007 an, wegen der hohen Lärmbelastung in der Region Plzen zehntausende Fenster entlang der Schnellstraßen auswechseln zu lassen. Kostenpunkt: fast 7 Mio. Euro. Auflagen der Gesundheitsbehörden machen solche Projekte auch in anderen Landesteilen erforderlich .

Für die Kunststofffenster werden die entsprechenden Halbfabrikate (gepresste Kunststoffprofile) importiert, zum großen Teil aus Deutschland. Der Trend geht nach Einschätzung von Pavlu Complex, der führenden tschechischen Vertriebsgesellschaft für Fensterbaumaschinen, zur Rationalisierung der Produktion und einer stärkeren Automatisierung. Gefragt seien intelligente Lösungen. Der größte Umsatz werde mit Vierpunktschweißmaschinen, CNC-gesteuerten Schweißraupenverputzmaschinen und CNC-Verarbeitungszentren gemacht. Der Großteil der Produzenten weitet angesichts der steigenden Nachfrage die Produktion aus. Zugleich zwingt der starke Wettbewerbsdruck alle Marktteilnehmer, effizienter zu produzieren, Kosteneinsparpotenziale zu suchen und Fehlerquellen zu minimieren. Die Kunden schauen inzwischen nicht mehr nur auf den Preis, sondern legen zunehmend Wert auf Qualität.

Im Sommer 2007 stieg die französische Fensterbaugesellschaft AB Fenetres bei der tschechischen Firma AQ Okna ein. Für 2008 ist der Bau einer neuen Fabrik geplant.


* vorläufige Angaben
Quelle: Tschechisches Statistikamt

Nach Schätzungen der Assoziation für Gebäudedämmung müssen in Tschechien noch etwa 60% der Gebäude isoliert werden, das entspricht einer Fläche von 130 Mio. qm. Mit einem Gesamtverbrauch von vier Kilogramm Schaumstoff-Polystyren (EPS) pro Kopf steht Tschechien in Europa an dritter Stelle hinter Österreich und Polen. Auch künftig wird ein starker Zuwachs erwartet. Die Gründe: steigende Energiepreise, gesetzlicher Druck auf die Energieeffizienz der Gebäude und Bestrebungen zur Verminderung von CO2-Emissionen. Dem Nachfrageboom entsprechend planen alle Hauptproduzenten Kapazitätserweiterungen (Rigips, Bachl, Styrotrade). Auch Kingspan, Hersteller von Dämmpaneelen aus Polyuretan und Mineralwolle, kündigte im Sommer 2007 an, die Produktion mit einer Investition von 16 Mio. Euro deutlich erweitern zu wollen.

Tschechiens größter Hersteller von Keramikfliesen, Lasselsberger Plzen (Anteil am Markt: 55%), hat 2007 eine neue Produktionslinie im Wert von 3,5 Mio. Euro in Betrieb genommen. Langfristig möchte das Unternehmen pro Jahr rund 17 Mio. Euro in neue Technologien investieren.

Wienerberger Cihlarsky prumysl, Tochter des österreichischen Baustoffkonzerns ist mit 14 Ziegeleien der bedeutendste tschechische Hersteller gebrannter Ziegel. Im Zuge der angekündigten Expansionspläne will der Mutterkonzern 120 Mio. Euro in die Modernisierung und den Bau von Werken in Tschechien und Polen investieren. Auch der auf den Inlandsmarkt konzentrierte Ziegelkonzern Heluz cihlarsky prumysl, der für das 1. Halbjahr 2007 erneut Rekordumsätze meldete, nutzt die Gewinne für Modernisierung, Entwicklung neuer und Qualitätssteigerung der bisherigen Produkte.

Exporte von Armaturen (1.000 Euro)

Quelle: Tschechisches Statistikamt


Tschechien Online, 18.2.2008. © Bundesagentur für Außenwirtschaft 2008. Foto: ÈTK
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