Treffen der Tripartität endete am Freitag vorzeitig
Prag - Mit einem Eklat endete am Freitag ein Gespräch zwischen Ministerpräsident Mirek Topolánek (Foto) und Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Tschechien. Beim Treffen im Rahmen der so genannten Tripartität sollte ursprünlich das neue Arbeitsgesetz diskutiert werden.
Wegen einer heftigen verbalen Attacke Topoláneks gegen Gewerkschafter und Wirtschaftvertreter verließen diese den Tagungsort vorzeitig, berichtete der tschechische Rundfunk ÈRo 1 Radio¾urnál (Prag).
Unter anderem hatte der Premier den Tarifpartnern vorgeworfen, zu lügen und den "Arbeitnehmern die warmen Mahlzeiten zu stehlen". Anlass des Wutanfalls war ihre Ablehnung der geplanten Abschaffung der Steuervorteile für Verpflegungs-Coupons ("strávenky").
Darüber hinaus äußerte er sich allgemein abfällig über die Insititution der Tarifpartnerschaft. "Er sagte, dass er sich bislang gedacht hatte, die Tripartität sei nicht so recht von Nutzen, dass er aber jetzt überzeugt sei, dass sie überhaupt nichts taugt", zitierte der Online-Anbieter Aktualne.cz den Vizevorsitzenden des tschechischen Gewerkschaftsbunds (ÈMKOS), Jaroslav Zavadil.
Als die Gewerkschafter zu den Vorwürfen Stellung nehmen wollten, habe Topolánek sie nicht sprechen lassen. "Ich musste ihm ins Wort fallen und sagen, dass wir angesichts dieses Zustands gehen", beschrieb Zavadil die weitere Entwicklung.
ÈMKOS-Sprecherin Jana Ka¹parová bezeichnete das Auftreten des Ministerpräsidenten als "grob, flegelhaft und verallgemeinernd". Die Gewerkschafter seien "schockiert" über das "unerhörte" Verhalten Topoláneks und forderten eine Entschuldigung.
Tschechien Online, 28.3.2008. Foto: ÈTK