Investitionswelle in Tschechiens Landwirtschaft

Ein Drittel der Landtechnik-Importe kam 2007 aus Deutschland

Prag - Die landwirtschaftlichen Betriebe in der Tschechischen Republik haben 2007 gute Gewinne gemacht. Im Verbund mit direkten Zuwendungen der EU und anderen Subventionen führte dies zu einer ausgeprägten Investitionsaktivität, die auch 2008 anhalten sollte.

Bei den Einfuhren zeigten sich - mit Ausnahme der rückläufigen milchwirtschaftlichen Apparate - in allen Segmenten zum Teil hohe zweistellige Zuwächse. Ein Drittel der importierten Land- und Forstwirtschaftsmaschinen sowie Traktoren kam aus Deutschland.

Mit dem EU-Beitritt 2004 hat sich das Blatt für die viele Jahre Verluste schreibende tschechische Landwirtschaft gewendet. Seither wächst auch der Absatz landwirtschaftlicher Maschinen, und zwar mit durchschnittlich 20% pro Jahr, wie die Tschechische Assoziation der Land- und Forsttechnik bekannt gab. Hersteller und Importeure erleben einen regelrechten Boom, der bei Beibehaltung der Subventionierung durch die EU und dank der weltweit wachsenden Nachfrage nach Agrarprodukten in den kommenden Jahren anhalten könnte. Einer Analyse des Ministeriums für Industrie und Handel zufolge hat sich die rechnerische Inlandsnachfrage nach Agrar- und Forstmaschinen seit dem Jahr 2000 von 184,2 Mio. Euro auf 624,7 Euro 2006 mehr als verdreifacht.

Laut Statistik der Landtechnik-Assoziation wurden 2007 insgesamt 2.730 Traktoren verkauft, 22% mehr als im Jahr zuvor. Ähnlich verlief die Entwicklung bei Feld- und Dreschmaschinen. Nach Einschätzung der Branchenexperten soll sich die Investitionswelle 2008 fortsetzen. Begünstigt wird sie durch das erfolgreiche Landwirtschaftsjahr 2007, in dem die Betriebe einen Gewinn von insgesamt 13,7 Mrd. Kc meldeten, umgerechnet 493,5 Mio. Euro und eine Verdoppelung gegenüber 2006. Zu den Direktzahlungen der EU, ihren landwirtschaftlichen Förderprogrammen und nationalen Subventionen (2006: 846,4 Mio. Euro) kommen die anziehenden Preise für Getreide und Raps hinzu, die die tschechischen Bauern schwarze Zahlen schreiben lassen und es ihnen ermöglichen, in effizientere Technik zu investieren.

EU fördert Erneuerung des Maschinenbestands

Die Förderpolitik der EU gibt landwirtschaftlichen Unternehmen die Chance, ihren häufig veralteten Maschinen- und Gerätebestand zu erneuern. Von 2007 bis 2013 stehen an Mitteln aus dem Europäischen Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) zusammen mit den Kofinanzierungssummen aus dem tschechischen Staatshaushalt 3,6 Mrd. Euro zur Verfügung. Davon sind allein für die Modernisierung landwirtschaftlicher Unternehmen - darunter zentral für den Einkauf moderner Technologien - 300 Mio. Euro vorgesehen. Im Verbund mit den notwendigen Eigenmitteln wären dies Investitionen im Wert von 600 Mio. Euro.

Tschechische Bauern müssen ab 2009 geltenden EU- Verpflichtungen gerecht werden, wollen sie weiterhin Direktzahlungen erhalten. Es handelt sich dabei um 19 Rechtsakte, die direkt auf Betriebsebene anwendbar sind. Sie betreffen die Bereiche Umwelt, Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie Tier- und Bodenschutz und sind in ihrer Mehrzahl strenger als die bisher geltenden tschechischen Vorschriften. Die Nachrichtenagentur CTK zitiert die Tschechische Landwirtschaftskammer mit Schätzungen, dass pro Hektar Agrarland in den kommenden Jahren 10.000 bis 20.000 Kc investiert werden müssen (400 bis 800 Euro). Bei rund 3,6 Mio. Hektar Farmland wären das 1,4 Mrd. bis 2,9 Mrd. Euro.

