Wegen 35 Heller Schulden Exekution von Eigentum in Millionenhöhe
Prag - Dass die tschechischen Exekutoren beim Pfänden des Eigentums von Schuldern wenig zögerlich vorgehen, darüber berichten die Medien immer wieder.
Nun hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen einen Fall dokumentiert, der an Absurdität kaum zu übertreffen ist.
Weil eine Unternehmerin aus Pardubice (Ostböhmen) ihrer Bank den Betrag von 35 Heller (gut 1 Cent) schuldete, wurde bei ihr Eigentum in Höhe von 40 Millionen Kronen gepfändet.
Von der drohenden Exekution erfuhr die Frau nach ihren Aussagen aus Zufall. Als sie sich beim Katasteramt Auszüge zu einer ihrer Immobilien ausdrucken ließ, fand sie den Pfändungs-Vermerk. Bis zu diesem Zeitpunkt habe sie von den Schulden nichts gewusst.
Den Berichten nach war das Problem folgendermaßen entstanden: Die Unternehmerin hatte sich mit Einkäufen per Kreditkarte bei ihrer Bank um 30.696 Kronen und 35 Heller verschuldet. Den Betrag beglich sie später durch Bareinzahlung am Schalter, rundete jedoch - angeblich auf Anraten der Sachbearbeiterin - nicht nach oben auf und blieb somit 35 Heller schuldig.
Der ursprüngliche Betrag wuchs mit Zinsen und Bearbeitungsgebühren, die die Komerèní Banka in Rechnung stellte, schließlich auf 20.000 Kronen an; der Gerichtsvollzieher wurde eingeschaltet.
In Anbetracht dessen, dass der Wert des gepfändeten Eigentums ein Vielfaches der Schulden beträgt, will sich die betroffene Frau nun gerichtlich wehren. Die Exekution sei "unangemessen", sagte sie.
Solche "unangemessenen" Pfändungen sind in Tschechien weder selten, noch verstoßen sie gegen geltende Gesetze. Dies soll eine Novelle des Exekutionsrechts ändern, die das Abgeordnetenhaus in Prag vorbereitet. (gp)
Tschechien Online, 1.7.2009