Politiker sollten sich nicht als "Staffage" hergeben
Paris/Prag - Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg (Foto) hat sich für einen Boykott der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Peking ausgesprochen.
Die Gala sei "reine Reklame" für ein Land, "das sich erneut als Diktatur erwiesen" habe, sagte der Politiker der tschechischen Nachrichtenagentur ÈTK am Donnerstag in Paris.
Zuvor hatte Schwarzenberg ein Arbeitstreffen mit seinem Amtskollegen Bernard Kouchner absolviert.
Der Prager Außenamtschef erinnerte daran, wie Nazi-Deutschland die Spiele 1936 zu Propagandazwecken genutzt hatte und sagte, Europa dürfe so etwas nicht mehr zulassen.
"Die feierliche Eröffnung gönne ich den Sportlern und Zuschauern, aber dass wir Politiker dort die billige Staffage bilden sollen, das lehne ich entschieden ab", führte Karel Schwarzenberg aus.
Zugleich äußerte er den Wunsch, dass die EU den Dalai Lama im Falle eines Besuches mit allen diplomatischen Ehren empfangen sollte. Diesen Standpunkt vertrete auch Bernard Kouchner, hob Schwarzeberg hervor.
Bei dem tschechisch-französischen Außenministertreffen ging es vor allem
um Koordinationsfragen im Zusammenhang mit der EU-Ratspräsidentschaft, die Tschechien turnusmäßig von Frankreich übernehmen wird. Darüber hinaus bestätigte Schwarzenberg einen bevorstehenden Prag-Besuch des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy im Juni.
Tschechien Online, 10.4.2008. Foto: ÈTK