Ratsherren versprechen sich Schaffung von attraktivem Bauland im Zentrum der Hauptstadt
Prag - Der älteste Prager Bahnhof, der in den Jahren 1844/45 errichtete Masarykovo nádra¾í (Foto), soll aus der tschechischen Hauptstadt verschwinden - jedenfalls wenn es nach dem Willen des Prager Magistrats geht.
Wie tschechische Medien berichten, beschloss die Prager Stadtvertretung am Dienstag eine Änderung des Flächennutzungsplanes, die es ermöglicht, dass an der Stelle des heutigen Masaryk-Bahnhofs gebaut wird. Die definitve Entscheidung über das Aus für den einzigen Kopfbahnhof Prags soll Mitte September fallen.
Die Veränderungen betreffen zudem offenbar auch den Güterbahnhof ®i¾kov (Nákladové nádra¾í ®i¾kov) und den Smíchover Bahnhof (Smíchovské nádra¾í). Das sagte gestern gegenüber Journalisten der Ratsherr Martin Langmajer (ODS).
Was genau aus dem denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude wird, ist dabei noch unklar. Langmajer sagte, er würde es bevorzugen, wenn dort Wohnungen statt einer "toten" Zone mit Büro- und Verwaltungsgebäuden entstünden. Klar scheint jedoch zu sein, dass das Bahnhofsgebäude nicht wie vom Nationalen Technikmuseum gewünscht, ein Eisenbahnmuseum beherbergen wird.
Als Hauptgrund für die Pläne zur Schließung und Auflösung des Masaryk-Bahnhofs nannte Langmajer die Tatsache, dass es sich bei dem Bahnhof um einen Kopfbahnhof handele und das Rangieren der Lokomotiven zu kompliziert sei. Sämtliche Züge, die heute in den Masaryk-Bahnhof einfahren, sollen stattdessen künftig im Hauptbahnhof halten.
"Wir können uns vorstellen, dass in einem langfristigen Horizont aus den beiden Bahnhöfen ein großes Terminal wird", sagte gestern Anna Kodysová von der Staatlichen Verwaltung der Eisenbahnstrecken (Správa ¾eleznièní dopravní cesty - S®DC) gegenüber der Nachrichtenagentur ÈTK (Prag) zu den Plänen des Magistrats. Derzeit gebe es dafür jedoch kein Geld, mit einer Zusammenlegung rechne sie nicht in den kommenden fünf bis zehn Jahren. Alledings ist die S®DC nicht an dem Flächennutzungsverfahren beteiligt, sondern, wird in den Prozess erst in dem Moment eingebunden, wenn es darum geht nachzuweisen, dass die vorgeschlagene Lösung sinnvoll ist und es also Sinn macht, dafür Gelder bereitzustellen.
Mit der Revitalisierung des Bahnhofsgeländes und der frei werdenden Flächen der heutigen Gleisanlagen soll nach Informationen von ÈTK das Unternehmen ING Real Estate Development betraut werden. Der Prozess der Revitaliserung dürfte nach Langmajer mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Durch die Auflösung der Gleisanlagen sei mit der Entstehung von rund 20 Hektar attraktivem Bauland im Stadtzentrum entlang der Straße Na Florenci (Foto unten) zu rechnen, so Langmajer. (nk)
Tschechien Online, 6.8.2008. Fotos: ÈTK