E-Mobilität gewinnt in Tschechien an Bedeutung

Deutsche Rittal liefert erste Ladestationen / Von Miriam Neubert (gtai)

Prag - Für die Tschechische Republik ist Elektromobilität ein sehr junges Thema, das aber in den kommenden Jahren zunehmend in den Fokus rücken wird. Nationaler Pionier in dem Bereich ist Stromkonzern CEZ mit seinem Projekt Futur/E/Motion, das zur Elektrifizierung des Straßenverkehrs beitragen soll.

Auch die überarbeitete Version der staatlichen Energiekonzeption sieht ein Programm Elektromobilität mit verschiedenen Förderelementen vor. Verabschiedet werden soll die aktualisierte Fassung von der neuen Regierung nach den Wahlen im Mai 2010.

Bis Ende 2010 sollen in der Tschechischen Republik für die Nutzer elektrischer Autos und Fahrzeuge erste Strom-Tankstellen zur Verfügung stehen. Als Zulieferer der ersten vier Ladestationen, mit denen das System erprobt werden soll, hat sich CEZ unter fünf Bewerbern den deutschen Systemlösungsanbieter Rittal ausgesucht. Dieser hatte den Prototypen für eine Ladestation zum Betanken von Elektroautos auf der Hannover Messe 2009 vorgestellt. Die erste Stromtankstelle einschließlich kombinierter Software zur Messung und Rechnungserstellung wird in der CEZ-Zentrale in Prag installiert werden, wo sie unter realen Bedingungen getestet werden soll. Im Rahmen des Programms Futur/E/Motion ist der Kauf weiterer Ladestationen geplant, die bei Partnern aufgestellt werden sollen, etwa Einzelhandelszentren oder Parkflächen vor Gebäuden des Prager Magistrats.

Erste Strom-Tankstellen bis Ende 2010

Im Sommer 2009 hatte der mehrheitlich staatliche Energiekonzern zum Auftakt des Elektromobilitäts-Projekts (www.futuremotion.cz) zwei Autos Fiorino Qubo der italienischen Firma Micro-Vett zum Testbetrieb an ein Seniorenheim entliehen. Bis zum Jahr 2012 will CEZ an die 100 Elektroautos in den Städten Prag und Ostrava testend einsetzen. Im Frühjahr 2010 suchte der Konzern noch einen Hersteller, der Elektroautos in Serie herstellen kann und führte dazu Verhandlungen mit einem französischen Hersteller. Insgesamt will CEZ etwa 500 Mio. Tschechische Kronen in diese Pionierphase investieren (Kc; rund 20 Mio. Euro; Wechselkurs am 10.3.10: 1 Euro = 25,620 Kc). Das Projekt umfasst auch F&E sowie den Aufbau eines Netzes von Ladestationen für die Batterien.

Parallel wird von staatlicher Seite zur E-Mobilität vorgestoßen. Eine entsprechende energiepolitische Weichenstellung ist im Gange, geht es nach der jüngsten Version der alle fünf Jahre überarbeiteten "Aktualisierten Staatlichen Energiekonzeption 2004 bis 2050". Sie ist im Februar 2010 vom Ministerium für Industrie und Handel veröffentlicht worden, dürfte aber erst durch die neue Regierung abgestimmt werden, die aus den Parlamentswahlen am 18. und 29. Mai hervorgehen soll.

