Das Festival für zeitgenössische Musik Pra¾ské premiéry hat begonnen
Prag - Traditionen lassen sich heutzutage ja sehr schnell begründen, somit gehört das nun zum vierten Mal stattfindende Festival für zeitgenössische Musik bereits zum prall gefüllten Prager Kulturkalender. Unter dem Namen Pra¾ské premiéry (Prager Premieren) werden im Rudolfinum seit vergangenem Samstag eine Woche lang neueste Werke von Komponisten aus Tschechien und ausgewählten europäischen Ländern zu hören sein.
Dieses Mal steht das Festival unter dem Motto Blick nach Südwesten, unter den fast fünfzig orchestralen und zwanzig kammermusikalischen Kompositionen werden auch etliche von Tonkünstlern aus Westeuropa hier ihre Uraufführung erleben.
Da Komponisten und Noten-Verlage nur noch selten Gelegenheit haben, ihre Werke im großen Rahmen zu hören zu bekommen, nutzt auch der wohl renommierteste Radiosender Europas für Ernste Musik, Radio France Musique, diese rare Gelegenheit zu Aufnahmen aktueller französischer Kompositionen.
Prag hat endlich sein Festival Neuer Musik
Prag hat also nun endlich auch sein Festival Neuer Musik, und es verdankt es der Initiative der Tschechischen Philharmonie, deren Klangkörper allerdings ulkiger Weise gar nicht dabei ist. Statt dessen spielen die Symphonischen Orchester aus allen anderen Landesteilen. Und an den ersten beiden Abenden taten sie das sehr gut. Einen ebenso großen Einsatz zeigten die Solisten, Daniel Wiesner überzeugte einmal mehr mit seiner eruptiven Tastenvirtuosität am Samstagabend, und am Sonntag bei der Uraufführung des schönen 2. Cello-Konzertes von Zdenìk ©esták folgte ihm mit einer glänzenden Vorstellung das Cello-Phänomen Michal Kaòka.
Eine intensive Woche außergewöhnlicher Musik steht nun noch bevor, oder ist Neue Musik doch bereits alltäglich? Die Kompositionen, die an den ersten Abenden geboten worden, legen den Schluß nahe, denn oft scheinen sie sich wieder einer melodiösen Erkennbarkeit zu nähern, wobei die in den letzten Jahren eher gepflegten Klangteppiche nun wohl wieder rhythmisch eindeutiger strukturiert werden. Ein besonders gelungenes Stück, dass sich in dieser Richtung bewegte, war am ersten Abend das schon ältere Werk - was bei Neuer Musik ein Alter von sechs Jahren bezeichnet - des jung verstorbenen Schweizers Ulrich Stranz.
Ob dieser musikalische Ausdruck zu einer Tendenz des Festivals werden wird? Diese Frage zu beantworten, dazu haben Liebhaber neuer, und deshalb auch immer wieder überraschender Musik nun eine Woche Gelegenheit, bis dann in den schönen Sälen des Rudolfinums wieder Mozart, Beethoven, Dvoøak und Co. das Sagen haben. Eine Frage aber wurde bereits vor längerer Zeit geklärt. Da wurde nämlich bei einer Veranstaltung im Prager Goethe-Institut der deutsche Komponisten-Star Bernd Franke gefragt: Wozu braucht man Neue Musik? Er antwortete mit einer Gegenfrage: Wozu braucht man Musik?
Von Michael Magercord
Pra¾ské Premiéry, vom 29. März - 6. April 2008
Ort: Rudolfinum, Prag 1
Kammermusik: Beginn jeweils 18.00 Uhr im Zeremoniensaal des Museums des Rudolfinums
Orchesterwerke: Ab 19.30 Uhr im Dvoøák-Saal
Eintritt: Abendkasse 100,- Kè
Website: www.prazskepremiery.czTschechien Online, 1.4.2008. Foto: Prazskepremiery.cz