Stromkonzern CEZ steigt aus der deutschen Mibrag aus

Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft bleibt in tschechisch-slowakischer Hand / Von Miriam Neubert (gtai)

Prag - Tschechiens Stromkonzern CEZ verkauft seinen Anteil von 50% an dem deutschen Braunkohlenunternehmen Mibrag an den Miteigentümer, die tschechisch-slowakische Energie und Industrie Holding (EPH). Im Gegenzug erwirbt er von EPH die tschechische Wärmegesellschaft Energotrans, an deren Standort Melnik CEZ ein Gasdampfkraftwerk plant.

Der Preis und weitere Details werden nicht veröffentlicht. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das tschechische Wettbewerbsamt.

Die mehrheitlich staatliche CEZ-Gruppe will sich stärker auf die Gebiete Verteilung und Wärmewirtschaft konzentrieren. Teil dieser neuen Strategie ist der Tausch seines Anteils an der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft Mibrag mit Sitz in Zeitz (Sachsen-Anhalt) gegen den Erwerb der Fernwärmegesellschaft Energotrans, die im mittelböhmischen Melnik ein Heizkraftwerk betreibt und von dort die Hauptstadt Prag mit Fernwärme versorgt. Der CEZ-Aufsichtsrat hat die Transaktion bewilligt. Begründet wird sie damit, dass das Unternehmen sich in seinem Hauptgeschäft, der Elektrizitätswirtschaft, in verstärktem Maße Risiko-Einflüssen des Marktes ausgesetzt sieht und seine Position in regulierten Bereichen verstärken will. Mit einem Marktanteil von fast drei Vierteln an der tschechischen Stromerzeugung will CEZ sich künftig stärker auf die Wärmewirtschaft konzentrieren.

Hinzu kommt offenbar eine Ernüchterung bei der Einschätzung der mit Braunkohle verbundenen Entwicklungschancen in Deutschland. Um die eigene Position auf dem deutschen Strommarkt zu verstärken, hatte CEZ 2009 zusammen mit der slowakischen Finanzgruppe J&T die Mibrag für 404,0 Mio. Euro von den damaligen US-amerikanischen Eigentümern gekauft. Auf dem Plan stand das Vorhaben, in der Nähe des Tagebaus Profen ein neues Braunkohlekraftwerk zu errichten. Noch im Mai hatte CEZ-Direktor Martin Roman gegenüber einem tschechischen Fernsehsender eine mögliche Investition in Höhe von über 1 Mrd. Euro angesprochen. Durch den angekündigten Ausstieg Deutschlands aus der Atomkraft aber, so hieß es Ende Juli 2011 in einer Presseerklärung, sei der deutsche Markt für CEZ riskanter geworden, da die Atomkraft in Deutschland vor allem durch erneuerbare Energien und Erdgas ersetzt werden solle. Hinzu komme die öffentliche Stimmung gegen Braunkohle als Energiequelle.

Das geplante CEZ-Projekt eines neuen Kraftwerks wird als Teil der Transaktion an die Energeticky a prumyslovy holding (EPH) übergehen. Anders als CEZ hält EPH Pressemeldungen zufolge die deutsche Braunkohlewirtschaft durchaus für interessant. Die Holding wurde im Oktober 2009 von der slowakischen Investmentgesellschaft J&T und der tschechischen Private-Equity-Gesellschaft PPF gegründet, die jeweils 40% der Anteile kontrollieren; 20% sind in der Hand des EPH-Vorstandsvorsitzenden Daniel Kretinsky.

Mibrag fördert in den Tagebauen Profen (Sachsen-Anhalt) und Vereinigtes Schleenhain (Sachsen) nach eigenen Angaben über 10% der in Deutschland gewonnenen Rohbraunkohle, etwa 20 Mio. t pro Jahr. Über die Holding EPH wird Mibrag Bestandteil der erst im Dezember 2010 gegründeten Tochter EP Energy, zu der neben mehreren tschechischen Energieunternehmen auch die Steinkohlefördergesellschaft PG Silesia in Polen gehört. Mit der Übernahme der Gesamteigentümerschaft an Mibrag unterstreiche EPH seine Position eines integrierten Energieunternehmens, das alle Segmente umfasse, angefangen vom Braunkohleabbau bis hin zum Stromverkauf an den Endabnehmer, hieß es gegenüber der Presse. EP Energy ist eigenen Angaben zufolge der zweitgrößte Stromerzeuger in Tschechien und führt in der Fernwärmewirtschaft. Die installierte Leistung wird in der Stromproduktion mit 1.404 MW Strom und in der Wärmeproduktion mit 5.664 MW angegeben.

Ursprünglich war ein anderes Geschäft geplant, hatte CEZ sein Kraftwerk Chvaletice gegen Energotrans in die Waagschale werfen wollen. In diesem Geschäft sei aber keine Übereinkunft erzielt worden, meldete der Energiekonzern. Energotrans betreibt als Tochter der Wärmegesellschaft Prazska teplarenska in Melnik das Braunkohlekraftwerk Melnik I (325 MW). Drei weitere Braunkohlequellen in dem Gebiet gehören CEZ. Schon länger plant der Stromkonzern am Standort Melnik den Bau eines Gas- und Dampfkraftwerks mit einer installierten Leistung von 800 MW. Dieses soll die alternden Braunkohlekraftwerke ersetzen, die nach 2015 schrittweise abgestellt werden müssen. Gegenwärtig investiert CEZ bereits in ein Gas-Dampfkraftwerk in Pocerady.

Die verfügbaren Braunkohlereserven in Tschechien sind begrenzt. Laut Entwurf der Staatlichen Energiekonzeption wird der Kohleanteil an der Stromerzeugung von gegenwärtig 60% bis 2030 auf fast 20% drastisch absinken. CEZ betreibt in Tschechien zur Strom- und Wärmeerzeugung 19 Braunkohlekraftwerke, von denen viele dann nicht mehr in Betrieb sein dürften. Zu den Ausnahmen gehört; das Kraftwerk Ledvice, dessen überkritischer Block (660 MW) gegenwärtig gebaut wird; das im Erneuerungsprozess stehende Kraftwerk Tusimice; die umstrittene Rekonstruktion des Kraftwerks Prunerov, wo die Vorbereitungen laufen. CEZ-Hauptgeschäftsführer Martin Roman hatte im Mai in einem Fernsehinterview angekündigt, sein Unternehmen wolle in den kommenden Jahren 300 Mrd. Kc (rund 12 Mrd. Euro) investieren, den Großteil davon in der Tschechischen Republik.

Im Rahmen einer ehrgeizigen Expansionsstrategie hat die CEZ-Group in den vergangenen Jahren auch in Polen, Albanien, Rumänien, Bulgarien und der Türkei investiert. Dieses Engagement lässt sich an den tschechischen Direktinvestitionen in der Energiewirtschaft im Ausland ablesen. Nach der Statistik der Tschechischen Nationalbank hat die Tschechische Republik 2010 fast 1,3 Mrd. Euro im Ausland direkt investiert; 860,8 Mio. Euro flossen in den Bereich Produktion und Verteilung von Strom, Gas und Wärme. Ende 2009 umfasste der Stand der tschechischen Direktinvestitionen im Ausland 10,3 Mrd. Euro. Das Schwergewicht lag dabei mit 7,2 Mrd. Euro auf den Dienstleistungen; es folgte die Energiewirtschaft mit 1,7 Mrd. Euro vor dem verarbeitenden Gewerbe mit 934,0 Mio. Euro.

Tschechien Online, 4.8.2011. © Germany Trade and Invest 2011


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