Im Zuge der Aufbruchsstimmung in der Landwirtschaft entwickelt sich auch die Herstellung von Land- und Forstmaschinen (NACE 29.3) dynamisch. Sie macht etwa 5% der Umsätze der Maschinenbaubranche (ohne Kfz) aus. Der Sektor beschäftigt an die 10.000 Mitarbeiter. Nach Analysen des Ministeriums für Industrie und Handel steigen Umsätze und Arbeitsproduktivität in der Branche seit 2000 an; die Umsätze im Jahr 2006 auf 13,1 Mrd. Kc (471,9 Mio. Euro, letztverfügbare Zahlen). Dies hat auch mit der Umstrukturierung und der Erholung des Geschäfts bei dem traditionsreichen Traktorfertiger Zetor Group zu tun, der seit 2002 in der Hand der slowakischen HTC Holding ist.

Die Nationalmarke Zetor ist Marktführer auf dem inländischen Traktorenmarkt, gefolgt von John Deere, New Holland, Case IH, Massey, Fendt. Als einer der größten Traktorhersteller in Europa hat das Brünner Unternehmen Anfang April 2008 für 2007 einen Umsatz von 5,6 Mrd. Kc gemeldet (201,7 Mio. Euro). Dies entsprach einem Plus von fast 14%. Der Reingewinn legte um ein Fünftel auf 239 Mio. Kc zu (8,6 Mio. Euro). Den Absatz von Traktoren konnte das Unternehmen um 8% auf 7.000 Einheiten steigern. Über 90% der Produktion wird ausgeführt. Unter der neuen Geschäftsführung des Japaners Masao Nagase will Zetor bis 2010 den jährlichen Absatz auf 10.000 Traktoren und den Umsatz auf fast 9 Mrd. Kc (360 Mio. Euro) steigern. Um diese Ziele zu erreichen, sollen von 2008 bis 2010 über 40 Mio. Euro in die Produktion, vor allem in neue Technologien investiert werden.

In der Branche herrscht derzeit Optimismus

Agrostroj Pelhrimov, ein Fertiger von Landtechnik und Nutzfahrzeugen, stellt eigene Produkte wie Mähmaschinen, Düngerstreuer und Mulchgeräte her, fertigt aber mehrheitlich Komponenten und Endprodukte für internationale Landtechnik und Nutzfahrzeuge herstellende Firmen. 98% der Produktion gehen in den Export. Die Gesellschaft Farmet in Ceska Skalice ist ein wichtiger Hersteller für Landtechnik zur Bodenbearbeitung und Aussaat. Weiter gestärkt wird der Bereich Landtechnik durch den Ausbau des Produktions- und Technologiestandortes des österreichischen Unternehmens Pöttinger, der im Herbst 2008 abgeschlossen sein soll.

Aus Deutschland importierte Tschechien 2007 landwirtschaftliche Maschinen und Apparate im Wert von 112,4 Mio. Euro und Traktoren im Wert von 49,3 Mio. Euro, was einem Anteil an den Gesamteinfuhren von einem Drittel entsprach. Mit Ausnahme der Molkereimaschinen sowie der Pressen und Mühlen lagen deutsche Lieferanten stets an erster Stelle. Bei den Geräten für Land- und Forstwirtschaft stammte die Konkurrenz aus Österreich Frankreich und Dänemark, bei den Ernte- und Dreschmaschinen waren es Italien, Österreich und die USA, bei anderen landwirtschaftlichen Maschinen aus Finnland, Schweden und Italien. Als Lieferanten von Traktoren folgten auf Deutschland Großbritannien, die USA und Österreich.

Den Optimismus in der Branche spiegelten die Brünner Fachmessen Techagro, Silva Regina und Animal Vetex wider, die Anfang April 2008 stattfanden. Sie verzeichneten eine Rekordbeteiligung von 750 Unternehmen aus 21 Ländern und über 92.000 Besuchern. Die Messe findet alle zwei Jahre statt.




Von Miriam Neubert

Tschechien Online, 25.4.2008. © Bundesagentur für Außenwirtschaft 2008. Foto: ÈTK
Suche


Leben und arbeiten in Prag - Offene Stellen bei Accenture
Es geht
TOPlist