Kronjuwelen nach fünf Jahren wieder in Prag zu sehen

Prager Burg erwartet Besucheransturm: stundenlanges Schlange stehen ist vorprogrammiert

Prag - Die böhmischen Kronjuwelen und eine Reihe weiterer historischer Ausstellungsstücke, die mit der Krönung der böhmischen Könige verbunden sind, sind ab Samstag für 11 Tage bis zum 29. April im Vladislav-Saal der Prager Burg zu sehen.

Das letzte Mal, dass die Kronjuwelen direkt im Vladislav-Saal der Prager Burg ausgestellt waren, in der einst die Krönungszeremonie der böhmischen Herrscher stattfand, ist sogar 50 Jahre her, meldet die Nachrichtenagentur ÈTK (Prag).

Zuletzt waren die Kronjuwelen öffentlich vor fünf Jahren zu sehen gewesen. Die kostbaren Ausstellungsstücke wurden heute Pressevertretern gezeigt.

Die sieben Besitzer der Schlüssel, die nötig sind, um die Kronkammer im Veitsdom zu öffnen, hatten bereits am Donnerstagnachmittag nacheinander den Raum aufgeschlossen, in dem die Juwelen aufbewahrt werden. Schlüsselherren sind die sieben höchsten Vertreter von Staat, Stadt und Kirche: Tschechischer Präsident, Premier, der Prager Erzbischof, die Vorsitzenden beider Parlamentskammern, der Dompropst und der Prager Oberbürgermeister. Staatspräsident Václav Klaus hatte zunächst das oberste Schloss aufgeschlossen, danach öffneten die anderen Schlüsselherren das jeweils nächste darunterliegende Schloss, das unterste entriegelte schießlich Prags Oberbürgermeister Pavel Bém.

Kronschatz erblickt nur alle Jubeljahre wieder das Licht der Öffentlichkeit

Obwohl das Interesse der Öffentlichkeit enorm ist, wird der Krönungsschatz nur zu besonderen Anlässen aus seinem sicheren Verließ geholt und der Öffentlichkeit gezeigt. Aktuell sind es diesmal das neunzigste Jahr der tschechischen Staatsgründung und die Wiederwahl von Staatspräsident Václav Klaus. Im 20. Jahrhundert wurde der böhmische Kronschatz nur insgesamt neun Mal ausgestellt.

Herzstück der mittelalterlichen Sammlung ist die 2360 Gramm schwere St.-Wenzels-Krone aus massivem Gold, die mit 96 wertvollen Steinen wie Rubinen und Saphiren verziert ist und das erste Mal 1347 von dem römischen König Karl IV. von Luxemburg getragen wurde. Zum Kronschatz gehören noch Reichsapfel, Zepter und der Krönungsmantel. Ergänzt werden die Reichskleinodien von Reliquienkreuz und Krönungsschwert, die bei den Krönungen zum Einsatz kamen.

Wer sich die seltene Gelegenheit, einen Blick auf den böhmischen Kronschatz zu werfen, nicht entgehen lassen will, muss aber jede Menge Geduld mitbringen und Schlange stehen.

"Eintrittskarten gibt es nicht, Reservierungen gibt es nicht - wer in die Ausstellung will, muss sich hinten anstellen. Wir gehen von einer Wartezeit von vier bis fünf Stunden aus. Der kritische Moment wird wahrscheinlich gegen elf Uhr vormittags liegen, wenn wir die Pforten zu dem Burggarten schließen müssen. Die, die drin sind, werden dann in den verbleibenden fünf Stunden an die Reihe kommen, und die anderen, die außen vor bleiben, haben an dem Tag eben keine Möglichkeit mehr, die Ausstellung zu sehen", so Ivo Velí¹ek, Leiter der Verwaltung der Prager Burg gegenüber Radio Prag.



Tschechien Online, 18.4.2008. Fotos: ÈTK
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