Energieeffiziente Heizsysteme sind in Tschechien gefragt

Steigende Energiepreise, neue Gesetze und Subventionen schüren die Nachfrage

Prag - Der tschechische Markt für Heizungs- und Warmwassersysteme befindet sich angesichts der guten Baukonjunktur, der Renovierungswelle und ab 2009 geltenden, verstärkten Energieeffizienzanforderungen weiter im Aufwind.

Hinzu kommen drastisch steigende Energiepreise als wichtigster Anreiz für Haushalte und Gemeinden, ihre Heizsysteme zu überprüfen oder diese im Fall eines Neubaus stärker unter Energieeffizienzaspekten durchzurechnen.

Tschechiens Energiepreise steigen unentwegt und sind durch das Inkrafttreten von Ökosteuern seit 1.1.08 weiter verteuert worden, sofern es sich um Strom und Wärme aus anderen als erneuerbaren Quellen handelt. Der Strom hat sich für private Haushalte zum Jahresbeginn 2008 um 9,1% verteuert, ein Zuwachs, der Schätzungen zufolge für die kommenden Jahre die Regel werden könnte. Fernwärme stieg im Durchschnitt um 10,3%, Erdgas um 7,4%. Auch in diesen Bereichen ist ein Ende der Preisspirale nicht abzusehen. Im Verbund mit verschiedenen Fördermaßnahmen führt diese stete Verteuerung zu einem steigenden Bedarf an modernen Heizungs-, Lüftungs- und Klimageräten sowie Armaturen und Kesseln.

Auf Fachmessen für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik wie der "Pragotherm" in Prag oder der "SHK" im Rahmen der Brünner Baumessen sind alternative Ressourcen und Energiesparsysteme zurzeit Schlüsselthemen. Auch im Bau- und Elektrofachhandel zeigt sich der Trend deutlich: Der Kunde will ökologischer, sprich kostengünstiger heizen, fragt immer häufiger nach energiesparenden Produkten, für die er auch mehr auszugeben bereit ist und interessiert sich für energetische Kennzeichnungen. Der Handel stellt sich darauf ein. So hat die Baumarktkette Baumax eine Energiesparkampagne initiiert und das Angebot sparsamer Heizsysteme, Beleuchtungen, Luftbefeuchter und Dämmaterialien ausgeweitet.

Etwa halbe Million Haushalte besitzt noch Kohleöfen oder -kessel

Der Erneuerungsbedarf ist groß. Schätzungen des Umweltministeriums zufolge besitzt fast eine halbe Million Haushalte Kohleöfen oder -kessel, die im Zuge steigender Energiepreise dem Gasanschluss oder der Elektroheizung vorgezogen werden. Sie sind meist veraltet, haben einen niedrigen Brennwert und unzureichende Filter. Zur Staubbelastung der Luft soll allein der Wohnbereich mit 38% beitragen, was an kalten Tagen landauf, landab dank der eingesetzten Braunkohle zu riechen ist. Rund 2,5 Mrd. Euro müssten die Haushalte nach Berechnungen von Experten investieren, um ökologischer zu heizen, sprich Biomassekessel, Wärmepumpen oder Solarkollektoren anzuschaffen. Bei Gemeinden und Unternehmen kommt die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme sowie die Nutzung von Abwärme hinzu.

Das vom Umweltministerium erarbeitete Nationale Programm zu Emissionssenkung sieht vor, bis Ende 2008 das Luftschutzgesetz zu novellieren und Emissionsvorgaben sowie technische Parameter für kleine stationäre Verbrennungsvorrichtungen (eingeschlossen private Öfen oder Kessel zur zentralen Heizung) einführen. Anlagen, die diesen Parametern nicht entsprechen, werden ab dem 1.1.14 verboten. Auch minderwertige Brennstoffe sollen bis dahin vom Markt verschwunden sein. Händler erwarten vor diesem Hintergrund einen Übergang von der Kohle- auf die Pellets-Verbrennung.