Das Dokument setzt im Bereich Verkehr explizit auf Strom als neuen Antrieb und sieht die Entwicklung eines Programms Elektromobilität vor. Folgende Fördermechanismen sollen dabei wirksam werden: Staatliche Unterstützung beim Aufbau der öffentlichen Infrastruktur; direkte Subventionen; vergünstigte Distributionstarife für Ladesysteme; Steuererleichterungen im Rahmen der ökologischen Steuerreform und beschleunigte Abschreibungsmöglichkeiten für Elektroautos und Ladesysteme. In einer ersten Phase sollen öffentliche Ladestationen für den Massenverkehr vor allem in großen Städten geschaffen werden. Zielvorgaben hinsichtlich der Zahl der in Zukunft angestrebten Elektrofahrzeuge werden nicht genannt. Aber in einem als "Visionen" überschriebenen Abschnitt heißt es, dass der Verbrauch der verschiedenen Treibstoffe bis 2015 gegenüber 2008 wie folgt zunehmen soll: herkömmliche Kraftstoffe um 2 bis 5%; Biokraftstoffe um 5 bis 8%; komprimiertes Erdgas CNG um 4 bis 6%; elektrische Energie um 8 bis 12%. Nach 2030 soll die Nachfrage nach herkömmlichen Kraftstoffen deutlich abnehmen zugunsten einer noch stärkeren Entwicklung der Elektroenergie.

Gemeinde der E-Mobilitätsfans derzeit noch überschaubar

Es besteht eine gewisse Tradition bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen, da sich die Tschechoslowakei in den sechziger Jahren kurzfristig in der Entwicklung von Elektroautos versucht hatte. Gegenwärtig ist die Gemeinde der E-Mobilitätsfans noch überschaubar. Im Zentralen Fahrzeugregister waren im März insgesamt 182 elektrisch betriebene Fahrzeuge registriert, des weiteren 750 Solarfahrzeuge. Geht es nach der Vision der staatlichen Energiekonzeption, werden sich diese Zahlen in den kommenden Jahren deutlich nach oben entwickeln.

Das öffentliche Interesse an dem Antrieb aus der Steckdose wächst. Auf der Internationalen Messe für Motorräder, Zubehör und Bekleidung, dem Motosalon Brno 2010 (www.bvv.cz)in Brünn meldeten die Verkäufer und Importeure von Elektromotorrollern, dass auch oder gerade in der Krisenzeit die Nachfrage zunehme. Dahinter stehe die steigende Leistungsfähigkeit der Akkumulatoren, die längere Fahrten erlaubten, der relativ niedrige Preis und der gegenüber Benzin günstigere Strom. Der tschechische Hersteller von Elektro-Scootern der Marke Akumoto beispielsweise schätzte, dass der Markt 2010 nicht mehr nur wenige Hundert E-Roller umfassen wird, sondern bereits die Tausender-Grenze erreichen könne. Zunehmend gehören neben privaten Käufern auch Unternehmen zu den Abnehmern, vor allem Logistik- und Sicherheitsfirmen, aber auch Zoos.

Auch die Verkehrsbetriebe der Hauptstadt Prag haben den Strom entdeckt. Die erste mit Elektroenergie betriebene Buslinie ist im Januar 2010 auf der touristisch besonders beliebten Kleinen Seite der Stadt in Betrieb genommen worden. Minibusse der italienischen Gesellschaft BredaMenarini fahren dort abgasfrei die enge Kopfsteinpflasterstraße Vlasska am Lobkovic-Palais, dem Sitz der Deutschen Botschaft, vorbei, hinauf zu einem Krankenhaus und zurück. Prag möchte jetzt weitere Elektrobusse kaufen.

Den merklich höheren Strombedarf, der im Zuge wachsender E-Mobilität besonders nach 2030 erwartet wird, will die Tschechische Republik aus der Kernkraft abdecken. Deren Anteil am Energiemix soll von gegenwärtig 15 auf 25% in 2030 steigen und dieses Niveau bis 2050 halten. Nicht zufällig ist in Sachen Elektromobilität der Stromkonzern CEZ als Pionier aufgetreten, der zugleich den Ausbau des Atomkraftwerks Temelin um zwei weitere Reaktorblöcke ausgeschrieben hat. Elektrizität wird von CEZ-Generaldirektor Martin Roman als eine langfristig perspektivreiche Lösung des Transportproblems bezeichnet, Elektromobilität als eines der Schlüsselsegmente, auf das sich die Energiewirtschaft der Zukunft ausrichten werde.

Tschechien Online,16.3.2010. © Germany Trade and Invest 2010


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