Topolánek und Vondra präsentieren TV-Spot mit viel Prominenz und frechem Humor
Prag - Viel Prominenz, ein süßer Geniestreich und eine gute Portion des landestypischen frech-doppeldeutigen Humors: Das sind die Hauptzutaten eines Kino- und Fernsehspots, mit dem die Prager Regierung die Tschechen auf die bevorstehende EU-Ratspräsidentschaft ihres Landes einstimmen will.
Am Donnerstag stellten Ministerpräsident Mirek Topolánek (rechts) und Europaminister Alexandr Vondra (links) das 30-Sekunden-Filmchen vor und läuteten so offiziell die Medienkampagne zum EU-Ratsvorsitz, den Tschechien am 1. Januar von Frankreich übernimmt.
Der Spot, bei dem die Filmemacherin Alice Nellis ("Ene bene", "Little Girl Blue") Regie führte, zeigt eine Reihe bekannter tschechischer Persönlichkeiten, darunter Topmodel Tereza Maxová, Chelsea-Torwart Petr Èech und Dirigent Libor Pe¹ek, wie sie zur Hintergrunmusik von Beethovens Ode an die Freude gut gelaunt mit einem Zuckerwürfel spielen. Dieser landet, nach allerhand Tricks und Pässen, am Ende in einer Tasse Kaffee - wie ein Treffer beim Basketball.
Während man in Zeitlupe eine Nahaufnahme der Kaffeetasse sieht, aus der die schwarze Brühe in einer eleganten Welle emporschwappt, spricht eine Stimme das schwer zu übersetzende Motto der Kampagne: "Evropì to osladíme". Oberflächlich und im Kaffee-Kontext gelesen, hieße das: "Wir geben Europa Zucker" oder "Wir süßen Europa".
Dies wäre eine Anspielung auf die hierzulande verbreitete Sichtweise, dass Würfelzucker eine tschechische Erfindung sei. Tatsächlich soll der aus Wien zugewanderte Jacob Rad, ursprünglich Schweizer Herkunft,um das Jahr 1840 in Mähren den Süßstoff erstmals in der praktischen Quaderfrom produziert haben.
Aber es gibt noch eine andere Lesart. Jemandem "Zucker geben" kann auch bedeuten, jemanden bestrafen, mit ihm eine "Rechnung begleichen", es ihm "zeigen", "geben" oder sogar "heimzahlen". Dass es sich hier nicht um eine Drohung in Richtung Brüssel oder gar an die übrigen EU-Mitglieder handelt, stellte Mirek Topolánek gleich bei der Präsentation des Spots klar. "Die Tschechen sind ein freches Volk und der Slogan ist absichtlich provokativ", sagte der Premier, der den Film als "sehr gelungen" lobte.
In welche Richtung die Frechheit am ehesten zielt, deutete Alexandr Vndra an, der nach Medienberichten die Zuckerwürfel-Idee gehabt haben soll. "Manche Skeptiker sagen, dass wir uns in Europa auflösen wie ein Zuckerwürfel im Tee", erklärte der Vizepremier in Anspielung an einen vielzitierten Vergleich des Europa-Skeptikers Václav Klaus. "Dabei sind wir doch kein Zuckerwürfel, sondern die Erfinder des Würfelzuckers. Und sogar wenn wir jener Würfel wären, sollte unser Ehrgeiz darauf zielen, den Tee einfach süßer zu machen." (gp)
Tschechien Online, 4.9.2008. Foto: ÈTK