Sex-Maschine TV Nova: Big Brother Tschechien - Filip Trojovský ist zurück

Doppelter Sex-Alarm in Prag: Gay-Porno-Star und selbst ernannte „Sex-Fabrik“ halten Einzug

Prag - TV Nova, Tschechiens führender Privatsender, der seit Ende August erstmals Big Brother in Tschechien ausstrahlt, legt nochmals nach.

Eine verschärfte Gangart gegenüber den Bewohnern und Sex sind vorerst die einzigen Trümpfe, die Nova ins Spiel bringt, um die bisher miserablen Quoten der Reality-Show aufzubessern.



Am Sonntag mussten gleich zwei Kandidaten das Haus verlassen: Nachzügler Petr unterlag bei der Zuschauerabstimmung deutlich gegen die 36-jährige vollbusige Blondine ©arka, Sternzeichen Jungfrau, die beruflich Aerobic und ansonsten eine 4-köpfige Familie betreibt. Kurz darauf erhielt der schnauzbärtige Sportlehrer Jaroslav vom „Großen Bruder“ TV Nova wegen massiver Regelverletzung die rote Karte und wurde des Hauses verwiesen.

Geheimnisverrat unter vier Augen - und vielen Kameras

Die verbliebenen Bewohner reagierten geschockt, die weiblichen Kandidaten vergossen gar viele Tränen für den auf so brutale Weise zu Frau und Kindern ins reale Leben zurückgestoßenen 41-Jährigen.

Der hatte nach einem Arztbesuch außerhalb des Containers den Mund nicht halten können und Neuigkeiten ausgeplaudert, die ihm eine freundliche Krankenschwester unter vier Augen gesteckt hatte und die er im Container dann dummerweise gleichermaßen weitergab.

Den allgegenwärtigen Kameras und Mikrofonen lieferte er so im Flüsterton der Vertraulichkeit das Beweismaterial, mit dem er selbst dann dem erwartungsfrohen Publikum zur Prime Time in Tschechien als Einfaltspinsel vorgeführt wurde:

So wusste Jaroslav auserwählten Mitbewohnern konspirativ zu berichten, dass der rausgewählte Kandidat Filip vermisst werde, vermutlich aber lebe und unter Umständen gar ins Haus zurückkehren solle.

Und dass die Kandidaten bei der Konkurrenz von VyVolení höllisch fluchen würden und allgemein sehr viel vulgäre Ausdrücke verwendeten, was bei Big Brother aber glücklicherweise nicht der Fall sei, wie ihm die Krankenschwester versichert habe. Damit hatte Jaroslav seine Schuldigkeit als dummer August getan und nicht nur für seinen medienwirksamen Rauswurf selbst gesorgt, sondern zugleich Platz für Frischfleisch beim sexhungrigen Sender Nova geschaffen.

Schlechte Nachricht, gute Nachricht

Doch der schlechten Nachricht für die Bewohner folgte dann die gute und erneut Freudentränen: Filip ist zurück. Und der berichtet, man darf vermuten in diesem Falle mit Genehmigung des Senders, von seinen Abenteuern außerhalb des Containers. Genauer gesagt vom abenteuerlichen Stimmverhalten der Zuschauer bei seiner Rauswahl (80 %) und dann bei der fast prozentgleichen Wiederwahl zur Rückkehr (82 %) ins gemachte Liebesnest, in dem erst wenige Tage zuvor auf Geheiß von TV Nova eine Hochzeit zwischen dem 20-jährigen Karel und der gleichaltrigen, aber etwas verlebt wirkenden dunkelhaarigen Sylva inszeniert worden war.


Allerdings endete die Hochzeitsnacht der beiden wohl für alle Beteiligten nicht ganz befriedigend. Trotz „erotischen Live-Chats“, den das Mädchen aus Ostrava ihrem Kandidaten-Profil nach von Berufs wegen betreibt, erlag Karel dann doch nur dem Champagner, nicht jedoch den Verführungskünsten seiner neuen TV-Gemahlin -Typ Boxen-Luder, das auf Femme fatale macht.

Ohne seiner ehelichen Pflicht gegenüber dem Sender nachgekommen zu sein, entschlummerte der Benjamin unter den Big Brother-Bewohnern sanft, ohne Anstalten gemacht zu haben, hier oder dort einen Orgasmus herbeizuführen. Und mit ihm entschlummerte so wohl auch mancher Zuschauer.

Déjà-vu bei Kandidatenpräsentation

Neben den beiden seit Tagen angekündigten Überraschungen für die Hausbewohner - Rauswurf Jaroslav, Rückkehr Filip - durften die Zuschauer also zumindest noch gespannt sein, wen Nova an diesem Abend als neuen Nachzügler präsentieren würde.

Wer den Einzug der Kandidaten Ende August gesehen hatte, könnte durchaus ein Déjà-vu--Erlebnis gehabt haben: aus der Karosse steigt wieder einmal ein gebräunter, gut gebauter Jüngling, ein Gay-Dreamboy, der mit etwas protzt, auf das sicher schon viele seit Wochen in ganz Tschechien ungeduldig warten. Auf dass es endlich geschehen möge: Sex. Tabulos, wer mit wem, egal. Mädchen mit Jungen, knackige Jungen mit gealterten Sportsmännern, schwul, lesbisch, anal, oral, alles schon ganz egal, Hauptsache der Kanal stimmt: bei Nova und live in Tschechien, vor laufender Kamera, notfalls schemenhaft als Infrarot-Suchbild.

