Tschechiens Premier befürchtet missbrauch der Olympischen Spiele für Propagandazwecke
Prag - Tschechiens Premier Mirek Topolánek (Foto) wird nicht an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking teilnehmen.
Das sagte er am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion mit Studenten der Juristischen Fakultät der Masaryk-Universität in Brünn, wie der Internetserver Novinky.cz meldet.
„Ursprünglich wollte der Herr Präsident dorthin reisen, aber der hat sich geschickt aus der Affäre gezogen, indem er sich einer Operation unterzieht. Aber ich werde nicht nach Peking fahren. Sicher bin ich nicht für irgend einen Boykott der Olympiade seitens der Sportler, aber ich denke, dass man dort ohne mich auskommt“, so Topolánek (ODS).
Er verwies dabei darauf, dass die Olympischen Spiele in Berlin 1936 von den Nazis für ihre Propagandazwecke missbraucht worden seien, und er wolle nicht dazu beitragen, dass die Zeremonie in Peking zu einer Huldigung der Stärke und der Größe des kommmunistischen Chinas werde.
Bisher hatte Topolánek seine Teilnahme in Peking davon abhängig gemacht, dass sie von der Mehrheit seiner Minister gebilligt werden würde. Eine Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten der Spiele in China hatten bereits der Prager OB Pavel Bém (ODS) und Bildungsminister Ondøej Li¹ka (Grüne) ausgeschlossen.
Der von den tschechischen Grünen in die Regierung entsandte parteilose Außenminister Karel Schwarzenberg hatte sich vor einigen Tagen in Paris für einen Boykott der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking ausgesprochen und damit die Linie vorgegeben, auf die Premier Topolánek jetzt eingeschwenkt ist.
Zum Thema
Schwarzenberg für Boykott der Eröffnungsgala in PekingTschechien Online, 15.4.2008. Foto: ÈTK