Der Mittelfinger aus Prag

Karel Gott ärgert sich über Kritik an seiner Auszeichnung mit Staatspreis

Prag - Ausnahme-Sänger, gewandter Showman, erfolgreicher Unternehmer, Hobby-Maler - Karel Gott ist ein Mann mit vielen Talenten. Doch Kritikfähigkeit gehört nicht zu den starken Seiten der "goldenen Stimme aus Prag".

Dies hat der 70-Jährige jetzt wieder unter Beweis gestellt, als er seinen Widersachern über das Fernsehen eine unmissverständliche Botschaft (Foto) schickte.

Anlass waren kritische Äußerungen zu der Tatsache, dass Gott zum tschechischen Staatsfeiertag am Mittwoch von Präsident Václav Klaus mit der höchsten Verdienstmedaille geehrt worden war. Unter den übrigen Laureaten befanden sich mehrere ehemalige politische Gefangene des kommunistischen Regimes.

Einige Kommentatoren wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Sänger in der kommunistischen Tschechoslowakei ein erfolgreicher, mehrfach mit staatlichen Auszeichnungen geehrter Unterhaltungskünstler war und zahlreiche Privilegien genoss. Vorgeworfen wurde ihm auch seine Unterzeichnung der so genannten "Anti-Charta", mit der das Regime Künstler und Prominente Ende der 70er Jahre auf Linie bringen wollte, gegen die von Dissidenten initiierten Charta 77.

Karel Gott wollte zu den Kommentaren zunächst keine Stellungnahme abgeben - von der Geste einmal abgesehen. Erst am Freitag erklärte er in einem Gespräch mit der Online-Ausgabe der Tageszeitung Mladá fronta Dnes (Prag) seinen Standpunkt. Er betonte, dass er nie Mitglied der kommunitischen Partei gewesen war, sondern "im Gegenteil froh, dass sie Ruhe gaben".

Auch habe er Verständnis für "sachliche Kritik" an der Ehrung. "Beispielsweise, dass die staatliche Auszeichnung erster Klasse nicht an einen Popsänger verliehen werden soll, auch wenn er vielleicht seit 50 Jahren auf der Bühne steht. Das ist eine Meinung, damit kann ich umgehen", so Gott. Bei einigen Kritikern spüre er jedoch "Bosheit und Hass bis ins Grab".

Ähnlich ungehalten hatte Karel Gott reagiert, als es um seinen Auftritt auf der Expo 2000 in Hannover ging. Damals hatte der Autor einer Zeitungs-Glosse ihn als "Zombie" bezeichnet, der ihn "das ganze Leben verfolgt". Aus Ärger über den Text und die sich daran anschließende Debatte in den tschechischen Medien wollte der Sänger das Konzert zunächst absagen. Zu seinem Einlenken trugen damals unter anderem Sympathiebekundungen aus Deutschland bei. (gp)



Tschechien Online, 30.10.2009. Foto: TV Prima


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