Gewerkschaften planen größten Warnstreik seit 1990

Proteste am kommenden Dienstag richten sich gegen Regierungsreformen

Prag - Die Gewerkschafter der Assoziation selbstständiger Gewerkschaften der Tschechischen Republik (ASO), der zweitgrößten Gewerschaftszentrale des Landes, werden sich am kommenden Dienstag an einem einstündigen Proteststreik gegen die Regierungsreformen beteiligen.

Das sagte am Mittwoch der ASO-Vorsitzende Bohumír Dufek, meldet der Server Novinky.cz. Der einstündige Warnstreik aus Protest gegen die Regierungsreformen wird damit nach Einschätzung von Gewerkschaftern die größte Protestaktion in Tschechien seit Anfang der 90er Jahre.

In welcher konkreten Form sich die einzelnen Gewerkschaften an den Protesten beteiligen, entscheiden die jeweiligen Gewerkschaftsorganisationen selbst. So planen die Landwirtschaftsgewerkschaften offenbar eine Demonstration. Nach Angaben von Dufek werden Landwirtschafs- und Eisenbahngewerkschafter noch am Freitag zu einem Koordinierungstreffen zusammenkommen, um Einzelheiten abzustimmen. Die Eisenbahner wollen ihre geplanten Aktionen am Montagvormittag bekanntgeben.

Die ASO ist die Dachorganisation von 15 Verbänden und vereint etwa 250.000 Mitglieder. "Es dürfte die größte Aktion dieses Typs von Protesten seit dem Jahr 1990 werden", warnt Milan ©tìch, der Vorsitzende der Böhmisch-Mährischen Konföderation der Gewerkschaftsverbände (ÈMKOS).

Nach Aussage von ©tìch handelt es sich dabei zugleich um die erste Protestaktion in der Geschichte der tschechischen Gewerkschaftsbewegung nach dem Jahr 1990, von der sich keine einzige Einzelgewerkschaft distanziert hat.

Proteste richten sich gegen Renten-, Finanz- und Gesundheitsreform

Die Proteste richten sich in erster Linie gegen die große Renten- und Finanzreform der Regierung sowie deren Auswirkungen. Die Gewerkschaften behaupten, dass die Regierung von Mirek Topolánek (ODS) bei dem gegenwärtigen Anstieg der Inflation Maßnahmen verabschiedet hat, durch die sich die Reallöhne im Schulwesen, Gesundheitswesen und dem öffentlichen Sektor verringert haben.

So machen die Gewerkschaften die Anfang des Jahres in Kraft getretene Finanzreform der Regierungskoalition für die gegenwärtig stark gestiegene Inflation in Tschechien verantwortlich. Darüber hinaus lehnen die Gewerkschaften die Pläne von Gesundheitsminister Tomá¹ Julínek (ODS) ab, die Universitätskliniken sowie die Krankenkassen zukünftig in Unternehmen umzuwandeln.

Die Gewerkschaften beklagen zudem, dass der Premier mit ihnen nicht einmal über die Möglichkeit verhandelt hat, die Streiks doch noch abzuwenden. (nk)

Bildhinweis: Das Foto zeigt Angestellte des Unternehmens Jihomoravské armaturky bei einer Protestaktion am 11. März 2008 in Hodonín, bei der die Angestellten für höhere Löhne demonstrierten.


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Tschechien Online, 19.6.2008. Foto: ÈTK


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