Gay-Goliath Filip gegen Sex-Fabrik David

Doch diesmal ist es nicht Filip alias Hardcore-Porno-Star Tommy Hansen, der vom Rotlicht-Casting des TV-Senders gründlich durchleuchtet wurde, und der nun als Joker aus der schwarzen Limousine in das Scheinwerferlicht der Medien springen und in die Kameras grinsen darf.

Neuling David, Nachnahme Hartmann, legt die Latte hoch, an der er - und später einmal womöglich auch die Verantwortlichen – von TV Nova gemessen werden wird, als er sich kurz dem obligatorischen Jubel-Publikum vorstellt: „Ich bin eine Sex-Fabrik.“

Auch im Online-Kandidatenprofil wird auf ein Feigenblatt verzichtet: „Welcher Teil seines Körpers gefällt ihm am besten: der Penis“. Und: „Was er besser kann als die Mehrheit der Leute, die er kennt: vögeln“. Große Worte. Filip, immerhin, hat seine Potenz als Tommy Hansen zumindest nachprüfbar und für schwules Publikum offenbar meisterhaft auf Zelluloid in Bel Ami-Streifen wie „Greek Holiday“ oder „Alpine Adventure“ unter Beweis gestellt.

Sex-Pistolen mit Ladehemmung oder Lampenfieber?

Bisher bekamen die Nova-Zuschauer jedoch noch nicht viel zu sehen von der Lendenakrobatik eines Filip Trojovský oder der anderen Muskelpakete, deren besondere Fähigkeiten nach eigener Einschätzung klar unter der Gürtellinie lokalisiert sind.

Zwar geht es bei Big Brother in Tschechien munter rein und raus, doch bisher nur hinsichtlich der aus dem Haus ein- und ausziehenden Kandidaten. Und während sich das Kandidatenkarussell immer schneller dreht, hat die Zahl der sich im Haus zur Schau und Verfügung stellenden Bewohner auf wundersame Weise noch immer nicht abgenommen, sondern ist nach vier Wochen wieder bei der Ausgangszahl angelangt.

Dies dürfte bei allen Tränen, die vergossen werden, wenn ein Jaroslav das Haus verlässt, wohl besonders bei den Kandidaten für gewissen Frust sorgen, die von Anfang an dabei sind. Schließlich hört der Spaß da auf, wo der Gedanke an das ewig lockende Geld an die Welt draußen und das triste Danach erinnert.

Immer mehr Kandidaten, immer weniger Zuschauer

Nur die TV-Zuschauer werden bei Big Brother unterdessen immer weniger. Gleichzeitig feiert das vom kleineren Privatsender ausgestrahlte Konkurrenzprojekt VyVolení (R(A)usgewählt) wöchentlich neue Einschaltrekorde. So wurde am vergangenen Mittwoch in der Prime Time erstmals fast die in Tschechien „magische“ 2-Millionen-Grenze genommen.

Dabei zeichnet sich dieses plagiatähnliche Format aus Ungarn eher durch die Psychodramen und Wortgemetzel seiner bunten Protagonistentruppe, denn durch die künstlich geweckte Erwartung auf hemmungslosen wilden Sex aus. Die Anfälle und Ausbrüche der manisch-depressiv wirkenden Regina, der heimlichen Domina in der derzeit wohl bekanntesten „Villa“ in Tschechien, und des gleichermaßen exzentrischen wie verletzlich-maskulinen Homosexuellen Vladko sind aber unterhaltsam.

Und sie inspirieren inzwischen gar wegen ihrer Omnipräsenz auf Bildschirmen und in den Gesprächen der Erwachsenen Kindergartenkinder zu harmlosen Rollenspielen und Nachahmung, wie die in Prag erscheinende Tageszeitung Lidové noviny jüngst berichtete.

Hahnenkämpfe um die Mädchen - oder doch noch richtiger Sex?

Bei Nova scheint dagegen vorerst die weitere Dramaturgie für das bisher floppende Big Brother-Format klar zu sein. Der Fokus der Kameras wird nun konsequenterweise wohl besonders scharf auf die fast gleichaltrigen Paradiesvögel Filip und David sowie insbesondere auf Filip und die attraktive Lena mit dem Spitznamen „modelka“ (ModelI) gerichtet bleiben.

Denn zwischen dem Gay-Liebling und Lena hatte es schon vor Filips erzwungenem ersten Auszug ganz augenscheinlich ordentlich gefunkt. Sollte es irgendwann dann auch zu heftigen Stromstößen zwischen den beiden kommen, wird sich zeigen, ob das ansonsten bewährte Kalkül des Senders am Ende auch diesmal noch aufgeht: Sex sells...

Einen Zuschauer dürfte TV Nova in diesem Falle allerdings mit Sicherheit verlieren, sollte er nicht ein extremerer Masochist sein: Roman, der Freund der 25-jährigen Unternehmerin Lena. Der könnte dann wohl sein Schicksal von den Boulevard-Medien in Tschechien beweinen lassen als einen der Kollateralschäden der Reality-Shows und so eventuell wenigstens noch eine Exklusiv-Geschichte über seine Ex-Freundin versilbern.

Von Niels Köhler


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Tschechien-online, 23.9.2005


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