Mutter hinterlässt Geburtsurkunde und Brief an Betreiber
Prag - In der sogenannten Babyklappe im GynCentrum im Prager Stadtteil Hloubìtín wurde erstmals ein Baby abgelegt.
Das vier Wochen alte Mädchen hatte am Freitag Abend eine Frau zurückgelassen, die Zwillinge geboren hatte und der Meinung war, dass sie als Alleinerziehende sich nicht um beide Kinder kümmern könne. Dies berichtet die Tageszeitung Lidové noviny (Prag).
Ein ähnlicher beheizter Kasten, in den Mütter in Notsituationen anonym ihre Kinder ablegen können, ist auch in Brünn in Betrieb. Bisher wurden aber weder in Brünn noch in Prag Kinder in den umstrittenen Babyklappen abgelegt. Der Fall am Freitag ist der erste in Tschechien.
Ungewöhnlich an dem Fall in Prag ist, dass die Mutter in der Babyklappe auch die Geburtsurkunde und einen Brief hinterlassen hat, in dem sie ihren Entschluss begründet. Erklärter Zweck der Babklappen ist es gerade, verzweifelten Müttern als letzten Ausweg eine für das Baby sichere und für die Mutter anonyme Trennung zu ermöglichen. Befürworter der Babyklappen erhoffen sich, so zu einem Rückgang der Kindstötungen beizutragen.
Geburtsurkunde kompliziert Adoption
Mit diesem Brief wird eine Adoption des Kindes in gewisser Weise kompliziert, da das Kind nicht anonym ist. Wäre seine Herkunft unbekannt, könnte ein Gericht praktisch sofort über die Unterbringung in einer Ersatzfamilie entscheiden, was jedoch nicht möglich ist, wenn der Name der Eltern oder der Mutter bekannt ist.
Das kleine Mädchen namens Soòa befindet sich derzeit im Krankenhaus, nach Auskunft der Ärzten ist es wohlauf, über sein weiteres Schicksal wird ein Gericht entscheiden.
Die erste der umstrittenen Babyklappen sollte eigentlich im Geburtskrankenhaus u Apolináøe entstehen, dessen Betreiber, das Gesundheitsministerium, lehnte das Projekt jedoch ab. Es bemängelt, dass die Nutzung der Babyklappen nicht rechtlich geregelt sei und straflos das unverantwortliche Handeln von Eltern unterstütze. Eine weitere Babyklappe soll in Kadaò eingerichtet werden.
Von Markéta LehovcováTschechien Online, 20.2.2006