Heidelberger Prinzhornsammlung in der Stadtgalerie Prag

"Träumen, Schmunzeln und Staunen": Die Heidelberger Prinzhornsammlung ist noch bis zum 3. Mai zu sehen

Prag - Prag ist ein Mekka für Kunst- und Kulturliebhaber. Museen, Konzerte und Theateraufführungen locken an allen Ecken und Enden. Den Überblick zu behalten ist selbst für Eingeweihte oftmals schwierig.

Eine besonders lohnende Ausstellung präsentiert zurzeit die Zweigstelle der Prager Stadtgalerie im Haus zur Steinernen Glocke. In der Galerie am Altstädter Ring werden Teile der Heidelberger Prinzhornsammlung noch bis zum 3.5.2009 gezeigt.

Der Kunsthistoriker und Psychiater Hans Prinzhorn erweiterte von 1919-1922 die Lehrsammlung der Psychiatrischen Klinik in Heidelberg. Er sammelte über 5000 Werke von 450 Autoren. Zunächst galten die Kunstwerke dabei eher als Mittel zum Zweck: Sie wurden als diagnostisches Werkzeug während der Therapie verwendet. In seinem Buch "Bildnerei der Geisteskranken" (1922), ein "kommentierter Katalog" zur Sammlung, stellt Prinzhorn dann jedoch den autonomen Kunstcharakter der Werke in den Mittelpunkt. Während die Ärztegemeinde das Buch eher naserümpfend betrachtete, schwangen moderne Künstler, wie beispielsweise Beispiel Paul Klee, Wassilij Kandinsky und Franti¹ek Kupka euphorischen Lobreden und ließen sich von der als "unglaublich authentisch" empfundenen Kunst inspirieren.

Die in Prag gezeigten Werke bieten einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Sammlung. Provokative Collagen aus kolorierten Scherenschnitten (Paul Kunze), die an die Arbeiten von Dada-Künstlern erinnern und eine raumfüllende Schneeflocken-Installation aus Mullbinden (Valerie Lieb) bilden den Auftakt Mein Favorit waren die Banknotenentwürfe von Else Blankenhorn. In der expressiven Formsprache ihrer 100000 Millionen Markscheine, die sie mit (Selbst-) Porträts illustriert, liegt eine schon fast berauschende Sinnlichkeit. Wunderbar sind auch die Arbeiten von Oskar Herzberg, der Alltagssituationen seines Lebens mit Liebe zum witzigen Detail und zu filigranen Ornamenten darstellt. Da sich die Künstler in ihrem Werk ohne den für den Betrachter oftmals schwer verständlichen und erträglichen Dünkel präsentieren, eignet sich diese Ausstellung besonders gut für einen Familienausflug. Kunst, die Spaß macht! (lis)

Prinzhornsammlung bis 3.5.2009
im Haus zur Steinernen Glocke (Staromìstské námìstí 13)
täglich außer montags von 10-20 Uhr geöffnet
Eintritt: 120/60 Kronen

Internet: http://www.citygalleryprague.cz/


Tschechien Online, 2.4.2009. Foto: Ghmp.cz
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