Warschau - Der Untersuchungsausschuss des polnischen Parlaments hat gestern die Ergebnisse zur Unipetrol-Privatisierung vorgelegt.
Danach ist der tschechische Staatsanteil an dem Chemiekonzern deutlich unter Marktpreis an die polnische Firma PKN Orlen verkauft worden.
Die Untersuchung hatte fast ein Jahr lang gedauert. Der Ausschuss ist der Ansicht, die tschechische Regierung hätte 5,3 Milliarden Kronen mehr für den Anteilsverkauf bekommen können. Die Frage ist also, warum die Regierung auf so viel Geld verzichtete. Die polnischen Abgeordneten vermuten, dass der tschechische Unternehmer Andrej Babi¹ dahinter steckt. Dieser habe die damalige Regierung Gross zu einem Geschäft mit PKN Orlen bewogen.
„Der Einfluss von Agrofert muss riesig gewesen sein, wenn er die tschechische Regierung dazu bringen konnte, auf ein Angebot zu verzichten, das um 40 Prozent höher lag als das von PKN Orlen“, heißt es in dem Bericht. Agrofert-Chef Babi¹ gilt als enger Freund von Tschechiens Ex-Premier Stanislav Gross.
Medien spekulieren seit Wochen darüber, dass er Bestechungsgelder von Babi¹ kassiert haben könnte. Babi¹ wiederum soll für seinen „Einsatz“ zugunsten von PKN Orlen eine Zusage bekommen haben, dass PKN Orlen ihm einen Teil von Unipetrol nach geglücktem Geschäft günstig überlässt, heißt es in dem polnischen Parlamentsbericht.
Die Prager Regierung wollte den polnischen Bericht gestern nicht kommentieren. „Ich will keine groben Worte gegenüber der Kommission benutzen“, sagte Wirtschaftsminister Milan Urban (ÈSSD).
Tschechien-online, 27.9.2005