Rock- und Politveteran will mit Václav Havels Segen zurück in die Politik
Prag - Der bekannte Rockmusiker Michael Kocáb hat am Sonntag Informationen der in Prag erscheinenden Tageszeitung Právo bestätigt, wonach er bei den bevorstehenden Senatswahlen für die tschechischen Grünen in den Ring steigen und im umkämpften Wahlkreis Prag 1 antreten will.
Zugleich kündigte er an, dass er seine Kandidatur zurückziehen werde, falls es nach dem außerordentlichen Parteitag der Grünen im September zu einem Linksruck der Öko-Partei kommen sollte.
Bei dem Parteitag wird es eine Kampfabstimmung um den Grünen-Vorsitz zwischen dem amtierenden Parteichef Martin Bursík und seiner Herausfordererin, der ehemaligen Schulministerin Dana Kuchtová kommen, die eine stärkere Durchsetzung grüner Inhalte in der Prager Dreierkoalition fordert.
Kocáb betonte gegenüber Právo, dass ihm der Kurs des gegenwärtigen Parteichefs Martin Bursík zusage, er aber auch grundsätzlich mit Kuchtová an der Parteispitze einverstanden sei.
"Falls Dana Kuchtová gewinnen sollte und sich an diesem Trend nichts ändert, dann würde ich selbstverständlich bleiben. Das ist nicht an einen Namen gebunden. Ich füchte allerdings, dass es zu einem Linksruck kommen würde. Und dann würde ich gehen", so der parteilose Kocáb.
Im Wahlbezirk Prag 1 wollten die Grünen eigentlich den Schauspieler und Schwulen-Aktivisten Jiøí Hromada als Spitzenkandidaten antreten lassen, der jedoch ernsthaft erkrankt ist und auf eine Kandiatur verzichtet hat.
Michael Kocáb: Musiker und "Homo politicus"
Mit dem Musiker Michael Kocáb, Gründer und Frontmann der Underground-Band Pra¾ský vybìr, steigt nun für die Grünen eine bekannte Persönlichkeit des kulturellen Lebens in den Ring, der bereits vor der Wende politisch aktiv war und zu den Akteuren der Samtenen Revolution von 1989 gehört. Der 54-jährige bezeichnet sich selbst gern als "Homo politicus".
Zusammen mit dem Texter Michal Horáèek hatte Kováb 1989 die Initiative Most (Brücke) gegründet, die sich für einen dialog zwischendem tschechoslowakischen Dissent und der regierenden KSÈ eingesetz hatte. So nahm er im November 1989 an den direkten Verhandlungen zwischen den Vertretern der kommunistischen Macht und dem Bürgerforum (Obèanské fórum) teil (Foto unten).
Knapp zwei Jahre lang war Kocáb dann Abgeordneter der Volkskammer der Föderalversammlung. Als Vorsitzender der Parlamentskommission widmete er sich vor allem dem Abzug der sowjetischen Truppen aus der damaligen Tschechoslowakei.
Kocáb sagte zu seiner Kandidatur, dass es Martin Bursík war, der mit dem Angebot an ihn herangetreten sei, unter anderem habe ihm dann Ex-Präsident Václav Havel in seinem Vorhaben bestärkt. Mit der Musik und seiner Band Pra¾ský výbìr will Kocáb aber in jedem Falle weitermachen: "Ich will Musiker bleiben, komme was da wolle".
Über seinen gelungenen Überraschungscoup und prominenten Kandidaten zeigte sich Grünen-Chef Martin höchst erfreut. "Es geht dabei um einen Wahlkreis, den man als Flaggschiff der Grünen bezeichnen kann", so Bursík. (nk)
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Tschechien Online, 4.8.2008. Fotos: ÈTK