Schon 2008 können etwa 2.000 Haushalte staatliche Unterstützung erhalten, wenn sie ihre alten Kohlekessel durch ein umweltfreundlicheres Heizsystem ersetzen. Hierfür hat der Staatliche Umweltfonds (SFZP) rund 4 Mio. Euro bereit gestellt. Maximal kann ein Antragsteller bei Biomassekesseln und solaren Warmwassersystemen umgerechnet 2.000 Euro Unterstützung erhalten. Bei Wärmepumpen und solaren Heizsystemen sind es maximal 2.400 Euro. Ab 2009 hofft Umweltminister Martin Bursik von der Partei der Grünen, dass auch Gelder aus Brüssel von Haushalten beantragt werden können, die auf Biomassekessel, Solarkollektoren oder Wärmepumpen umrüsten. Bisher hat die Europäische Kommission dieses tschechische Anliegen abgelehnt. Gegenwärtig können allein Unternehmen und öffentliche oder kommunale Einrichtungen bei Projekten zur Steigerung der Energieeffizienz EU-Förderung beantragen.

Auch Entwickler, Bauherren und Hausbesitzer müssen künftig den Energieverbrauch ihrer geplanten oder gebauten Häuser stärker im Auge haben: Ab dem 1.1.09 etwa darf bei der Hülle neuer Gebäude und größerer Renovierungen ein bestimmtes Energieeffizienz-Niveau (Klasse C) nicht mehr unterschritten werden. Die Gebäude müssen über ihren Energieverbrauch öffentlich gekennzeichnet werden. Für öffentliche Gebäude gilt diese Pflicht bereits seit dem 1.1.08. Diese Bestimmung gilt auch bei Altgebäuden in dem Moment, wo Besitzer oder Mieter wechseln. Hinzu kommt, dass bei neuen Gebäuden über 1.000 qm künftig eine technische Analyse vorab zu erfolgen hat, die die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes alternativer Heizsysteme prüft (etwa dezentralisierte Systeme aus erneuerbaren Quellen, kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung, Wärmepumpen).

Markt für Anlagen zur energiesparenden Wärme- und Warmwassererzeugung wächst

Vor diesem Hintergrund wächst der Markt für Anlagen zur energiesparenden Wärme- und Warmwassererzeugung und mit ihm die Nachfrage nach Armaturen, Regulierungs- und Mess-Systemen. Die neuesten Trends sind nach Angaben von Branchenkennern Wärmepumpen und Holzpellets. Brennholz, Holz-Schnitzel, Holz-Pellets und Briketts sind durch die Eingliederung in die ermäßigte Mehrwertsteuerkategorie (9 statt 19%) günstiger geworden, was die Nachfrage nach entsprechenden Heizsystemen begünstigt.

Bei den Wärmepumpen stehen an erster Stelle der Nachfrage Luft/Wasser, gefolgt von Sole/Wasser (Erdkollektoren und Erdsonden). Gefragt sind nach Auskunft von Händlern auch Wärmepumpen mit Lüftungssystemen. Erst seit 2000 begann das Interesse an Wärmepumpen zu wachsen. Nach Angaben der Assoziation zur Nutzung von Wärmepumpen in Tschechien sind bis Ende 2006 gut 10.000 solcher Anlagen installiert worden. 2007 sollen 2.900 Einheiten verkauft worden sein. Für 2008 wird mit 3.600 gerechnet. Etabliert auf dem Markt sind vor allem Firmen aus Deutschland und Schweden. Auch die Wärmerückgewinnung ist im Kommen, vor allem beim Niedrigenergiebau.

Vor wenigen Jahren noch weitgehend unbekannt , werden heute Energieberatungen und Energieaudits immer populärer, fördern Schwachstellen zutage und lassen landesweit Gemeinden über Lösungen nachdenken. Ein Beispiel: Die Region Mittelböhmen hat über Energieaudits festgestellt, dass die Mehrheit ihrer 844 Schulgebäude überaus energieaufwändig beheizt wird und will das ändern. Ein Projekt, das 21 Schulgebäude umfasst, und den Austausch von Fenstern und Heizungen vorsieht, soll im Hinblick auf eine EU-Förderung erarbeitet werden. Die Kosten werden auf 380 Mio. Kc geschätzt, etwa 15 Mio. Euro. Auch auf Ebene der Städte und Gemeinden finden sich Förderprogramme in unterschiedlicher Höhe, die ökologischere Heizungsformen unterstützen.

Von Miriam Neubert

Tschechien Online, 24.4.2008. © Bundesagentur für Außenwirtschaft 2008. Foto: ÈTK
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