Günstigere Aussichten für Wachstum in Tschechien

Anstieg der Exportwirtschaft / Positive Leistungsbilanz

Prag - Im Ausland belebt sich die Nachfrage nach tschechischen Waren. Das Jahr 2010 dürfte daher für das Land besser ausfallen als noch vor wenigen Monaten erwartet.

In seiner jüngsten makroökonomischen Prognose geht das Finanzministerium der Tschechischen Republik von einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um real 1,3% aus. Getragen wird diese Entwicklung von den Ausfuhren. Dadurch wird es auch mit den Einfuhren wieder bergauf gehen. Der Trend bei Verbrauch und Investitionen ist hingegen negativ.

Die günstigeren Perspektiven in Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner, haben das Bild für Tschechien verbessert. Das Finanzministerium der Tschechischen Republik rechnete in der Ende Januar 2009 vorgelegten makroökonomischen Prognose damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 1,3% zunehmen wird. Das war deutlich optimistischer als in der Oktoberprognose, die mit 0,3% eher von einer schwarzen Null ausgegangen war. Noch etwas positiver sahen es Anfang Februar die Tschechische Nationalbank (1,4%) und der Internationale Währungsfonds (1,5%).

Es wird die Exportwirtschaft sein, die 2010 den Wachstumsmotor spielt, vorausgesetzt, die Erholung in der EU hält an, in die 2009 über 85% der tschechischen Warenausfuhr gingen. Der Prognose zufolge könnten die Nettoexporte mit 1,5 Prozentpunkten zum Anstieg des BIP beitragen. Anders der heimische Verbrauch. 2009 hatten Bürger und Staat durch einen erstaunlich robusten Konsum eine stärkere BIP-Kontraktion als die geschätzten 4% verhindert. Doch 2010 sind die Vorzeichen negativ: Angesichts sinkender Beschäftigung und einer sich verschlechternden Einnahmesituation werden die privaten Haushalte weniger konsumieren und eher zum Sparen neigen, um sich gegen mögliche Risiken abzusichern. Zur Stabilisierung des Etats gezwungen, wird auch der Staat seine konsumtiven Ausgaben reduzieren. Es geht darum, die Neuverschuldung auf 5,3% des BIP zu senken (nach geschätzten 6,6% 2009).

Mit den Bruttoanlageinvestitionen dürfte es im dritten Jahr bergab gehen. Die häufig niedrige Auslastung der Kapazitäten führt dazu, dass Investitionen überdacht oder aufgeschoben werden. Auch wirken sich die Stabilisierungsmaßnahmen der Regierung dämpfend aus. Abgemildert wird der Rückgang zugleich durch öffentliche Investitionen in Infrastrukturprojekte, die dank der EU-Mittel intensiviert werden.

Im Hinblick auf die außenwirtschaftliche Position Tschechiens rechnet das Finanzministerium für 2010 mit einem Überschuss der Leistungsbilanz (0,5% zum BIP, nach geschätzten -1,1% 2009). Es wäre das erste Mal seit 1993 (der Trennung von der Slowakei), dass die Tschechische Republik einen positiven Saldo der Leistungsbilanz aufweisen würde. Den Hintergrund bilden die weitere Steigerung des Außenhandelsüberschusses bei gleichzeitig geringerem Abfluss von Gewinnen.

Der vom Statistikamt erhobene Indikator über die Stimmung in der Wirtschaft bestätigte im Januar 2010 diese zuversichtlichere Grundstimmung. In der Industrie schätzten die befragten Unternehmen die Wirtschaftssituation besser ein als im Vormonat. Gesamtnachfrage ebenso wie Auslandsnachfrage wurden positiver beurteilt. Die Lagerhaltung nahm zu. Auf Anstieg standen die Zeichen auch in der Produktion: Im verarbeitenden Gewerbe waren die Kapazitäten im Januar zu 78,4% ausgelastet, schätzten sich die Unternehmen für 6,4 Monate im Voraus mit Aufträgen abgesichert und zeigten sich hinsichtlich Produktion und Beschäftigung für die kommenden drei Monate noch zuversichtlicher als im Dezember. Die Erwartungen zur Wirtschaftsentwicklung insgesamt in den kommenden drei bis sechs Monaten waren gegenüber dem Dezember 2009 leicht zurückgenommen. Der Handel und ausgewählte Dienstleistungsunternehmen waren hinsichtlich der Auftragslage positiver gestimmt, während die Bauunternehmen sich weiter skeptisch zeigten.

Die Stimmung unter den Verbrauchern war im Januar 2010 zwar deutlich besser als ein Jahr zuvor, doch negativer als im Dezember 2009. In den kommenden zwölf Monaten rechnen sie mit einer Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage und ihrer finanziellen Situation. Auch gehen sie davon aus, dass die Arbeitslosigkeit zunimmt. Die Arbeitslosenrate ist nach Einschätzung des Finanzministeriums bereits 2009 mit beispiellosem Tempo auf 6,7% hochgeschnellt (2008: 4,4%) und dürfte 2010 bei 8,8% ihren Höhepunkt erreichen, um dann langsam abzuflachen. Entsprechend geht die Beschäftigung weiter zurück und dürfte 2011 stagnieren.

Makroökonomische Prognose


1) Reale Veränderung zum Vorjahr in %, konstante Preise (2000); 2008 vorläufig, 2009 Schätzung, 2010 und 2011 Prognose; 2) Konsumentenpreisindex

Quelle: Finanzministerium der Tschechischen Republik; Makroökonomische Prognose Januar 2009; http://www.mfcr.cz/cps/rde/xchg/mfcr/xsl/macroeconomic_forecast.html (mn)

Tschechien Online, 18.2.2010. © Germany Trade and Invest 2010


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