Moderne Heizungssysteme gefragt / Steigender Bedarf an Kunststoffprodukten
Prag - Die gute Baukonjunktur sorgt in Tschechien für eine positive Entwicklung auf dem Markt für Baumaterialien. Die Nachfrage nach moderner Heizungs-, Lüftungs- und Klimageräten profitiert von der hohen Zahl der Renovierungen und dem Preisanstieg für Energie.
Die privaten Verbraucher wollen ökologischer und kostengünstiger heizen und sind bereit, dafür in moderne Technik zu investieren. Neben Polen zählt Deutschland zu den wichtigsten Lieferländern von Baubedarfsartikeln.
In Polen befindet sich der Markt für Sanitär-, Heizungs- und Warmwassersysteme im Aufwind. Gestützt wird die positive Entwicklung von der guten Baukonjunktur, der Renovierungswelle und den höheren Anforderungen an die Energieeffizienz, die ab dem 1.1.09 gelten. Hinzu kommen steigende Energiepreise als wichtiger Anreiz für die Haushalte, ihre Heizsysteme zu überprüfen oder im Fall eines Neubaus stärker unter Energieeffizienzaspekten durchzurechnen. Ein Ende der Preisspirale ist nicht abzusehen. Im Verbund mit verschiedenen Fördermaßnahmen führt dies zu einem steigenden Bedarf an modernen Heizungs-, Lüftungs- und Klimageräten sowie Armaturen und Kesseln.
Der Markt für Anlagen zur energiesparenden Wärme- und Warmwassererzeugung wächst und damit die Nachfrage nach entsprechenden Armaturen, Regulierungs- und Messsystemen. Die neuesten Trends sind Holzpellets und Wärmepumpen. Auch die Wärmerückgewinnung ist im Kommen. Bei den Wärmepumpen stehen an erster Stelle der Nachfrage Luft/Wasser, gefolgt von Sole/Wasser (Erdkollektoren beziehungsweise Erdsonden). Gefragt sind nach Auskunft von Händlern auch Wärmepumpen mit Lüftungssystemen. Gegenwärtig erleben die Fachhändler für Wärmepumpen jährliche steigende Nachfragezuwächse zwischen 30 und 50%.
Auf Fachmessen für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik wie der "Pragotherm" in Prag oder der "SHK" im Rahmen der Brünner Baumessen sind alternative Ressourcen und Energiesparsysteme zurzeit gefragt. Auch im Bau- und Elektrofachhandel zeigt sich der Trend: Der Kunde will ökologischer, sprich kostengünstiger heizen, fragt häufiger nach energiesparenden Produkten, für die er bereit ist, mehr auszugeben und interessiert sich für die energetische Kennzeichnung A und A+. So hat die Baumarktkette Baumax eine Energiesparkampagne initiiert und das Angebot sparsamer Heizsysteme, Beleuchtungen, Luftbefeuchter und Dämmmaterialien ausgeweitet.
Schätzungen zufolge besitzen fast eine halbe Million Haushalte in Tschechien Kohleöfen oder -kessel, die im Zuge steigender Energiepreise wieder dem Gasanschluss oder der Elektroheizung vorgezogen werden. Sie sind meist veraltet, haben einen niedrigen Brennwert und unzureichende Filter. Rund 2,5 Mrd. Euro müssten die privaten Haushalte nach Berechnungen des Umweltministeriums investieren, um ökologischer zu heizen, das heißt Biomassekessel, Wärmepumpen oder Solarkollektoren anzuschaffen. Bei Gemeinden und Unternehmen kommt die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme sowie die Nutzung von Abwärme hinzu. In jedem Fall werden die geplanten Gesetzesvorhaben spätestens ab 2014 die meisten der Kohleöfen und -kessel verbieten, da diese den Normen nicht mehr entsprechen werden.
Bereits 2008 können etwa 2.000 Haushalte staatliche Unterstützung erhalten, wenn sie ihren alten Kohlekessel durch ein umweltfreundlicheres Heizsystem ersetzen. Für dieses Ziel hat der Staatliche Umweltfonds (SFZP) 100 Mio. Tschechische Kronen (Kc; rund 4,2 Mio. Euro; 1 Euro = 23,86 Kc) bereit gestellt. Umweltminister Martin Bursik von der Partei der Grünen hofft, dass ab 2009 auch Gelder aus Brüssel von Haushalten beantragt werden können, die auf Biomassekessel, Solarkollektoren oder Wärmepumpen umrüsten. Bisher hat die Europäische Kommission dieses tschechische Anliegen abgelehnt. Gegenwärtig können allein Unternehmen und öffentliche oder kommunale Einrichtungen bei ihren Projekte EU-Förderung aus den Strukturfonds beantragen.
Energieberatungen und -audits werden in Tschechien immer populärer, fördern Schwachstellen zutage und lassen landesweit Gemeinden über Lösungen nachdenken. So hat zum Beispiel die Region Mittelböhmen über Energieaudits festgestellt, dass die Mehrheit ihrer 844 Schulgebäude überaus energieaufwändig beheizt wird. Jetzt soll ein Projekt, das 21 Schulgebäude umfasst, und den Austausch von Fenstern und Heizungen vorsieht, im Hinblick auf eine EU-Förderung erarbeitet werden. Die Kosten werden auf 380 Mio. Kc geschätzt. Auch auf Ebene der Städte und Gemeinden gibt es Förderprogramme in unterschiedlicher Höhe, die ökologischere Heizungsformen unterstützen.

