ÈNB-Vize Hampl wirft IWF vor, die Krise geschürt zu haben
Prag - Der Internationale Währungsfonds (IWF) und eine Reihe von Analysten sind für die Beschleunigung der Wirtschaftskrise in Ostmitteleuropa mit verantwortlich.
Diese Ansicht vertritt der Vizegourverneur der Tschechischen Nationalbank (ÈNB), Mojmír Hampl, in einem Gespräch mit der in Wien erscheinenden Tageszeitung "Der Standard" (Wochenendausgabe).
Danach habe der IWF in der Region ein "neues Betätigungsgfeld" gesucht und dabei die Krise entfacht. "Viele der Analysten und internationalen Institutionen, die Osteuropa als die Region mit den größten Schwierigkeiten eingestuft haben, irrten sich. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass die Instabilität des Finanzsystems ein Problem Westeuropas ist. Das hat sich nun bewahrheitet", so Hampl.
Der ÈNB-Vizegouverneur wies auf eine Erhebnung der EU-Kommission hin, wonach nur neun von 27 Mitgliedsstaaten keine Stabilisierung des Finanzsystems hatten vornehmen müssen. Dabei handelte es sich ausnahmslos um neue Mitgliedsstaaten.
Vor dem Hintergrund der Krise und mit Dominique Strauss-Kahn als neuem Direktor habe der IWF ein neues Tätigkeitsfeld eröffnet und neue Mittel erhalten. "Sogar jetzt nach zahlreichen Hilfseinsätzen hat der IWF nicht einmal jene Gelder ausgegeben, die er vor der Aufstockung seiner Ressourcen zur Verfügung hatte", erklärt Mojmír Hampl.
Auf die Frage, ob die tschechische Wirtschaft nicht unter der Unentschlossenheit in Puncto Euro-Beitritt leide, antwortete der Zentralbänker: "Es gibt keinen free Lunch. Wir bezahlen unsere Unabhängigkeit der Geldpolitik mit stärkeren Währungsschwankungen." Die Bedeutung der Euro-Mitgliedschaft schätze er als gering ein, weil Prag "die Inflation im Griff" habe.
Nach Auffassung Hampls bestehe in Tschechien zurzeit "kein Grund zur Eile", was die Einführung der Einheitswährung betrifft. Innenpolitisch hänge dies damit zusammen, dass vor einem Beitritt noch zwei Wahlen lägen. Zudem verzögere die Griechenland-Krise die Aufnahme weiterer Länder in díe Euro-Zone, so die Einschätzung des Vizegourverneurs der ÈNB. (gp)
Das komplette Interview finden Sie hierTschechien Online, 2.4.2010. Foto: ÈNB