Tschechische Literatur: Vladimír Körner - Adelheid

Aus dem Tschechischen. Hrsg. und mit einem Nachwort von Václav Maidl

Prag - Herbst 1945. Viktor, der auf Seiten der Engländer gegen die Deutschen gekämpft hat, kehrt in die Tschechoslowakei zurück. Erschüttert von Kriegserlebnissen und wurzellos geworden in seiner früheren Heimat, zieht es ihn in eine beschauliche Gegend im äußersten Norden, nach Schlesien. In einem kleinen Dorf soll er das einstige Anwesen eines deutschen Nazifunktionärs verwalten.

Aber eigentlich kommt Viktor, um seinen inneren Frieden zu finden. Doch die Ruhe trügt. Denn die Besatzungszeit und der Weltkrieg haben Spuren hinterlassen. Tiefe Gräben verlaufen zwischen den Tschechen und den verbliebenen Deutschen. Der Krieg in den Köpfen geht weiter, und die Frage nach Siegern und Besiegten stellt sich neu. Das alles berührt Viktor nicht weiter - bis er die Deutsche Adelheid kennenlernt ...

Mit seiner berühmten Novelle Adelheid machte Vladimír Körner als erster tschechischer Autor den Umgang mit der deutschen Minderheit im Jahr 1945 kritisch zum zentralen Gegenstand von Literatur.

Körners Stärke liegt darin, mit seiner mitfühlenden und ausgewogenen Darstellung festgefahrene Bilder von den Deutschen oder den Tschechen zu erschüttern. Einer pauschalen Verurteilung des einen oder des anderen Volkes erteilt er so eindrucksvoll eine Absage.

Die Liebesgeschichte zwischen Viktor und Adelheid macht die furchtbaren Folgen des Krieges erfahrbar: Wie erlittenes Leid und Rachegelüste der tiefen Sehnsucht nach Frieden und einem Neubeginn entgegenstehen. Wie Nationalismus die Köpfe und Herzen vergiftet und an die Stelle von Menschlichkeit tritt.

Die Aufnahme seines Werks, besonders die auch international gefeierte Verfilmung von Franti¹ek Vlácil (1969), macht deutlich, wie sehr Körner mit seiner Novelle die Menschen berührte. Auch über 25 Jahre nach seinem ersten Erscheinen im Vorfeld des Prager Frühlings hat Adelheid nicht an Aktualität verloren. Der Arco Verlag legt dieses bedeutende literarische Werk über das Verhältnis von Tschechen und Deutschen zum ersten Mal in deutscher Sprache vor.

Vladimír Körner

Vladimír Körner wurde 1939 im mährischen Prostìjov (Proßnitz) geboren. Sein Vater wurde während des tschechischen Aufstands in den letzten Kriegstagen erschossen. An der Prager Filmakademie studierte er - unter anderem bei Milan Kundera - Dramaturgie. Auf sein Erstlingswerk, den Erzählband Støepiny v trávì (Splittern im Gras, 1964) folgten zahlreiche Drehbücher und Buchveröffentlichungen, darunter die überwiegend historischen Romane Píseèná kosa (Die Nehrung, 1970), Svíbský les (Der Wald von Svibs, 1975), Údolí vèel (Das Bienental, 1967), Lékaø umírajícího èasu (Der Arzt der sterbenden Zeit, 1984) Post bellum 1866 (1986), Psí kù¾e (Hundsleder,1991), Oklamaný (Der Betrogene, 1994). Adelheid (1967) wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt. Vladimír Körner lebt heute in Prag.


Vladimír Körner: Adelheid

Aus dem Tschechischen.
Hrsg. und mit einem Nachwort von Václav Maidl.
Bibliothek der Böhmischen Länder, Bd. 4.
ca. 200 Seiten, Kaschiertes Leinen.
ca. Euro 20 / SFr 30
ISBN 3-9808410-8-1

Weitere Informationen und Bestellung: www.arco-verlag.de
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