Von Miriam Neubert - Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai)
Prag - Tschechien ist ein traditionelles Maschinenbauland. Durch Umstrukturierungen mit Hilfe ausländischer Investitionen verbucht der Sektor hohe Produktionszuwächse und gehört zu den Wachstumssäulen der Wirtschaft.
Tschechiens Maschinen- und Anlagenbauer profitierten 2007 von der guten Auslandsnachfrage und der hohen Investitionsneigung im Inland. Über 40% der Maschinen-Einfuhren kamen aus Deutschland. Obwohl das tschechische Wachstum abschwächt, dürfte auch 2008 ein weiteres starkes Investitionsjahr werden.
Marktentwicklung/-bedarf
Trotz eines mit 10,3 Mio. Einwohnern nur begrenzten Marktes ist die Tschechische Republik ein beachtlicher Maschinenabnehmer. Als Käufer deutscher Maschinen und Anlagen lag sie 2007 erneut auf dem 13. Platz. Die Bruttoanlageinvestitionen nahmen 2007 um 6,1% zu. Nach den Prognosen des Finanzministeriums soll die Investitionsphase 2008 und 2009 mit 8,1% beziehungsweise 7,8% Zuwachs ihren Höhepunkt erreichen. Am stärksten stiegen nach vorläufigen Angaben des Tschechischen Statistikamtes die Käufe von Fahrzeugen (8,6%) sowie Maschinen (7,9%).
Die Maschinennachfrage in Tschechien dürfte auch 2008 weiter steigen und deutschen Anbietern als den traditionell wichtigsten Lieferanten gute Absatzchancen bieten. So wächst die tschechische Wirtschaft trotz abschwächender Dynamik weiterhin robust (2007: 6,5%; Prognosen für 2008 und 2009: 4,9 beziehungsweise 5,1%) und die positive Entwicklung in zentralen Maschinenabnehmerbranchen (Fahrzeugindustrie, Maschinenbau, Elektronik/Elektrotechnik, Kunststoffverarbeitung, Bauwirtschaft) sorgt für weiteren Investitionsbedarf. Neue EU-Fördermittel, unter anderem für die Bereiche Umwelttechnik, Medizintechnik und moderne Technologien, fachen die Nachfrage zusätzlich an.
Auch nach dem Rekordjahr 2007 ist die Gewinnerwartung für 2008 gut. Eine Umfrage unter 118 deutschen Unternehmen in Tschechien ergab jedoch eher eine Stagnation ihrer Investitionsausgaben, nachdem sie 2007 fast eine Milliarde Euro im Land investierten. Zugleich ist gerade in rein tschechischen Betrieben der Ersatzbedarf weiterhin hoch.

1) Tschechische Kronen, Wechselkurs 2006: 1 EUR = 28,342 Kc, 2007: 1 EUR = 27,766 Kc; 2) Vorläufig
Quellen: Tschechisches Statistikamt, Ministerium für Wirtschaft und Handel
Erweiterungs-, Modernisierungs- und Rationalisierungsprojekte stehen in der Energiewirtschaft, der Fahrzeugindustrie, dem Bergbau und dem Hüttenwesen an. Der nationale Stromkonzern und Großinvestor CEZ plant den Bau neuer Kraftwerke im Wert von 5,4 bis 7,2 Mrd. Euro im In- und Ausland, darunter einen neuen Kohlekraftwerksblock sowie Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1.200 MW.
Mit der Ansiedlung des dritten großen Autowerks, Südkoreas Hyundai Motor Company (1,3 Mrd. Euro), hat die Investitionswelle in der Kraftfahrzeugindustrie ihren Höhepunkt erreicht. Nach dem Abschluss der Technologieausstattung soll bei Hyundai und damit auch bei seinen Zulieferern Ende 2008 der Probelauf beginnen. Skoda Auto investiert derzeit in seine Werke in Vrchlabi und Kvasiny. Mitte des Jahres will der Mutterkonzern VW über den Standort der Produktion des Kleinwagen Up entscheiden, gute Chancen hat Vrchlabi.
In der Stahlindustrie schreitet der Investitionsprozess durch eine zunehmende Konsolidierung und die gestiegenen Gewinne der vergangenen Jahre weiter fort. Schätzungen zufolge fallen in der Hüttenindustrie allein im Bereich der ökologischen Modernisierung bis zum Jahr 2012 jährliche Ausgaben zwischen 160 Mio. und 240 Mio. Euro an. Der Steinkohleriese OKD modernisiert bis 2010 seine fünf Bergwerke und investiert in neue Fördertechnologien. Auch der Kohleförderer SokoIovska uhelna tätigt Erneuerungsinvestitionen im Wert von 40 Mio. Euro.
Auch für Umwelttechnik stehen die Zeichen gut. CEZ will bis 2013 für Windenergie fast 160 Mio. Euro ausgeben, fast 50 Mio. Euro sollen in Biogas- und Biomasseanlagen fließen. Etwa 200 tschechische Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern müssen bis 2010 eine EU-Richtlinie umsetzen und neue Klärtechnologien einführen oder die vorhandenen modernisieren. Die nötigen Investitionen dafür werden auf rund 2 Mrd. Euro veranschlagt. Im Landwirtschaftssektor kurbeln EU-Subventionen sowie steigende Preise für Agrarprodukte die Nachfrage nach modernen Traktoren und Landwirtschaftsmaschinen an. Der Traktorhersteller Zetor expandiert und investiert 40 Mio. Euro in neue Technologien.
Die gute Auftragslage bei den Herstellern von Energietechnik, Schienenfahrzeugen und Werkzeugmaschinen führt zu einer konstanten Nachfrage nach entsprechenden Werkzeugen und Ausrüstungen. Große Investitionsprojekte realisieren zum Beispiel der Turbinenspezialist Skoda Power, der Schienenfahrzeughersteller Skoda Transportation, der Drehmaschinenproduzent Toshulin sowie der Bergbaumaschinenfertiger Ostroj. Die Baustoffindustrie hingegen dürfte nach umfangreichen Investitionen 2007 ihre Kapazitäten hinreichend aufgestockt haben. Die seit Jahren günstige Entwicklung der Baukonjunktur sowie die Durchführung großer Infrastrukturvorhaben sollten indes für eine anhaltend gute Nachfrage nach Baumaschinen sorgen.