Quelle: CSU

Quelle: CSU
Auch Tschechiens Bedarf an Baumaterialien und -waren aus Kunststoffen stieg 2007 im Zuge der ausgeprägt guten Baukonjunktur deutlich an. Importe, Produktion und Exporte nahmen in allen Segmenten zu, darunter der Import von Baubedarfsartikeln aus Kunststoffen (HS 3925) um 23%. Wichtigstes Lieferland bei Profilen, Tafeln, Platten, Badewannen, Folien, Duschen, Ausgüssen, Waschbecken und Beschlägen aus Kunststoffen war Deutschland. Die Importe von Türen, Fenster und Rahmen aus Kunststoffen, sowie Beschläge und ähnlichen Waren aus Polen verzeichneten Zuwachsraten von jeweils über 45%. Die tschechischen Importe von Baubedarfsartikeln aus Polen überholten mit 39,9 Mrd. Euro knapp die Lieferungen aus Deutschland (39,5 Mrd. Euro). Bei Wannen und anderen Sanitärprodukten aus Kunststoffen lag Deutschland mit Lieferungen im Wert von fast 13,8 Mio. Euro vor China und Polen mit jeweils 8,0 Mio. Euro.

Quelle: Tschechisches Statistikamt
Branchenexperten in Tschechien rechnen mit einem zunehmenden Bedarf an Kunststoff-Fenstern und sehen Potenzial vor allem in den Plattenbauten, die erst zu einem Teil saniert sind. Mit steigendem Wohlstand nimmt auch die Nachfrage nach hochwertigen Kunststoff-Fenstern zu. Ein konkurrierender Trend sind natürliche Materialien. Während bei der Sanierung von Plattenbauten und dem Bau neuer Wohnanlagen vor allem Kunststoff-Fenster bevorzugt werden, setzen Bauherren bei Familienhäusern eher auf Holz.
Die Nachfrage nach Schaumstoff-Polystyren (EPS) hat nach Angaben der Vereinigung EPS 2007 um 21% auf 48.400 t zugelegt. Tschechien gehört damit zu den Ländern mit den größten Zuwächsen in der EU. Dahinter steht ein Aufholbedarf von etwa 20 Jahren. Angesichts steigender Energiepreise und neuer Anforderungen an den Energieverbrauch der Gebäude ab 1.1.09 liegt Wärmedämmung im Trend. Durch vier neue beziehungsweise im Bau befindliche Werke gelten die Produktionskapazitäten für die kommenden Jahre jedoch als ausreichend. Nach Schätzungen der EPS-Vereinigung soll in Tschechien eine Gebäudefläche von etwa 120 Mio. bis 130 Mio. qm noch auf die Isolierung warten.
Die Produktion im Gesamtbereich Glas, Herstellung von Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden (NACE 26) entwickelte sich 2007 im Zuge des Baubooms mit einem Plus von 14% eindrucksvoll. Die Umsätze der Glas- und Baustoffbranche stiegen um 19% auf 140,0 Mrd. Kc. Zugleich war es ein sehr investitionsstarkes Jahr. Inzwischen scheinen fehlende Kapazitäten weitgehend ausgeglichen zu sein.
Nach einer Phase intensiver Konsolidierung wird die Baustoffherstellung inzwischen zu über 80% von internationalen Konzernen beherrscht, ist technologisch modern ausgestattet und wettbewerbsfähig. Etwas über ein Viertel der Produktion geht in den Export (vor allem Verkleidungsmaterialien, keramisches Kaolin, Dachdeckungen, Gipsplatten und vorgefertigte Stahlbetonkonstruktionen), was eine positive Handelsbilanz zur Folge hat.

*) Vorläufige Angaben
Quelle: Verband der Zementhersteller der Tschechischen Republik
Laufende oder geplante Investitionen bei Herstellern von baubezogenen Produkten

Quellen: Nachrichtenagentur CTK, Presse- und Unternehmensmeldungen
Von Miriam NeubertTschechien Online, 21.8.2008. © Bundesagentur für Außenwirtschaft 2008. Foto: ÈTK