Eine Welt und viele Sieger

Das zehnte "One World"-Filmfestival ging gestern mit der Ehrung der Siegerfilme zu Ende.

Prag - Die vergangene Woche stand in Tschechien ganz im Zeichen der Menschenrechte und Ungerechtigkeiten in dieser Welt.

Denn beim zehnten "One World"-Filmfestival, das vom 05. bis 13. März in Prag und vielen weiteren tschechischen Städten stattfand, wurden Dokumentarfilme über die Diktaturen dieser Welt gezeigt. Es wurden dabei aber auch eindringliche, persönliche Schicksale von Menschen erzählt, die unter Verfolgung, Unterdrückung oder Armut zu leiden haben.

Die von der Stiftung „People in Need“ organisierte Veranstaltung gilt als größtes Menschenrechtsfilmfestival in ganz Europa mit 138 Filmen aus fast 40 verschiedenen Ländern. Das Festival steht unter der Schirmherrschaft von Ex-Staatspräsident Václav Havel, dem tschechischen Kulturminister Václav Jehlièka und Prags Bürgermeister Pavel Bém.

So wurde auch ein spezieller „Václav Havel“-Preis an die Dokumentation „Letter to Anna“ verliehen. Dieser Film thematisiert die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkovskaja im Herbst 2006. Politkovskaja gehörte zu den wenigen verbliebenen Stimmen in Russland, die noch den Mut hatten, laut auszusprechen, was sie denken. Die kämpferische Journalistin musste für diesen Mut mit ihrem Leben bezahlen. Regisseur Eric Bergkraut bringt es in der anschließenden Diskussion auf den Punkt: „Ich war von der Nachricht ihres Todes geschockt, aber nicht erstaunt.“

Filme wie diese beherrschten das Programm in den verschiedenen Prager Kinos während der letzten Woche: Immer kritisch, ständig nachfragend und nachhakend bei ausweichenden Antworten der Protagonisten, häufig traurig stimmend und verstörend, oft aber auch mit einem Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten und positive Entwicklungen.

So zum Beispiel auch „Darfur Now“, der im Hauptwettbewerb des Festivals zwar leer ausging, aber seine eigene kleine Erfolgsgeschichte schreibt: In Darfur, eine Region im Sudan, herrscht seit 2003 ein Konflikt, der bis heute mehr als 200.000 Leben forderte und etwa 2,5 Millionen Menschen zu Flüchtlingen in der eigenen Heimat machte. In dem Film wird das Engagement von US-Schauspieler Don Cheadle und George Clooney für einen Gesetzesentwurf begleitet, der Investitionen Kaliforniens im Sudan verbietet, um so Druck auf die sudanesische Regierung auszuüben. Diesen kleinen, aber wichtigen Erfolg kann dieser Dokumentarfilm erzählen, denn Gouverneur Schwarzenegger segnete das Gesetz ab.

Thema Menschenrechte füllt Kinosäle

Der eigentliche Sieger des Festivals, der mit dem Preis „Bester Film“ ausgezeichnet wurde, ist die südamerikanische Produktion „Behave“ (Foto rechts). Die brasilianische Regisseurin Marie Ramos hat die Abläufe in einem Jugendstrafgericht begleitet und konnte den unterschiedlichsten jugendlichen Straftätern auf erstaunliche Weise nahe kommen und ihre Geschichten kennen lernen. Die Hauptjury begründete ihre Entscheidung mit den Worten: „Diese klaren, intimen und starken Szenen bringen uns die Hauptcharaktere nahe als menschliche Wesen.“

Außerdem ehrte die Jury noch den Film „Obèan Havel“, der die ganz private Seite des früheren Präsidenten Václav Havel dokumentiert (Foto oben links). Die Director’s-Cut-Version hiervon, die auf dem "One World"-Festival Premiere feierte, kann sich zudem noch über den Publikumspreis freuen. Und die Zuschauerscharen, die sich jeden Abend in die Kinosäle drängten, können am Ende dieser Woche die zahlreichen und unterschiedlichen Dokumentarfilme Revue passieren lassen und sich schon auf das 11. One World-Festival im nächsten Jahr freuen.

Website des Festivals: www.jedensvet.cz

Tschechien Online, 14.03.2008. Fotos: Jedensvet.cz
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