*vorläufige Angaben für Maschineninvestitionen (ohne Fahrzeuge) in den Unternehmen mit 50 und mehr Mitarbeitern
Quellen: Tschechisches Statistikamt, Ministerium für Wirtschaft und Handel
Produktion/Branchenstruktur
Durch seine große Maschinenbautradition deckt Tschechien fast alle Sparten ab. Die Branche verzeichnet seit 2004 zweistellige Produktionszuwächse und hat 2007 um 17,5% zugelegt (1. Quartal 2008: +12,6%). Auch der Umsatz der 1.117 böhmischen und mährischen Maschinenbauunternehmen (ab 20 Mitarbeitern) war 2007 mit einem Plus von 17,3% auf 9,6 Mrd. Euro wieder beachtlich. Der Boom bei den Metallbearbeitungsmaschinen setzte sich fort (+30%).
Stärksten Anteil an den Branchenumsätzen hatte 2006 (zuletzt verfügbare Daten) mit 32% die Fertigung von nicht wirtschaftszweigspezifischen Maschinen (NACE 29.2). Es folgten mit 26% Maschinen für bestimmte Wirtschaftszweige, darunter vor allem für die Metallerzeugung, den Bergbau, Nahrungsmittel-, Textil-, Bau- und Druckmaschinen. Kraftmaschinen erreichten 21%, die Werkzeugmaschinen 8%, gefolgt von der Land- und Forsttechnik mit 5%. Der Sektor zog 2007 ausländische Direktinvestitionen im Wert von 212 Mio. Euro an.
Trotz der aufwertenden tschechischen Krone entwickelten sich die Ausfuhren des Sektors weiter dynamisch, die Exportquote erreichte 70%. Die wachsenden Exporterfolge tschechischer Anlagenbauer eröffnen Kooperationschancen für deutsche Lieferanten, insbesondere auch im Bereich der Forschung und Entwicklung.
Außenhandel
Die ausgeprägte Investitionsdynamik erreichte 2007 ihren Höhepunkt und führte zu einer starken Importsteigerung von Maschinen und Teilen (SITC 71, 72, 73, 74) um 18% auf 10,3 Mrd. Euro. Bei den Zuwachsraten lagen die Arbeitsmaschinen mit 25% vorn (2,4 Mrd. Euro), gefolgt von den Spezialmaschinen mit 19% (4,6 Mrd. Euro) und den Metallbearbeitungsmaschinen mit 17% (823,7 Mio. Euro). Nach Rekordzuwächsen 2006 wurden 2007 nochmals 10% mehr Kraftmaschinen eingeführt (Wert: 2,4 Mrd. Euro). Deutschland ist in allen Sektoren unangefochten Lieferland Nummer eins. Unter den Arbeitsmaschinen nahmen die deutschen Lieferungen überdurchschnittlich zu, vor allem bei Textil-, Bau-, Agrar- und übrigen Arbeitsmaschinen. Rückläufige Importwerte verzeichneten nur die Bereiche Papiertechnik (-5%) und Nahrungsmittelmaschinen (-1,8%).
Der Außenhandel mit Maschinen fällt für Tschechien seit 2003 positiv aus. Am stärksten erwies sich das Plus mit 1,5 Mrd. Euro bei den Spezialmaschinen, gefolgt von Arbeitsmaschinen mit 444 Mio. Euro. Wichtigster Abnehmer ist Deutschland.

Quelle: Tschechisches Statistikamt
Geschäftspraxis
Das tschechische Maschinenbauprüfinstitut (www.szutest.cz) ist für Tests und die Zertifizierung von Maschinen zuständig, für einige Fachzweige das staatliche Testinstitut für Land- und Nahrungsmittelmaschinen sowie Forsttechnik SZZPLS (www.szzpls.cz).
Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuer-Kontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern (www.bzst.bund.de). Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien. Siehe hierzu zum Beispiel die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V. (www.din.de).
Tschechien Online, 6.6.2008. © Bundesagentur für Außenwirtschaft 2008. Foto: ÈTK